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Dankbar Undankbar – Arminia gegen Heidenheim

Rundumbeobachtungen

Was macht man so in englischen Wochen? (Außer ständig irgendein Textprogramm an zu haben) Richtig, man formuliert Erwartungen. Meine Erwartung an die englische Woche war: Vier Punkte. Mir soll also heute ein Unentschieden gegen Heidenheim reichen…auch irgendwie komisch, oder?!

Vor dem Anstoß nehmen wir Abschied von Hannes Scholz. Hannes Scholz wird fehlen. Nicht nur als Urgestein des DSC Arminia Bielefeld. Menschen wie Hannes Scholz stehen dafür, dass ein Verein mehr ist als seine in eine Kapitalgesellschaft ausgegliederte erste Herren-Profimannschaft. Sie stehen dafür, dass es nicht nur auf Profispieler, Profitrainer und Profibusiness ankommt, sondern auch auf Breitensport, Engagement, Wurzeln und Integrität – kurz: Auf ein Vereinsleben. Mit seiner Bodenständigkeit, seinen stets fairen und sachlichen Einschätzungen war Hannes Scholz eine besonderer Repräsentant des Vereinslebens von Arminia Bielefeld, auch und gerade abseits des schnellebigen Profigeschäfts. Doch unabhängig aller Tätigkeiten, die Scholz für Arminia ausübte, unabhängig davon, welchen Status er innehatte – Arminia und Ungezählte aus dem Umfeld des Vereins verlieren einen sympathischen, humorvollen und einfühlsamen Menschen, der für jeden ein freundliches Wort hatte und offen für jedes Gespräch war. Arminia und der Bielefelder Sport verlieren einen Menschen, der sich selbstlos und leidenschaftlich einbrachte und der mehr „typisch Arminia“ war, als es Berg- und Talfahrten in irgendeiner Tabelle jemals sein können.

Danke, Hannes!

Die Blauen machen von Beginn an Dampf. Die Truppe hat ein breite Brust (bis auf Vogi, der hat ein breites Kreuz), das merkt man. Der Vogi schießt auch als erster auf die Kiste. Der Ball läuft bei unseren Boys in Blue und auf Block 3 ist man über das Wetter verwirrt. Aber heute…“Die Sonne kommt raus!“ – „Sonne? Wo denn? [zeigt auf einen niederschlagsfreien, aber grauen Himmel]“ – „Dahinter irgendwo [zeigt auf einen niederschlagsfreien, aber grauen Himmel]“. Bekanntlich sind wir programmiert auf „ostwestfälisches Wetter“, also fieser Regen und eine Alm, die wieder zu Lohmanns Acker wird. Na ja, niemand wird die Alm jemals als „Sonnentempel“ bezeichnen.

Ui, das wär`s gewesen…Jungspund Keanu schnippt von halblinks. Knapp am langen Gestänge vorbei. „Mein Gott, dieser Waldorfschüler, ey…“, meckert Block 3. Gemeint ist aber nicht Keanu Staude, sondern der Referee. Der ist auch ein Jungspund. Er trägt eine Frisur irgendwo zwischen jungem Hans Albers und altem James Dean (wenn es einen alten James Dean gegeben hätte). Was er nicht trägt, sind gelbe Karten. Und so kann Heidenheim eine Taktik aus der Steinzeit spielten. Mit langem Bein in lange Bälle. Falls weder die langen Bälle noch ein zufällig in der Nähe befindlicher Armine getroffen werden, auf dem Grün liegen bleiben und „Sanitäääter!“ schreien. Eigentlich schade um die Truppe rund um den Ständig-Schnatterer. Hat sie nicht nötig.

Ein paar gefährlich Vorstösse haben die Buddies von der Brenz dann doch im Repertoire und Block 3 atmet ein paar Mal heftig. Sonst sind Stimmung und Support okay bis leicht gelangweilt. Zwischen Block 3 und Block J wird der kleine Grenzverkehr gepflegt. Bestelle beim Tankwart vier Bier, bekomme sieben, bezahle sieben, zucke mit den Achseln und trinke sieben. Devisentransfer à la Südtribüne.

