Home / Fan-Block / Kurvenstar 04 / Nationalelf NEIN DANKE – wie Kaschmirpullis, Kommerz, Krähen und Klatschpappen mir den Spaß verdarben

Nationalelf NEIN DANKE – wie Kaschmirpullis, Kommerz, Krähen und Klatschpappen mir den Spaß verdarben

Machen wir es kurz: Ja, ich würde seit geraumer Zeit lieber die ostfriesischen Meisterschaften im Hallenhalma oder Wattebäuschenpusten gucken als ein Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft, obwohl (oder weil…?) ich glühender Fußballfan bin. Und nein, ich habe absolut keine Probleme mit Deutschland und möchte dauerhaft in keinem anderen Land der Welt leben. Was also ist es, das meine frühere Begeisterung – nach der EM 1980 trat ich in Ermangelung kopfballungeheuertauglicher Körpergröße beim Kicken auf dem Schulhof nur noch als Karlheinz Förster an; 1986 schlichen mein Vater und ich um Mitternacht ins Wohnzimmer und der WM-Titel 1990 wurde in einem sonnendurchglühten Sommer nach dem Abi ebenso begeistert gefeiert wie der EM-Triumph im Mutterland des Fußballs – über schleichendes Desinteresse zu einer handfesten Abneigung gegen die deutsche Elf hat werden lassen?

Vorab: Es liegt nicht an fehlenden messbaren Erfolgen, Schalker definieren sich bekanntermaßen nicht über Titel. Und nein, ich behaupte auch nicht, dass der gezeigte Fußball nicht teilweise ausgesprochen attraktiv sei. Ihm und dem ganzen Konstrukt fehlt aber in meinen Augen die Seele, die Ecken und Kanten und vor allem etwas, was beim Fußball für mich unerlässlich ist: Die Emotionen.

…und zwar echte Emotionen, nicht die dem deutschen Volke via Boulevardpresse seit einiger Zeit verordnete schwarz-rot-geile Glückseligkeit über den gecremten Jogi mit den schönen Schals und den gefönten „mein Ego bekommt ein Stadion alleine voll“ Olli. Ja, ich kriege Pickel, wenn selbst müde Kicks gegen Fußballentwicklungsländer medial högschdt geschickt zur Inszenierung des Personenkults genutzt werden und der Sitz des taillierten Hemdes des Bundestrainers oder der blaue Kaschmirglückspulli zum nationalen Ereignis hochgeschrieben werden. Ich möchte nicht „Schongang für Jogi“ oder andere Personalisierungen und Synonyme lesen, wenn eine deutsche Nationalelf gespielt hat.

Des Weiteren stört mich massiv, dass genau die Boulevardpresse, die ansonsten gerne in (Vereins-)Fußballfans die wahren Terroristen der Neuzeit ausmachen will, der deutschen Öffentlichkeit die nicht minder enthemmten und schon gar nicht weniger alkoholisierten „Public Viewing“-Events als legitime Nachfolger von Woodstock verkaufen möchte. Dass dieselbe Presse, die einen Vizetitel in der Liga bisweilen schon als „enttäuschend“ oder Schlimmeres runterschreibt, einen zweiten oder dritten Platz in internationalen Turnieren fast kritiklos abfeiert. Manchmal trennen eine „Fußballschande“ und ein Sommermärchen nicht viel mehr als einige Schlagzeilen…

Ich könnte k*tzen, wenn der Bundesnasenbärenvertilger (was glauben Sie übrigens, was wohl in den Medien los wäre, wenn sich z. B. ein Schalker Trainer öffentlich beim Verspeisen seiner körpereigenen Abfallprodukte oder diesem unerträglich weinerlich-trotzigen Gesichtsausdruck, wenn etwas nicht nach Plan läuft, erwischen ließe…?) Spieler „kleinerer“ Vereine – also in seinen Augen national so ziemlich alle außer Bayern – fast nur in unattraktiven Spielen auflaufen lässt, für die sich die Nationalspieler aus München regelmäßig mit verrenkten Ohrläppchen oder abgebrochenen Fingernägeln entschuldigen lassen, während sie sich eigenartigerweise fröhlich und beschwerdefrei beim heimischen Training und dementsprechend ausgeruht beim nächsten Ligaspiel präsentieren. Als Dank bekommen die anderen – gerade einmal wieder Draxler mit einer Gehirnerschütterung und Höwedes mit Muskelverhärtung – dann bestenfalls eine Wischiwaschi-Ansage von „hat gezeigt, dass er eine Alternative sein kann“, aber beim nächsten Prestigeduell laufen dann doch wieder die Bayernspieler auf, die – wen wundert’s? – eingespielter sind als irgendwelche einmalige Kombinationen mit z. T. positionsfremder Verwendung.

