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Dat wird schon – SV Meppen gegen Arminia

Rundumbeobachtungen

Beim DSC gibt es keine spielfreien Wochenenden. Jetzt, wo das Frauenteam in die Saison startet, erst recht nicht mehr. Auf Stadion verzichten? No Way! Auf Arminia verzichten? Auf keinen Fall! Also ab – Saisonauftakt der Blauinnen live! Der Austragungsort im Emsland begrüßt einen sehr nett:

Das Emslandstadion zu Meppen (an anderer Stelle ausführlicher beschrieben) ist für Fußballnostalgiker das, was der Schnuller für den Säugling ist: Ein wahrer Quell an Seligkeit und Wonne.

Und der heimische SV Meppen kehrt allmählich zurück auf die große Fußballlandkarte – zumindest bei den Männern. Bei den Frauen war er nie weg. Die Frauenabteilung des SVM ist seit 2004 im weiblichen Unterhaus des deutschen Fußballs – ein Urgestein der Zweiten Bundesliga Nord. Die Dinge laufen gut beim SV Meppen 1912, und…

Ääääh…geht los“, erinnert ein Kiddo auf der gedrungenen Gegengerade seine plappernde Erzeugerschaft und den Rundumbeobachter. Okay, Fokus. Für beide Teams geht es in dieser Saison darum, unter die ersten sechs der Nordstaffel zu kommen, um sich für die eingleisige Zweite Liga 2018/2019 zu qualifizieren. Ein ambitioniertes Ziel für Wuckels Blauinnen und ein nächster Meilenstein in der Geschichte Arminias – so denn er funktioniert. Die Meppenerinnen legen nämlich derbe Tempo vor. Arminia braucht eine knappe Viertelstunde, um sich damit zu arrangieren. Während Maxi, Annabel & Co. die ersten gefährlichen Bälle in die emsländische Gefahrenzone wuchten, spielen im Hintergrund zwei Jungs ziemlich laut mit selbstgebauten Legoaggregaten. Mit mehr Dezibel als die Tribüne.

Für ein Heimspiel seid Ihr ganz schön laut“, intonieren die schwarzweißblauen Supporter konkludent. „Für ein Heimspiel sind wir ganz schön laut“ kontern ein paar Meppener. Nicht minder konkludent, nicht minder originell. Oder erfrischend selbstironisch, sucht es Euch aus. Das Spiel ist schnell und intensiv, die dicken Chancen fehlen. Ein Distanzschuss von Bella Jäger in der 38. Minute streift den Querbalken – die fetteste Möglichkeit bisher. Die Blauinnen machen Druck, und wie es dann halt so ist…Der SVM spielt eine schnelle Kombi zu Ende, Shiho Shimoyamada trifft zum 1:0 für die Gastgeberinnen. Ach guck, hier spielen sie auch den CanCan als Torhymne. Die Japanerin ist unzweifelhaft die Frau des Spiels – vorne, Mitte, hinten, überall ist sie zu finden. Guter Griff, SVM! Mit der Führung geht es zur Halbzeitwurst.

Halbzeit. Wie die Wurst in Meppen so ist? Spitze. Wird, und das ist wörtlich gemeint, zwischen zwei Brötchenhälften serviert. Vertikal geschnitten, ist auch mal was Neues. Der Senf läuft sofort auf die Klamotten, nicht erst beim Reinbeißen. Im Stadion wird Werbung für „Radialbesen aus Leidenschaft“ gemacht. Einem jeden seinen Fetisch.

Arminia startet mit Dampf in den zweiten Durchgang. Jetzt kommt eigentlich die Stelle, an der eine Torchance geschildert wird, aber irgendwie gibt es keine. Soweit kommen die Blauinnen nicht, trotz ordentlich Druck und noch ordentlicheren Kombinationen. Die Trainer sind auf der Tribüne gut zu hören. Wuckel brüllt immer wieder irgendwas mit „Schieben“. Roger Müller, sein Meppener Pendant, ruft einmal: „Mehr spielen wollen!“. Das ist aus fußballphilosophischer Sicht doch etwas irritierend. Will man nicht sowieso spielen, wenn man auf dem Platz ist? Soll man das, was man tut, noch mehr wollen? Vielleicht ist das ja die Rettung aus dem Dilemma des modernen Fußballs – nicht immer nur gewinnen wollen, nicht immer nur die dicke Asche kassieren wollen, nein, einfach nur spielen wollen, immer mehr, damit man Freude…Vielleicht gehe ich auch einfach hinters Tor und mache ein Foto, wie Maxi eine Ecke schießt.

Interessant beim Support: Der eine Meppenfan, der hinter dem Tor steht und mit ziemlich lauter und überraschend klarer Stimme ein langes „Meeeeeeeeeeppeeeeeeeeeeeeeen!“ anstimmt, ab und an sogar mit einem Jodler garniert. Vielleicht kann mir ein Meppener erklären, was es damit auf sich hat? Das ist nämlich – ganz ehrlich! – beeindruckend. Der ist entweder bei Caruso oder bei einem Muezzin ausgebildet…Währenddessen köpft Bella Jäger knapp am langen Pfosten vorbei. Aarrrgh, das wäre der nicht unverdiente Ausgleich gewesen.

Die Blauinnen probieren alles, Kombinationen, langes Eisen, aber irgendwie sieht es nicht nach Ausgleich aus. Zumal die Meppenerinnen im Mittelfeld sehr aufmerksam und zweikampfstark sind und ihrerseits ein paar gefährliche Angriffe starten. Ein paar Mal muss Vivi Brandt eingreifen. „Weiter versuchen, die ist unsicher!“, tönt es von irgendwo. Vivien Brandt. Unsicher. Genau. Und der Teutoburger Wald ist einsturzgefährdet. Bella Jäger trifft nochmals die Latte. Aus, Ende, 0:1.

Der SV Meppen ist ein Urgestein der Zweiten Bundesliga. Arminia will noch eins werden. Das erste Spiel der Saison war ein typisches 0:0 mit der Ausnahme, das sich der SV Meppen nicht ganz dran gehalten hat. So zerknirscht, wie die Blauinnen nach dem Spiel zum Sitzkreis zusammenkommen, müssen sie nicht sein. Die Spielfreude und die Leidenschaft sind auch in dieser Saison da. Wenn’s dabei bleibt, klappt es auch mit den Toren und Punkten. Haben in diesem Club schon ganz andere hingekriegt. Auftaktniederlage, ach komm, einfach wech damit!

Der kritische Blick auf die Tabelle:

Egal. Erster Spieltag ist nicht aussagekräftig. Aussagekraft raus!

Über Jan-H. Grotevent

Jan-H. Grotevent
Jahrgang 1975. Gefühlte Zuständigkeiten: Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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