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Montag, 20 Mai 2013 21:42

Relegation 2013: Alte gegen neue Welt

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Genau das ist es, was es gebraucht hat. Das Drehbuch des Fußballgotts ist wieder einmal Hollywoodreif. Wir haben den Gegner für die Relegation bekommen, den sich zwar nur die wenigsten gewünscht haben, der aber genau das richtige Puzzlestück für eine Konstellation ist, die den berühmten Betze-Geist für das alles entscheidende Spiel beleben wird.

Alte Welt vs. Neue Welt

Und es ist kein bloßes Duell zweier Fußballmannschaften. Hier tritt Kaiserslautern als Stellvertreter der alten Welt gegen die TSG 1899 Hoffenheim als Vertreter der neuen Welt an. Ein Klub mit Seele gegen den Virus des deutschen Profifußballs. 80 km Luftlinie voneinander entfernt und doch wie zwei Paralleluniversen mit Unterschieden, die nicht größer sein könnten. Das klassische Duell der Gegensätze: Gut gegen Böse, Tradition gegen Kunstprodukt, Pferdewurst gegen Lachsschnittchen.

Alles ist vorbereitet für diesen prägenden Meilenstein, der in die Geschichte des 1. FC Kaiserslautern eingehen wird – im Falle des Erfolges ebenso wie im Falle des Scheiterns. Sportlich der wohl schwierigste von allen möglichen Gegnern, emotional allerdings das absolute Highlight. Eine Niederlage gegen Düsseldorf hätte weh getan, aber es wäre verkraftbar gewesen. Bei diesem Gegner ist das anders. Wir sind verpflichtet, zu gewinnen.

Angst vs. Vorfreude

Darum kann es auch niemand leugnen: Die Vorfreude auf dieses Spiel paart sich aktuell mit der Angst, dass es schief gehen könnte. Doch alle Enttäuschung, alle unerfüllten Erwartungen, alle überzogenen Ansprüchen, all die Unzufriedenheit und all der Frust der vergangenen Monate sind vergessen. Alles ist auf Null gestellt. Es zählen nur diese beiden Spiele. Wir haben die Konstellation, die es benötigt hat, um die eingeschlafene FCK-Seele wieder aufzuwecken. Und es steht weit mehr als die Ligazugehörigkeit für die nächste Saison auf dem Spiel. Müssen wir uns die nächsten zwei Wochen im Keller verstecken oder können wir mit dem FCK-Trikot durch ganz Deutschland stolzieren?

Der Ausgang dieser Relegation wird die Vereinsgeschichte der kommenden 5 Jahre entscheidend prägen und beeinflussen. Es steht unheimlich viel auf dem Spiel. Wir sind All-In. Entweder knacken wir den ganz großen Jackpot oder wir liegen bettelarm und ausgeraubt auf der Straße. Epischer Sieg oder epische Demütigung. Kein zweiter Boden, kein Sicherheitsnetz. Wir haben das schlechtere Blatt im Kampf gegen einen Gegner mit Assen auf den Händen. Hochbezahlte, hochtalentierte Einzelspieler auf Seiten der Sinsheimer. Ausgestattet mit Mitteln, die unseren weit überlegen sind.

David vs. Goliath

David gegen Goliath im besten Sinne. Mit dem Unterschied, dass die Muskeln des Goliaths nicht echt sind. Nur aufgepumpt mit heißer Luft. Ein Kunstprodukt, dass sich die Zugehörigkeit in der Bundesliga über den einfachsten Weg gesucht hat und dem wir jetzt mit einem gezielten Tritt in den Allerwertesten wieder aus dem Oberhaus verbannen können.

Wir haben die  große Chance, diesen Virus des deutschen Fußballs in die Zweitklassigkeit zu versenken. Nicht weniger als ganz Fußballdeutschland steht dafür auf unserer Seite. Und diese Unterstützung brauchen wir auch, um es möglich zu machen.

Und in einem sind wir der Goliath und die TSG der David: Es sind die Menschen, die den Verein seit Jahrzehnten begleiten und genau in diesen Momenten da sind, um den alten Mythos des Betzenbergs wieder aufleben zu lassen. Der Mythos,  der sich immer dann aktiviert, wenn der FCK mit dem Rücken zur Wand steht. Wenn keiner einen Pfifferling auf uns setzen würde. Dann ist sie plötzlich wieder da, diese uneinnehmbare Festung namens Fritz-Walter Stadion.  Und genau deswegen wird eine ganze Fußballnation hinter dem FCK stehen. Auf der Seite des Guten, der alten Welt, der Pferdewurst.