Auch vor ungenierter Stimmungsmache bzw. unverhohlenen Versuchen, junge deutsche Nationalspieler nach München zu quatschen, schreckt der Bundestrainer nicht zurück. Leider hatte er damit z. B. im Falle eines bei uns auf Schalke nicht gänzlich unbekannten Torhüters formerly known as „Heimat ist nicht nur ein Wort“ auch Erfolg. Ich hoffe, Julian Draxler übersteht die bajuwarischen Einflüsterungen unbeschadet. Vor Arroganz triefende Aussagen wie „die EM ist nicht Hoffenheim oder Nürnberg“ als Begründung, die Dortmunder Shooting-Stars in Polen hinter formschwachen Bajuwaren auf die Bank zu setzen, tun ein Übriges dazu.

Ja, Blockbildung gab es in der Nationalelf schon immer. Nein, die elf besten Einzelspieler sind nicht zwangsläufig das beste Team (schönen Gruß vom Phrasenschweinchen!), aber der Umgang mit Spielern wie Ballack, Kuranyi oder aktuell Kießling ist „unter aller Kanone“, während Aufbauarbeit für Bayernspieler von Ersatzbank geleistet wird und Gomez auch die gefühlt 50. Großchance töten darf.

Es gab immer unsympathische Spieler in der Nationalmannschaft, aber mittlerweile sind die jogi-stromlinienförmig-geschlandeten Weichspüler so dermaßen in der Überzahl, dass ich es einfach nicht mehr fertigbringe, der Mannschaft unbefangen zuzujubeln. Ich kann Philipp „über 90 Minuten waren wir die bessere Mannschaft!“ Lahm und seine Worthülsen nicht ein komplettes Jahr fußballerisch inbrünstig verabscheuen und ihn dann plötzlich toll oder auch nur erträglich  finden! Die zumindest gefühlt ständig zunehmende Verquickung von „Bayern und dem Deeee-Eff-Beeee“ war somit ein großer Sargnagel für meine emotionale Bindung an die Nationalelf.

Meine schleichende Entfremdung zur „N11“ verlief zudem strikt proportional zum künstlich erzeugten Werbe- und Medienhype der Klatschpappen, aufgedrängten absurden Devotionalien als Accessoire zu Bierkasten und Bratwurst und Schlaaaaaand-Fanmeilen (auch als Vorhöllen bekannt). Der vom Fußballverband selber (!) mit Blick auf die WM im eigenen Land künstlich ins Leben gerufene und gepamperte „Fanclub Nationalmannschaft“ mit Maskottchen Paule, der vermutlich ein Bundes-Adler sein soll, mich aber fatal an eine debile Krähe erinnert, ist für mich ein Gipfel der Peinlichkeit im an eigenartigen Vögeln wahrlich nicht armen Kommerzialisierungsdschungel.

Leidenschaft oder fußballerischen Nationalstolz kann man weder am Reißbrett noch im Reagenzglas erzeugen, man muss sie fühlen! Natürlich weiß ich, dass die zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs (leider) auch vor den Vereinen nicht haltmacht, aber unter der auf Hochglanz getrimmten Schale sollte sich noch ein authentischer Kern verbergen. Der fehlt mir aber gänzlich, wenn die kickenden bundesdeutschen Ich-AGs vor Poldiiiiiiiiiiii und Schweiniiiiiiii vornehmlich vor kreischenden Zahnspangenträgerinnen und anderen Fußball-Analphabeten antreten, die zu einem guten Teil nicht auf die Idee kämen, sich ein Ligaspiel im Stadion anzuschauen. Und ich habe den Eindruck, dass ich mit dieser Stimmungslage nicht alleine dastehe und die Spiele der Nationalmannschaft immer mehr Vereinsfans schlicht kalt lassen und vornehmlich Eventpublikum anziehen.

