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Montag, 13 Oktober 2014 15:53

Das Geld ist nicht weg, es ist nur woanders

geschrieben von 

 

JustPay KarteAls im August 2008 das Zeitalter des Bezahlsystems “JustPay” auf dem Betzenberg eingelĂ€utet wurde, waren nicht alle Fans so begeistert wie damals Stefan Kuntz. In der damaligen AnkĂŒndigung sagte er: “Dies ist ein weiterer Doppelpass zwischen dem FCK und den Fans und optimiert den Service fĂŒr die FCK-AnhĂ€nger. Sowohl unsere Fans als auch der Verein werden vom umfassenden Service dieser Multi-Funktionskarte profitieren.”. Welche Funktionen, neben dem Bezahlen an den StĂ€nden im Stadion, noch in diese “Multi-Funktionskarte” integriert ist, bleibt wohl fĂŒr immer ein Geheimnis.

 

Relativ leise hat sich zum Saisonwechsel jedoch beim Vorreiter fĂŒr dieses Kartensystem, dem 1. FC Köln, ein Richtungswechsel ergeben und dieser Verein hat sich vom Bezahlsystem JustPay verabschiedet. Gerade lief die Frist ab bis zu dem eine Auszahlung des noch auf der Karte befindlichen Guthabens, im Rhein-Energie-Stadion abgewickelt werden konnte. Jetzt besteht nur noch die Möglichkeit in anderen Stadien eine Auszahlung zu bekommen oder aber per Formular die Auszahlung auf sein privates Konto zu erreichen.

Warum ich darĂŒber schreibe?

Am 19. September erschien im Blog von JP4Sport ein Artikel, der im Grunde alle Vertragspartner und Nutzer von JustPay wachrĂŒtteln sollte. In der Vergangenheit hat sich die finanzielle Lage des Betreibers offenbar so verschlechtert, dass die “Payment Solution AG” - die Mutterfirma der eigentlich abwickelnden Payment Solution Services GmbH - fĂŒr einen Schweizer Franken fĂŒr die 93,7% Anteile auf den Britischen Jungferninseln “geparkt” wurde. Die restlichen 6,3% hĂ€lt bis heute ein Insvolvenzverwalter im Rahmen der Insolvenzmasse eines frĂŒheren Anteilseigners.

Mittlerweile wurden die Anteile weiter verkauft und befinden sich nun im Besitz der Bluehill AG aus der Schweiz.

Was ist nun so kritisch an diesen VorgÀngen und warum setzt man sich mit diesen Themen auseinander?

Im wesentlichen geht es um die Sicherheit des Geldes von Fans und natĂŒrlich auch um die ZahlungsfĂ€higkeit eines Partners des Vereins.

Nach dem Ausstieg des 1. FC Köln aus der Zahlungslösung fĂŒr das Rhein-Energie-Stadion von JustPay war die “Payment Solution Services GmbH” verpflichtet, alle Guthaben der Fans auszuzahlen. Diese GmbH, per 31. Dezember 2012 (letzte veröffentlichte Bilanz) mit mehr als 7 Millionen Euro ĂŒberschuldet (Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag), war also gezwungen Bargeld locker zu machen, um den Fans die BetrĂ€ge auf ihren Karten zurĂŒckzuzahlen. Diese RĂŒckzahlung war durch eine sogenannte PatronatserklĂ€rung - also eine Zahlungsgarantie - der Muttergesellschaft, der “Payment Solution AG” abgesichert. Diese Gesellschaft selbst ist aber ebenfalls - Bilanz per 31.12.2012 (letzte veröffentlichte Bilanz) - mit mehr als 1 Millionen Euro ĂŒberschuldet (Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag). Als Kassenbestand weist diese Bilanz ein Guthaben von 56.000 Euro auf. Vor allem aber ist die PatronatserklĂ€rung nur  auf die Verpflichtungen aus dem Vertrag mit dem 1. FC Köln bezogen. Andere VertrĂ€ge sind von dieser PatronatserklĂ€rung nicht betroffen. Außerdem wurden die Einrichtungen in der Arena Augsburg (Kartenlesesysteme etc) SicherungsĂŒbereignet. Ein weiteres Indiz fĂŒr den schlechten Zustand des Unternehmens.

Der Ablauf der Zahlungen sieht im Normalfall wohl wie folgt aus:

Fan zahlt bei JustPay Mitarbeitern oder im Internet Guthaben auf die Karte auf.

Damit wird im Stadion beim GetrĂ€nke- bzw. Wurst- oder Essensstand “bezahlt”. Nach dem Spieltag wird von Justpay der Betrag an den Standbetreiber und die Provision an den Verein bezahlt. Bis zum nĂ€chsten Spieltag “arbeitet” Justpay mit dem verbliebenen Guthaben.

Wenn nun dieses Unternehmen in die ZahlungsunfĂ€higkeit geraten wĂŒrde, könnten weder die Fans, noch der Standbetreiber mit seiner Bezahlung rechnen. Ebenso wĂ€ren die Provisionen fĂŒr den Verein durch den Standbetreiber gefĂ€hrdet. Ein Risiko, was offenbar aktuell völlig unterschĂ€tzt wird.

Auf der Fanversammlung vom 2. Oktober 2014 wurde versucht, diesbezĂŒglich Fragen an den Verein zu richten. Hier sieht man jedoch sehr gelassen der Zukunft entgegen und geht davon aus, dass die Berichte “nur GerĂŒchte” seien.

Nur der Ordnung halber sei noch darauf verwiesen, dass der ursprĂŒngliche Schutz durch das BaFin seit 2011 nicht mehr existiert.

Eine Empfehlung fĂŒr alle Fans wĂ€re jedoch, sich nach Spielende unbedingt jedes Guthaben auszahlen zu lassen, um einen Totalausfall des Geldes zu vermeiden.

Beim 1. FC Köln wird im ĂŒbrigen seit dieser Saison mit der “Geldkarten”-Funktion der “Girocard” (ehemals EC-Karte) oder auch bar bezahlt. Eine Alternative zum bisherigen System allemal.

 

Quellen:

Stadion-Karte Justpay: Geparkt in der Karibik - The Wallstreet Journal

Bilanzanalyse: Bei Justpay hÀngt alles am neuen Gesellschafter - JP4 Sport.biz

Bilanz 2012 Payment Solution Services GmbH -> Bundesanzeiger.de

Bilanz 2012 Payment Solution AG -> Bundesanzeiger.de

 

Jochen Grotepass

- Vorstandsmitglied "Perspektive FCK"
- Mitglied IG "Unsere Kurve"
- gewÀhltes Mitglied im Satzungsausschuss des 1. FC Kaiserslautern e.V.
- Allesfahrer

1 Kommentar

  • Kommentar-Link Hans Donnerstag, 23 Oktober 2014 23:16 gepostet von Hans

    Ich warte seit 6 Wochen auf die Auszahlung meines Guthabens (ca. 12 Euro). Justpay reagiert nicht auf E-Mails, auch nicht auf "Drohungen" die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Auch andere User bei diversen Foren berichten ĂŒber Ă€hnliches. Es wird schon einen Grund haben warum Kölns cleverer GF Wehrle sich von Justpay verabschiedet hat.

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