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Donnerstag, 20 September 2012 19:29

Kein Protest ist auch eine Botschaft

geschrieben von 

SK FCB - ValenciaBeim Champions League Heimspiel gegen Valencia blieben in der Südkurve viele Reihen leer. Reflexartig setzten im Stadion, den Medien und Sozialen Netzwerken die Spekulationen ein, dass es sich um einen Protest handeln würde. Und man schimpfte los, über „die Ultras“.

Nur, es war gar kein Protest. Und es waren auch nicht „die Ultras“. Viele der üblichen Stehplatz Fans haben sich diesmal lediglich an die Stadionordnung gehalten.

 Aber von Anfang an.

Seit dem Wechsel vom Olympiastadion in die Fröttmaninger Arena gab es Probleme im Stehplatzbereich. Kein Wunder, waren es doch weit weniger Plätze, als es vorher der Fall war. Und noch dazu wurden sie geteilt. Nur noch die Hälfte befindet sich in der Südkurve, der Rest im Norden des Stadions. Ein Projekt, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.

Auch durch die spezielle Kartensituation in München, bei der jedes Spiel ausverkauft ist, und Stehplatzkarten aufzutreiben für einen jungen Nachwuchsfan ein Ding der Unmöglichkeit, verschärfte sich die Situation zunehmend. Also kam, was kommen musste. Die Jungs und Mädels, die unbedingt supporten und ihre Mannschaft nach vorn schreien wollten, schmuggelten sich in den Stehplatzbereich. Der in München gerade einmal die beiden Blöcke 112 und 113 umfasst.

Das ist nichts neues, und auch nichts was es nur in München oder auch nur beim Fußball gibt. Auch bei großen Konzerten werden oft hunderte Fans in den Innenraum geschleust. Nichts desto trotz bleibt es natürlich illegal.

Der Verein hat lange einfach weg gesehen, plötzlich wurde es aber zum Thema. Und die Herangehensweise war leider mehr als unglücklich. Man dokterte an Symptomen herum, statt das eigentliche Problem anzugehen. Sinnvoller, als mit immer stärkeren Kontrollen die Schmuggelei zu verhindern wäre es, sie überflüssig zu machen. Zahlreiche Konzepte wurden von den Fans in den letzten Jahren erarbeitet. Die selbst Polizei und Feuerwehr überzeugten. Nur umgesetzt wurde davon leider wenig.

Lobend müssen natürlich zum Beispiel die hundert Stehplatzkarten erwähnt werden, die seit letzter Saison den Fans unter 21 Jahren vorbehalten sind. Doch sie sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein, und längst nicht alle „Schmuggler“ sind U21.

Tickets FCB - Valencia

Nun aber zurück zum Spiel gegen Valencia. Der Verein hatte sich ein System überlegt, bei dem man insgesamt drei (!) Karten benötigte, wenn man den Block betreten wollte. Nun gab es mehrere Möglichkeiten, wie die Fans reagieren:

Sie sammeln sich und ziehen gemeinsam hinter die Haupttribüne, wie schon einmal bei einem anderen Spiel. Dort skandiert man gegen den Vorstand, die Polizei und wer einem noch so alles einfällt.

Oder man wartet bis genügend Fans vor Ort sind und stürmt den Block. Auch das ist schon einmal geschehen, als es ähnliche Vorkehrungen gab. Die wohl dümmste weil auch gefährliche Lösung. Aber man hatte aus der Vergangenheit gelernt und dies wurde noch nicht einmal erörtert, geschweige denn in Betracht gezogen.

Und die einfachste Alternative: Die Fans schmuggeln trotzdem. Jedes System hat seine Fehler, und auch hier dauerte es nur wenige Minuten, bis man erkannte, wo er lag.

Aber dann kam es ganz überraschend anders. Statt das Katz und Maus Spiel weiter zu treiben, hielt man sich einfach an die Stadionordnung. Kein Fan ging in den Block, der dort nicht reingehörte. Und einige haben sich dann zusätzlich entschieden, das Spiel mit ihren Freunden gemeinsam zu sehen.

Was jeder andere Jahreskarteninhaber im Übrigen genauso macht. Deshalb stehen auch im Umlauf hinter den Rollstuhlfahrern immer sehr viele Leute. Wer eine Jahreskarte hat und seinem Kumpel mal eine Tageskarte für ein Spiel besorgt, setzt sich nicht auf seinen Platz, während sein Kumpel allein in irgendeinem anderen Block das Spiel schaut. Sie suchen sich entweder ein paar freie Plätze irgendwo im Stadion, oder stellen sich in den Umlauf. Nichts anderes hat gestern ein Teil von Block 112/113 gemacht.

Auch ich war gestern nicht in 112/113, sondern habe mich zusammen mit den Leuten, mit denen ich sonst zusammen stehe, ein paar freie Plätze im Oberrang gesucht. Weil von denen auch viele keine 112/113 Karte haben. Ich habe nicht protestiert, ich hatte lediglich keine Lust, das Spiel allein unter Fremden anzuschauen.

Die Reaktion der Kurve war die für mich erwachsenste und vernünftigste Lösung, seit es diese Problematik gibt. Machte sie doch auch deutlich, wie negativ es sich auf Stimmung auswirkt, wenn die supportfreudigen Fans völlig zersplittert über das gesamte Stadion verteilt sind. Es wurde zwar trotzdem angefeuert, aber den Rest mitreißen gelingt so noch seltener, als es in München sowieso schon der Fall ist.

Auch die Polizei und der Ordnungsdienst zeigten sich von ihrer guten Seite. Obwohl hinter dem Stehplatzblock eine Masse an Menschen stand und anfeuerte, wurde nicht übereifrig eingegriffen. Auch das war schon mal anders. Auch hier wurde dazu gelernt.

Nun liegt es am Verein, sich erwachsen zu zeigen. Die Fanszene hat nicht wie erwartet die Faust geballt, sondern die Hand ausgestreckt. Der FC Bayern sollte sie ergreifen, und gemeinsam mit den Fans an der Lösung der bestehenden Probleme arbeiten.

1 Kommentar

  • Kommentar-Link 81Punkte Freitag, 21 September 2012 15:30 gepostet von 81Punkte

    und schon wieder keine stimmung FCB...und schon wieder keine stimmung FCB...und schon wieder keine stimmung und schon wieder keine stimmung und schon wieder keine stimmung FCB...

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