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Kannste, musste nicht, tuste verlieren – Holstein Kiel gegen Arminia

Rundumbeobachtungen

Es gibt Städte, in die fährt man einfach gerne. Kiel steht da beim Rundumbeobachter mit oben auf der Liste. Kiel Ahoi! In der Stadt zwischen Elendsredder und Haßstrasse sind sie zu Recht mächtig stolz auf ihren Fußballclub, die KSV Holstein, die als Aufsteiger munter die Zwote Liga durchschüttelt. Sympathischer Club, sympathische Leute, sympathisches Stadion…

…von dessen Gästekurve man jede Abseitsstellung sofort qualifiziert überprüfen kann. Die KSV hat acht der letzten neun Spiele gewonnen und begibt sich zu Beginn des Spiels auch wieder auf Liga-Durchschüttel-Kurs.

HolladieWaldfee, legen die eine Schüttelei vor. Es sieht schon bedenklich aus, wie die in blau gekleideten Störche den in schwarz gekleideten Blauen davon rennen. Wohl denen, die sich noch im Gästeblock arrangieren müssen. „Caaaaaarlooooo!“, ruft eine verzweifelte Dame nach hinten rechts. Carlo (sofern er sich dort befindet) hört nix. Soll der Rundumkavalier mal behilflich sein? „CAAAAAAARLOOOO!“ (brüllen kanner ganz gut). Aber Carlo (sofern er sich dort befindet) hört immer noch nix.

Mittlerweile haben die Blauen das Schütteln etwas beruhigt. Freistoß gibt’s, Vogi haut ihn in die Mauer. Freundlich sind die Teams nicht zueinander. Viele fiese Fouls, viele sterbende Schwäne. „Holzbein Kiel!“. Hahaaaa, Klassiker! OlchiBolchi schießt einen am rechten Winkel vorbei. Ducksch einen hinter die Westförde. Drexler einen auf Ortegas Griffel. Alldieweil hat Block 3…neee, wie heißt das hier…, richtig, Block O, sich mit dem Stadion abgefunden. „Warste mal in Karlsruhe? Da ist die Sicht genau so.“ – „Nein, da war ich noch nie“. – „Da ist die Sicht aber genauso.“. Stimmt. Ist wie in Karlsruhe hier. Selbst das Marine-Ehrenmal ist dasselbe wie in Karlsruhe. Und die Ostsee erst!

Mit dem SchiRi ist man unzufrieden. Erst ist die Kartenausbeute defizitär („Mann, runter die Sau ey!“), dann diskutiert der Nachwuchs-Referee am Kieler Strafraum mit ein paar Spielern, während das Match heiter weiter läuft. Erst als Lord BörniWörni vor dem Bielefelder Sechzehner foult, nimmt der SchiRi wieder am Spielgeschehen teil. Gelb und Freistoß. Der bringt nix ein. Tore Fehlanzeige nach’ner Dreiviertelstunde.

Halbzeit. Die Gastronomie im Gästeblock des Holsteinstadions erinnert – je nach Phantasie – an die Verpflegungsausgabe im Gefängnis oder an die Bremer Osnabrücke. Wobei man nicht behaupten kann, dass die Wärter, äh, Servicekräfte nicht mit Einsatz zu Werke gingen. Jedes bestellte Bier wird einzeln und mit Bedacht gezapft. Das verzögert die Ausgabe gerade bei ostwestfälischen Sammelbestellungen erheblich („Machma fünf…nee, sieben…nee, doch lieber vier“). Was im Gefängnis zu erheblichen Aufständen geführt hätte, wird hier mit sturthartnäckigkämpferischer Ruhe ertragen. Fußballfans sind eben doch keine Verbrecher.

Wer sich zum Wiederanstoß noch im Gästeblock arrangieren muss, verpasst OlchHolchleFolchis Schuss aufs Tor. „Louuuuuuiiiiiiiiis!“, ruft eine verzweifelte Dame nach hinten rechts. Louis (sofern er sich dort befindet) hört nix. Soll der Rundumkavalier mal behilflich sein? Ach nääää. Louis (sofern er sich dort befindet) hört doch eh nix.

Arminia kombiniert sich jetzt nach vorne. Sieht gut aus, bis der letzte Pass wieder ins Leere geht. Ein Kiddo auf Block O fasst das wie folgt zusammen: „Gut! … GUT!….schlecht…“. Und dann *bläääääärg*, nein. Fabi wird bei einem Flugkopfball noch gestört…Und dabei war seine Thronfolge auf den Titel „Blechkopp“ (vormals: Gerrit Meinke) doch schon so gut wie sicher…Und dann *bläääääääääääääääääääääääärg*, nein, Vogi kommt nicht an Kronholm vorbei, das hätte es sein müsseeeeen… Wenn sich das nicht noch räc….Danke, Marvin Ducksch, *grumpf*. Holstein Kiel hat „Nellie the Elephant“ als Torhymne, is‘ auch mal’ne Idee. Kommt, Ihr Blauen, noch ist nix verlo…Danke, Steven Lewerenz, *grumpf*. Ich habe bei „Nellie the Elephant“ mal einen Schneidezahn verloren. Wenn dat nichma’n Zeichen, war damals Silvester 1995.

Das Kiddo von eben wäre noch nicht mal mit einem Unentschieden zufrieden. „Ob Anschluss oder Ausgleich ist mir egal, ey!“. Brandy wird eingewechselt. „So, Holstein!“, meint eine Stimme noch trockener als der Furz einer Wüstendüne, „Brandy kommt, dat war’s jetzt mit Euch!“. Block O liegt lachend auf den Betonstufen, tut gut bei Zwei-Tore-Rückstand. Arminia kriegt nochmal Ecke. Kiels Czichos köpft den Ball elegant dahin, wo er irrtümlich seinen Torwart vermutet. Nach dem Johannes-Rahn-Gedächtnis-Eigentor versucht Arminia es noch ein paar Mal mit dem langen Hafer, es wird aber nichts mehr.

Eigentlich ein gutes Spiel der Blauen. Kiel war die Chancenquote besser, das war’s, nicht mehr und nicht weniger. Kannste verlieren, musste nicht, tuste aber. Wie sprach der Knecht, als er in die Jauchegrube fiel? „Kommen auch wieder bessere Momente“.

Der kritische Blick auf die Tabelle:

Das mit dem Spitzenteam hat sich wohl erstmal erledigt. Langsam aber sicher kommen wir ins graue Mittelmaß der Tabelle. Was aber zum Saisonende ein Grund zum Feiern wäre. Also: Paaaarrrtyyyyy!

…was!?…ach, Partymuffel raus!

Über Jan-H. Grotevent

Jan-H. Grotevent
Jahrgang 1975. Gefühlte Zuständigkeiten: Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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