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Donnerstag, 09 März 2017 15:22

Gemeinsam stark – Arminia feiert 150 Jahre Bethel

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Der Frust saß tief nach dem 2:2 von Arminia Bielefeld gegen den FC Erzgebirge Aue. So tief, dass ein wirklich positiver Aspekt des Spiels in den Nachbetrachtungen kaum Erwähnung fand: Der DSC feierte das 150. Jubiläum der von Bodelschwinghschen Stiftungen. Bevor das völlig untergeht, hier ein paar Zeilen dazu.

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Im Jahre 1867 gründete die Innere Mission (heute: Diakonisches Werk) im Amt Gadderbaum die „Evangelische Heil- und Pflegeanstalt für Epileptische“. Das erste Haus bekam den Namen „Ebenezer“ (heute: „Alt-Ebenezer“). Es war das Ziel des Heims, den „Anfallkranken in einer Zeit, in der leistungsschwächere Menschen zunehmend an den Rand der Gesellschaft gedrückt wurden, eine neue [zu] Heimat geben.“. Im Jahre 1872 übernahm Friedrich von Bodelschwingh (1831 – 1910) die Leitung der Anstalt. Seine 38 Jahre währende Tätigkeit prägte die Entwicklung entscheidend. Er benannte die Einrichtung in „Bethel“ um und erweiterte deren Tätigkeiten. Heute, zum 150. Jubiläum, sind die von Bodelschwinghschen Stiftungen das größte diakonische Unternehmen Europas. Die Arbeitsfelder umfassen Krankenhäuser, Lebenshilfe, Wohn-, Ausbildungs- und Arbeitsstätten für behinderte Menschen, Jugendhilfe, Hospizarbeit, Suchtkrankenhilfe und psychiatrische Einrichtungen. Die Stiftungen sind deutschlandweit tätig und der größte Arbeitgeber der Stadt Bielefeld. Bethel ist eine eigene kleine „Stadt in der Stadt“, in der sich eine selbständige Grunddaseinsvorsorge für ihre Bewohner entwickelt hat.

Es sollte nicht überraschen, dass viele Einwohner Bethels Fans des DSC Arminia Bielefeld sind. Dem Fanclub „Arminen-Schmiede“ gehören über 400 Mitglieder an. Er ist einer der mitgliederstärksten Fanclubs des Vereins. Die Mitglieder treffen sich wöchentlich in der „Neuen Schmiede“. Die Spiele der Blauen werden auch dort zusammen geschaut. Auch der DSC engagiert sich in Bethel. Jedes Jahr im Advent besucht das Team das Kinderzentrum. Auch nimmt der Verein regelmäßig Menschen mit Behinderung mit ins Wintertrainingslager. Arminias Nachwuchsleitungszentrum arbeitet mit Bethel-Integra zusammen. Das Nachwuchsleistungszentrum arbeitet Trainingspläne für Bethels Fußballer aus. Diese bekommen zudem die Möglichkeit, mit den schwarzweißblauen Nachwuchskickern zu trainieren. Zusammen mit „Step by Step“ setzt sich Arminia ein für die Integration von Jugendlichen mit dissozialem Verhalten, indem der Club ihnen eine aktive Mitarbeit als „Volunteers“ an den Spieltagen ermöglicht. Dies sind nur zwei Beispiele einer intensiven Zusammenarbeit. Die menschlichen Kontakte, die über den Fußball entstehen, sind sowieso ungezählt. Im letzten Winter sammelte die Ultragruppe Lokal Crew spenden für das Hospiz „Haus Zuversicht“.

Arminias Präsident Laufer zollt der Arbeit Bethels in einem Grußwort zum Jubiläum „uneingeschränkten Respekt“. Zum Spiel gegen Aue liefen Arminias Kicker mit einem Sondertrikot „150 Jahre Bethel“ auf. Die Trikots werden im März versteigert. Der Erlös kommt dem Neubau des Kinderkrankenhauses zu. Kinder einer Betheler Schule liefen an der Hand der schwarzweißblauen Kicker ein. Acht Volunteers waren rund um das Match tätig und verteilen unter anderem die Stadionzeitung „HalbVier“. 700 Zuschauer aus Bethel saßen auf der Osttribüne und präsentierten eine eigene Choreographie. Volker H. aus der „Arminen-Schmiede“ verlas zusammen mit Sebastian Wiese die Mannschaftsaufstellung.

Am Sonntag präsentierten sich nicht nur zwei der stärksten Aushängeschilder Bielefelds gemeinsam, sondern auch deren gegenseitige, konstruktive Bedeutung. Über das eigene Engagement hinaus zeigte Arminia Anerkennung für 150 Jahre herausragende soziale und medizinische Arbeit. Die Einwohner Bethels dankten es mit der Begeisterung echter Arminenfans – das war allein an der Leidenschaft zu sehen, mit der Volker H. die Mannschaftsaufstellung präsentierte. Das zeigt zweierlei: Erstens, dass man unabhängig von Ergebnissen und Tabellenplätzen Fan des DSC sein kann. Zweitens, dass Arminia nicht nur aus elf Zweitligakickern im Abstiegskampf besteht, sondern vielfältige und wichtige soziale Aufgaben als Verein wahrnimmt. Beides sollte man gerade jetzt nicht vergessen.

Jan-H. Grotevent

Jahrgang 1975.

Gefühlte Zuständigkeiten:

Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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