Hach, sie lassen die Murmel ja ganz ordentlich kullern, unsere Blauen. Nur der letzte geniale Moment,..dieser eine Abschluß oder Pass, der…wenn einem die präzise Bezeichnung fehlt, lohnt es sich, auf Block 3 rundzuhören (sonst natürlich auch). „Irgendwie haben sie nur so Vierzig-Prozent-Chancen..“. That’s it. Nullnummer nach exakt 45 Minuten.

Halbzeit. Rundumbeobachter, kommt Dein Burgertest eigentlich noch vor der nächsten Schalker Meisterschaft? Jajajahaaa! Wenn sie schonmal Motörhead spielen, muss ich Motörhead hören!

Hemlein kommt zur zweiten Runde rein. „Hartherz raus? Locke hinten links…Hääää?“ – Nee, Hartherz raus, Weihrauch hinten rechts, Teixera hinten links, Locke rechts vorne. Block 3 ist kurz räumlich verwirrt, was sich auch auf die Orientierung im Stadion überträgt. „Als ich das erste mal auf der Westtribüne saß…[zeigt nach rechts]…Nee, da…oder war’s doch die Ost [zeigt nach links]“.

OOOOUuuh, der hätte genau in den Winkel gepasst. Olchi Kerschbaumer hat einen drauf geolcht, aber Ersatzkeeper Eicher hat ihn rausgefummelt. Mist, Mist, Mist! Heidenheim sorgt ein paar Mal für Herzrhythmusstörungen auf der Süd. Also, wenn sie nicht auf dem Rasen liegen oder nach dem Rasen treten. „Die Taktik spricht im Moment für Heidenheim“, fatalisiert Block 3 in der Gegend herum. Hmmm…darf man mit so einer Spielweise überhaupt Erfolg haben? Ich meine, wenn man nicht Arminia ist?

Auf jeden Fall ist Heidenheim damit erfolgreich. Latürnich fällt das 0:1 nach einem Standard. Torschütze ist Arne Feick. Mit einem Kopfball. Der sonst bei Kopfbällen nur den Pfosten trifft. *blärg* Kommen die echt damit durch. Auch, weil Hans-James-jung-alt-Albers-Dean nix davon realisiert. Winkelfummler Eicher lässt sich bei Abstößen so viel Zeit, dass ich den Burgertest jedes Mal nachholen könnte, ohne was vom Spiel zu verpassen.

Okay Jungs, Brechstange. Rennen, rein in den Strafraum, wumm und druff! Aber die Gäste von der Brenz kriegen immer was dazwischen. Am furchtbarsten anzuschauen ist es, als Tom Schütz einen Aufsetzer auf die Hütte köpft und irgend ein organisches Stück Heidenheim so dazwischen gerät, dass der Ball auf dem Hüttendach landet, Aaaaargh! Aber kurz darauf erinnert sich Lord Börner seiner Dampframmenqualitäten und dröhnt dat Dingen rein. Der erste Saisontreffer des Captains lässt die Süd explodieren. Der Support wird richtig laut, und auch die Jungs unten bringen die zweite oder dritte Luft an den Start. Ran! Ran! Fabi…noooiiin! Tex…noooiinn…Vogi, mach’s elegant…NooooiiIIN! Das gibt doch wohl ordentlich Nachspielzeit bei dem Zeitspiel…“Waaas!? Drei Minuten? Lächerlich…“. Wenn sie uns hilft, stehen wir auf Nachspielzeit. Das es heute gefühlt zu wenig gibt – Erklärung siehe oben, James Dean und fummeln. Fabiiiii…an der langen Stange vorbei…das war’s.


Der kritische Blick auf die Tabelle:
Vier Punkte aus der englischen Woche. Erwartungen erfüllt! Das sei besonders betont, das macht Arminia nicht sooo oft. Warum ärgere ich mich trotzdem ein bisschen drüber, dass es nicht sechs Punkte wurden? Irgendwie undankbar…

Undankbarkeit raus!

Über Jan-H. Grotevent

Jan-H. Grotevent
Jahrgang 1975. Gefühlte Zuständigkeiten: Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

Ein Kommentar

  1. Wieder einmal ein in alles Punkten zutreffender Bericht. JHG hat’s wieder auf den Punkt getroffen. Kann alle Details bestätigen, obwohl auf ‚2‘ stehend. ;-)

    Weiter so, JHG

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