Dabei würde ich eigentlich gerne mitfiebern, weil Fußball mit Emotionen 1.904 x mehr Spaß macht als ohne, selbst wenn er objektiv hochklassig ist, aber: Es. Geht. Einfach. Nicht. Punkt. Vielleicht klappt es ja irgendwann wieder, wenn ich nicht mehr das Gefühl habe, dass mir mit aller Gewalt ein, sorry, selbstverliebter Schnösel mit einem bayrisches Farmteam als gefälligst kritiklos zu bejubelndes Nonplusultra aufgedrückt werden soll. Aber bis dahin gilt für mich: Nationalelf? – NEIN DANKE!

bub_spruch_loew

Blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

 

Über Susanne Blondundblau

Susanne Blondundblau

27 Kommentare

  1. Hallo, Susanne !
    Ich kann Deine Sicht der Dinge absolut nachvollziehen und würde sie Punkt für Punkt unterschreiben.
    Wenn ich mir heute auch eher unbedeutende Spiele mit DFB-Beteiligung ansehe, dann nur aus dem Grund, daß diese Begegnungen immer auch eine Spielpause für die Liga bedingen und ich aber nicht so lange ganz ohne Fußball kann…, wenn dann noch 2-3 Mann aus meinem Verein auf dem Platz, 2-3 Weitere noch im Kader sind, hat diese Notlösung schon ihre Legitimation.
    Ein DFB-Fanboy wird aus mir aber dennoch nicht mehr werden !

    Schwarz-gelbe Grüße von nebenan

  2. Moin zusammen, auch ich kann den Blog vorbehaltlos unterschreiben. Löw geht gar nicht! Mittlerweile bin ich echt schon so weit, dass ich mich freue, wenn Deutschland verliert und der einen Dämpfer bekommt.

    Aber ich habe heute abend ohnehin was Besseres vor. Go Preußen go! :-)

  3. Mir graut es ja schon vor Sommer 2014, ich bete dass die Bundes’schlandler die WM-Qualifikation doch noch verpassen. Aber den Gefallen wird mir der Nivea-Jogi wohl nicht tun, weshalb ich schon mit dem Gedanken spiele den betreffenden Zeitraum auf den Färöer-Inseln zu verbringen.
    Ach ja, klasse Text! Wo soll ich unterschreiben?

    Grün-weiße Grüße von der Weser!

  4. regional-nord-frust ohne ende, von einmaliger 4-min.meister, ein null-komma-null wert schrot

  5. Hallo Susanne,
    ich gebe vollkommen Recht, was Löw und die Quelle allen Übels, O.B., betrifft. Unerträgliche Gesichter, einschläfernde Stimmung, sinnloses Gefasel.
    Mit deinen Aussagen über meinen heißgeliebten Verein, 4 Sterne auf der Brust tragend, gehst du jedoch zu weit. Das ganze Problem „Löw“ lediglich an den Spielern des FC Bayern festzumachen, ist ebenso lächerlich, wie das weichgespülte Blablabla des „Trainers“.
    Richtig ist: Es fehlt ein Leitwolf. Ein Typ. Ein A*loch. So einer, wie Franz, Loddar, Effe, Basler. Solche Typen gibt es im aalglatten bundesdeutschen Fußball nicht mehr. Leider. Und ohne solch einen Typen und mit solch einem „Trainer“ (der übrigends Hauptschuldiger am Desaster 2006 war) und mit der Quelle allen Übels, O.B., in dieser Zusammensetzung wirst du auf lange Sicht keinen, aber auch gar keinen Titel holen.
    Gruß aus Franken

  6. @s.blondundblau
    das thema ist egal, national-elf, blumen, essen… was ein schlumpf von nobody-04 kann ist nur den eimer voll machen, mit seiner fcb-psycose, hier was zum überlauf:
    FCB = 22x dm, 15x dfb, 8x doubles, 4x CL, 2x welt cup
    S-04 = 0x dm, 4x dfb, 0x double, 0x CL, 0x welt cup
    in 50 jahren bu-li gesamt : fcb=51 titel nobodys-04 = 4 titel.
    aktuell : -30 punkte rückstand und dann kommst du und schreibst dein bla-bla-roman, irre !

  7. Schalker Maddin

    Du sprichts mir (und keineswegs nur mir!) – wie so oft! – aus der Seele, Susanne! 1904 % Zustimmung!