Sieg vs. Niederlage

Und wenn wir auch untergehen sollten, so tun wir es mit wehenden Fahnen und der Gewissheit, dass ohnehin das, was einen Fußballverein besonders macht, mit keinem Geld der Welt erkauft werden kann. Am Ende werden wir Sieger sein – unabhängig vom Ergebnis.

Patrick Potthoff

27.
Sportmanagementstudent.
Gefühlte Heimat: Kaiserslautern.
Tatsächliche Heimat: Gütersloh, Ostwestfalen.

4 Kommentare

  • Kommentar-Link Ich liebe Siege gegen RB! :-) Dienstag, 21 Mai 2013 12:19 gepostet von Ich liebe Siege gegen RB! :-)

    Denkt auch mal einer an Lotte vs. Brauseclub? RB MUSS die nächste Ehrenrunde in der Liga 4 drehen. Schade um Zwickau, Jena und Magdedorf aber die Bullen dürfen nicht aufsteigen!!!

  • Kommentar-Link Jens Donnerstag, 23 Mai 2013 15:45 gepostet von Jens

    Bei dem - wie ich finde - sehr treffend gewählten Titel, hatte ich eigentlich einen objektiven Artikel erwartet. Ich bin kein FCK und kein TSG Fan, aber ich schaue mir gerne Fußball an. Das war dieses Jahr bei der TSG nicht möglich und auch beim FCK sind die Zeiten von gutem Fußball schon ein paar Tage her.

    Allerdings finde ich Beschimpfungen wie "diesen Virus des deutschen Fußballs" etwas daneben. Ich denke die subjektive Ansicht "ganz Fußballdeutschland" täuscht. Ich finde wer sportlich oben steht, der gehört dahin. Vielleicht sollte man hierbei auch nicht außer Acht lassen:

    "Dass Hopp mit seinen fast 250 Millionen Euro Investitionen ein vorbildlich ausgestattetes Nachwuchszentrum etabliert hat, dass die Jugendarbeit und der Frauenfußball gefördert werden, dass man mit Markus Gisdol nun einen Trainer mit allerbesten Referenzen an der Seitenlinie hat, dass es auch im Kraichgau - man soll es nicht für möglich halten - Fans gibt, die ihrem Club die Daumen halten: geschenkt. Das zählt nicht." (Zitat SPON)

    An dieser Jugendarbeit können sich einige sogenannte Traditionsvereine ein Beispiel nehmen. Tradition ist nicht das Aufbewahren der Asche.

  • Kommentar-Link Patrick Potthoff Donnerstag, 23 Mai 2013 16:06 gepostet von Patrick Potthoff

    Im Fußball geht es ja selten objektiv zu. Noch viel weniger vor dem Hintergrund der entscheidenden Spiele. Von daher bin ich aktuell überzeugt subjektiv und vollkommen undiplomatisch.

    Deine Ansicht respektiere ich, aber inhaltlich finde ich den zitierten Abschnitt der SPON auch höchst fragwürdig.
    Was hat Markus Gisdol denn bisher geleistet? Wenn er kommende Saison die ersten sechs Spiele verliert, wird er genauso entsorgt, wie seine drei Vorgänger in dieser Saison. Aber so wird dann gerne auch mal schnell heroisiert.

    Die „hervorragende Jugendarbeit“ kommt für mich oft noch als Mythos daher, wenn ich mir den mit überteuerten „Söldnern“ gespickten Kader der TSG angucke.

    Wir geben der TSG 1899 Hoffenheim gerne die Möglichkeit, ihre guten Vorsätze und himmlischen Wohltaten mit einem Schnitt und Neuanfang in Liga Zwei in die Tat umzusetzen.

    Vielleicht macht uns das sogar auch zum Wohltäter?! Man weiß es nicht ;)

  • Kommentar-Link Homer Donnerstag, 23 Mai 2013 16:53 gepostet von Homer

    Wo kommt die diese Jugendarbeit den her? Mit dem Hopp Geld wurden systhematisch Nachwuchsspieler vom VfB abgeworden, die über Jahre hinweg zu den Besten im Nachwuchsbereich zählten und in Nachbarvereinen "gewildert"

    nicht die Jugendarbeit war zu erst da, sondern das Streben nach der Bundesliga. Das man das auf dauer ohne eine Basis im Jugendbereich nicht stemmen kann, so doof ist man dann doch nicht.

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