  8. He he, und noch ein Bayernfan mit nem Kommentar. Deine Abneigung ist okay, kein Problem damit.

    Aber, zu dem Artikel vollste Zustimmung. Das hat mächtig nachgelassen, bei mir auch. Knackpunkt: ich hatte ne Einladung zum Freundschaftsspiel hier in Berlin gegen England bekommen. England! Boah, hab ich mich gefreut. Dass es ein trostloser und verlorener Kick war, geschenkt, kann passieren. Aber, als direkt nach dem Schlusspfiff die Volldeppen mit den großen Fahnen gewedelt haben und zum Jubeln animieren wollten, ist mir übel geworden. Und das Schlimmste, das Partyvolk, hat mitgespielt.

    Bei der EM im letzten Jahr war mir Fußball dann schon so was von egal, dass ich mich über das Halbfinale gegen Italien amüsieren konnte.

  9. Auch wenn ich Schalke auch nicht mag, aber Recht haste….

    Bezeichnend das von Seiten der Bayern-„Fans“ mal wieder sofort die Neidklatsche rausgeholt wird.
    Ehrlich, nicht jeder der Euren Verein „nicht gut“ findet ist neidisch auf Eure Titel, begreift das bitte mal. Und was die Beteiligung der bayrischen Spieler in der Nationalmannschaft mit der Anzahl der Titel zu tun hat bleibt auch dem Autor des Kommentars vorbehalten.

    Und, seid wenigstens dabei einmal ehrlich, Schweinsteiger, Lahm und Co haben einen Nationalspieler-Bonus in der Liga. Mehr als einmal werden gleichwertige Fouls bei diesen Spielern nicht so sanktioniert wie bei anderen…

  10. ich finde deinen Beitrag eigentlich sehr gut aber leider lässt du hier Deine Abneigung genüber Bayern doch zu sehr raus.

  11. Hey Susanne,

    mir geht’s ähnlich, wobei statt Deines bayrischen Fokusses bei mir die BW-Brille sitzt. Lauter alte Studda… Selbst das ist beinah egal, hätte man nicht das Gefühl, daß da alte Seilschaften zum Tragen kommen. Kuranyi – naja – aber er war Torschützenkönig damals, wenn ich mich recht entsinne – und blieb daheim. „Schweini“, ein Schatten seiner selbst bei der EM, bleibt drin. Ein Riesentalent wie KPB kehrt den Rücken, notgedrungen, Richtung Ghana… usw.
    Will sagen, Querköpfe unerwünscht (bis auf Höwedes?)- Nutella-Boys statt Männern auf dem Platz, das stört mich eigentlich am meisten. Alles nur niedlich-despektierlich maßt sich die Presse an: „Schweine, Poldi, Jogi etc.“
    Außerdem mag ich nicht Spieler anfeuern müssen, die ich den Rest des Jahres sch**** finde. Auch meine Emotion ist nur beim Vereinsfußball am größten!
    Meine Prognose: Wir holen in Jahren nix, und die Äußerung von O.B. zu einem möglichen Titel 2014 ist nur eitel – insgeheim hofft er, weil die Brasilianer ne schwache Elf haben. Bei uns hat allein ein Typ wie Pirlo den Bubis gezeigt, wo der Frosch die Locken hat.
    Ha Ho He
    P.S. Ein Turnier ohne Deutschland würde mir allerdings auch nicht gefallen. ;)
    Jetzt quälen wir uns auch irgendwie gegen Kasachstan…

  12. Auf den Punkt gebracht. Sehr schön.

  13. Susanne – 3 Worte:

    DANKE, DANKE, DANKE !!!

    Besser hättest Du meine Gedanken rund um die N11 gar nicht beschreiben können.

  14. BlauundweißeinLebenlang

    Der Torwart formerly known as „Heimat ist nicht nur ein Wort“ und „ich muss den nächsten Schritt in meiner sportlichen Entwicklung machen“ hat einmal mehr bekommen, was er verdient!!!

  15. Ich finde den Beitrag nicht so toll, wie von allen anderen hier.
    Hier wird NUR gemeckert, aber keinerlei Verbesserungsvorschläge.
    Du bemängelst, dass NUR Bayernspieler in der Nationalelf stehen würden, wer fehlt denn deiner Meinung nach, der nicht zum Kreise der Nationalmannschaft gehört?!
    Du bemängelst, dass die Leute seit 06 wieder Nationalstolz entwickelt haben? Auch wenn es durch die Medien entstand, was solls? Ich bin mittlerweile froh, dass die Menschen in Deutschland wieder stolz sind Deutsche zu sein.
    Zu dem Punkt Löw:
    Überlegt mal wo wir unter Ribbeck standen, wie wir da gespielt haben?! Unter Löw haben wir Fussball spielen gelernt, NICHT Fussball arbeiten.
    ICh wette 2010 habt ihr ALLE gejubelt, als wir England und Argentinien mit jeweils 4 Buden nach Hause geschickt haben. Aber stimmt….der Löw kann gar nix….

  16. Susanne Blondundblau

    Man freut sich ja als Autorin grundsätzlich über Resonanz, aber einige Kommentare lassen einen doch einigermaßen ratlos zurück: Hat der Schreibende den Blog überhaupt gelesen…???

    Ich bin mir ziemlich sicher, nicht bemängelt zu haben, dass „die Deutschen wieder Nationalstolz entwickelt haben“, auch wenn bei mir bei Aussagen wie „stolz sein, Deutsche zu sein“ ein Alarmglöckchen klingelt.

    Desweiteren habe ich explizit geschrieben, dass der Fußball teilweise hochklassig ist – es ist mir schleierhaft, warum man dazu Ribbeck bemühen muss. Umso schlimmer ist es, dass diesem Konstrukt völlig die Seele fehlt.

    Und ja, ich bemängele einen massiven Bayernbonus. Ein Schweinsteiger hätte bei der EM nichts im Team verloren gehabt; ein bei einem anderen Verein spielender Badstuber nie eine Chance bekommen. Kuranyi oder Kießling wären bereits nach einem Bruchteil der vergebenen Chancen von Gomez geteert und gefedert worden.

  17. Liebe Susanne,

    der normale Eventfan, schmückt sich genau mit den Dingen die du kritisierst (Schal, „Klatschpappen“;etc..). Ich zitiere:
    „Meine schleichende Entfremdung zur „N11″ verlief zudem strikt proportional zum künstlich erzeugten Werbe- und Medienhype der Klatschpappen, aufgedrängten absurden Devotionalien als Accessoire zu Bierkasten und Bratwurst und Schlaaaaaand-Fanmeilen (auch als Vorhöllen bekannt). Der vom Fußballverband selber (!) mit Blick auf die WM im eigenen Land künstlich ins Leben gerufene und gepamperte „Fanclub Nationalmannschaft“ mit Maskottchen Paule, der vermutlich ein Bundes-Adler sein soll, mich aber fatal an eine debile Krähe erinnert, ist für mich ein Gipfel der Peinlichkeit im an eigenartigen Vögeln wahrlich nicht armen Kommerzialisierungsdschungel.“

    Ich bin 26 Jahre alt, wenn ich die Äusserung tätige „ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“ und bei dir direkt die Alarmglöckchen klingeln, nun was soll ich dazu sagen?!
    Ich bin weder rechts- noch linksradikal (radikal ist immer schlecht, egal welche Seite) aber ich darf nichtmal schreiben dass ich stolz bin Deutscher zu sein ohne dass man mich in die „Rechte“ Ecke drückt? (Und genau darauf hast du angespielt, von wegen „Alarmglöckchen“).

    Ein Schweinsteiger hat IMMER was in der Nationalmannschaft verloren. Er zeigt über JAHRE hinweg, konstant gute-weltklasse Leistungen. Solch einen Spieler lässt man aufgrund seiner Erfahrung schon nicht zu Hause.
    Er war lange verletzt und ist wenigstens einer „dieser“ Typen, die es ja nicht mehr gibt (laut deiner Aussage).
    Also, willst du auch den letzten verbliebenen „Typen“ aus dem Kader schmeissen? Beschwerst dich aber direkt darüber dass es nurnoch die „Nutella-Boys“ gibt?

    Zu Kießling hat Löw sich schon 100x geäußert, er ist einfach nicht sein Spielertyp! So einfach ist das.
    Ich finde es gut, dass Löw im Punkt Kießling seine Linie einfach treu durchzieht.
    Wie heuchlerisch wäre es gewesen den Kießling für das Kasachstan Spiel zu nominieren und danach zu sagen:“Ja ne, tut mir leid. Du hast jetzt nur gespielt weil kein anderer da war“.

    Zu Kuranyi:
    Als ob du genau wüsstest was da abgelaufen ist, wir haben alle unsere Informationen nur aus der Presse.
    Auch hier bleibt Löw seiner Linie treu.

    Leider bist du auf meinen Punkt, „zuviele Bayern Spieler“ nicht eingegangen und hast keinen einzigen Spieler aufgezählt, der deiner Meinung nach zum Kader der Nationalelf gehört (lassen wir mal Kießling außen vor, das ist ein Thema für sich).

    Zu Gomez:
    Was soll ich sagen?
    Zeig mir einen deutschen Stürmer der ne bessere Torquote als Gomez hat….

    Ich mag es auch nicht ihm beim Spielen zu zuschauen, aber dennoch ist er der Beste den wir haben.
    Dieses Gomezbashing ist ein Volkssport geworden.

    Ach btw: Der Ribbeck-Vergleich wurde angeführt, damit ihr mal sehr wo wir herkommen! Mit keinem Wort wird dem Löw gedankt, was er aus uns gemacht hat.

  18. Susanne Blondundblau

    Blitzmerker: Ich kritisiere tatsächlich Eventfans, die nur zu Partymeilen aus der Versenkung auferstehen und sich ansonsten nicht um Fußball scheren.

    Und sorry, ein formschwacher weil lange verletzter Schweinsteiger hat für mich trotz seiner unbestrittenen Verdienste nichts in der Nationalelf (jedenfalls auf dem Platz) verloren, aber Bayern-Spieler genießen halt Nibelungentreue.

    Die Affäre Kuranyi war einfach nur link; ein Ersatzspieler, der vor Schmähungen von der Tribüne flüchtet, wird trotz Entschuldigung am nächsten Tag lebenslänglich verbannt, aber Podolski darf folgenlos auf dem Platz den Kapitän ohrfeigen?

    Und „guck mal, wo wir herkommen und was Löw aus uns gemacht hat“ ist genau der Personenkult um den Bundesschal, der mir so sauer aufstößt: Löw hat das Glück, aus einer absolut goldenen Generation schöpfen zu können. Angesichts dessen hat er bislang nichts gerissen, was diese Fast-Heilig- oder Unfehlbarkeitssprechung rechtfertigen würde.

    Und zwischen Ribbeck und Löw waren noch Völler und Klinsmann.

    Blau-weiße Grüße
    Susanne Blondundblau

  19. Also möchtest du sagen, dass der „echte“ Fan, mehr Anrecht darauf hat seine Nationalmannschaft zu unterstützen als der „Eventfan“?
    Freu dich doch einfach darüber, dass die Leute wieder zu Ihrer Nationalmannschaft gehen und stehen, der Grund dafür ist jawohl absolut zweitrangig…

    Ich möchte nicht solche Zustände wie in Italien, wo du vor 15000 Leuten spielst.

    Zur Kuranyi Affäre:
    Da stimme ich dir sogar zu, und auch dass man im Fall Podolski falsch gehandelt hat.

    Aber wenn du genau das bemängelst, frage ich mich warum du nicht den Umgang mit Kahn bemängelst? Ich vermute mal, weil Kahn ein Münchener war.

    Zu dem Löw Punkt:
    Das hat nichts mit Personenkult zu tun.
    Löw war es der 2006 auch schon die taktischen Vorgaben gemacht hat (und 2006 verfügte er NICHT über dieses Spielerpotenzial, bzw die Spieler waren noch nicht so weit entwickelt).

    Und weil der DFB um die Jahrtausendwende mit den DFB Leistungszentren anfing, soll man das jetzt Löw negativ auslegen? Von wegen „er hat das Glück aus einer absolut goldenen Generation schöpfen zu können“.

    „Angesichts dessen hat er bislang nichts gerissen“….ich kann mich nur wiederholen.
    Er hat es geschafft, dass die Deutschen wieder stolz auf Ihre Nationalmannschaft sind.
    Er hat es geschafft, dass wir Fussball spielen anstatt zu arbeiten.

    Das sind für mich zwei ziemlich starke Argumente.

    Und zu Völler und Klinsmann:

    Unter Völler war Stillstand (unter Ribbeck vorher Rückschritt), und Klinsi war der reine Motivator, der hat von Taktik NULL Plan (siehe auch die Äußerungen der US Boys).

    Ich finds schade, dass du scheinbar nicht disskutieren möchtest. Ich nehme zu jedem deiner Punkte Stellung, du jedoch weichst meinen Fragen jedesmal strikt aus.

  20. Susanne Blondundblau

    Ich diskutiere schlicht nicht gerne mit Leuten, die persönlich werden und mir Sachen in den Mund legen, die ich nie geschrieben habe. Ich habe einfach erklärt, warum ich mich derzeit mit der Nationalelf extrem schwer tue. Wenn Du daraus eine Hymne auf Nationalstolz und Super-Jogi machen möchtest, bitte.

    …aber woanders. ;-)

    Blau-weiße Grüße
    Susanne Blondundblau

  21. Dem Blog ist echt nix mehr hinzuzufügen! Ich war zwar gestern gegen Kaz. imm Stadion, aber das war erstmal für längere Zeit das letzte mal! Die arrogante tiki-takatuka-Spielweise in der Meinung, jeden Gegner auf dem Bierfilz aisspielen zu können kann ich nicht mehr sehen. Das passt aber genau in das Bild, das in dem Blog von der nationalelf gezeichnet wird. Wenig Herz und Leidenschaft, dafür der Versuch, der Gegner mit Arroganz und Überheblichkeit schwindlig zu spielen.
    Mmeiner Meinung nach riecht es auch schon ein bißchen nach Realitätsverlust, die bösen bösen Nürnberger Zuschauer mit ihren Pfiffen für die schlechte Zweite Halbzeit verantwortlich machen zu wollen. Natürlich wurde nur gepfiffen, weil die ganze Nordkurve, gänzlich bestehend aus Glubberern (haha…, siehe Fanclub Nationalelf) böse zu einem Bayernspieler war (Siehe Schweinsteriger: „Nürnberg hat mich gehauen.“) und nicht weil ein Weltklassetorwart einen weiteren Fehler gemacht hat, wie schon so oft in der Saison. Wir machen das in Nürnberg immer so… Bleibt nur abzuwarten, bis der Herr Löw unbequeme Zuschauer genauso auschließt wie unbequeme Spieler. Muhar.
    Rot-Schwarze Grüße
    Schoolner

    ach ja: was is dieser Pero eigentlich für ein Arschlooch?

  22. Nationalmannschaft ist eben mehr was für uns Hobbyfans, die gerne an warmen Sommerabenden bei ordentlicher Bierzufuhr unqualifizierte Kommentare abgeben und Schlaaaaand schreien. Ihr beinharten Vereinsfans dürft Euch gerne weiter winterlang in den Stadien gerne den Arsch abfrieren und über Bayern und Yogi verzweifeln. Das verstehen wir mit unserem äußerst beschränkten Fußballverstand eh nicht!

  23. Ich bin jetzt von klein auf S-04 Fan und habe auch keinen Spass mehr an der NM und dem Drumherum-aber hier hat die überzogene Anti-Bayern-Polemik eindeutig einige gute und an sich richtige Gedanken ruiniert. Schade eigentlich.

  24. dementia praecox

    Jaaaa! Sprichst mir aus der Seele.

    Da freue ich mich dreimal lieber über ne Meisterschaft von S04 als dass ich diesen bajuwarisch infizierten schwarzrotgoldenen Jubelperserquatsch mitmache.

    Schwarzgelbe Grüße!

    (vozdra_k alias waldemar bonnsels: wieso nennste Dich hier pero? Copy + Paste klappt ja wunderbar!)

  25. Schöner Text, aber dass „böse Bayern“ Geheule nervt mich da ein wenig. Am besten wir schaffen die NM ab, dann brauch sich keiner zu beschweren. Und das die S04 Fans hier rum schreien ist besonders lustig. Ist doch bei keinem Verein der Welt die Lücke zwischen Anspruch und Realität so groß wie bei denen. Versucht doch noch mehr Mannschaften zu schwächen, indem ihr den Trainer abwerbt… Scheint ja gut zu laufen ;)

    Auf ein weiteres, erfolgloses Schalker Jahr

    Forza SGE

  26. Gefällt mir ungemein…!!!

  27. dankeschön, das beste was ich die letzte zeit gelesen habe und du sprichst mir aus der seele. ich fühle 1000pro genauso. in nürnberg sind wir viele die so fühlen und in jeder kurve mit vollblutfans sind es genausoviele. das vereint uns. nochmal danke, superbericht.

Schreibe eine Antwort

Deine Emailadresse wird nicht veröffentlicht.Pflichtfelder sind markiert *

*