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…noch Länderspielpause? – Arminia gegen Duisburg

Rundumbeobachtungen

Arminias Wettstreitereien mit dem MSV Duisburg sind traditionell und haben einen ganz besonderen Charme. Ein Westderby! Duisburg ist der einzige Gegner, mit dem Arminia sich in den letzten 20 Jahren in allen drei höchsten Spielklassen auseinandergesetzt hat (außer Rostock, Karlsruhe, Aachen und Cottbus)! Eine Paarung, bei der es immer um Aufstiege oder Abstiege oder halt Fußball ging! So. Keiner kann behaupten, ich hätte nicht ausreichend gewarnt.

Vor dem Anstoß gibt es angemessene Worte, angemessenen Applaus und angemessene Ovationen für Gerd S., der während des Bochum-Spiels verstarb. Das Spiel beginnt ausgeglichen. Sowohl Arminia als auch der MSV legen ein flottes Tempo vor. Ein Vogi hier (vor unserer Süd), ein Ortega da (gegenüber). Andreas “Oberschenkeltattoo” Voglsammer gab vor dem Spiel via Anzeigetafel seine Vertragsverlängerung bis 2021 bekannt. Schöne Sache! Die Stimmung ist okay bis gut – es kribbelt nach drei Wochen unfreiwilliger Länderspielpause.

Und die Pause mit ihrem mehr oder weniger freiwilligen Müßiggang  ist noch nicht vorbei, denn gleich…

…steht es 0:1. Flo Dick hat in die falsche Richtung vorgelegt. Iljutcenko hat das Pause-ist-vorbei-Klingeln gehört, legt an Ortega vorbei, und, na ja, den macht dann auch die blinde Oma mit Rollator rein. Oder eben Stoppelkamp. Der Rückstand schlägt erstmal auf die Stimmung. Es wird leiser. Die Laune wird nicht mies – das kriegen mit zehn Punkten im Rücken noch nicht mal Ostwestfalen hin -, aber sie ist schon etwas gedrückt. Auch bei den Blauen auf dem Rasen, die irgendwie so sind wie wir früher beim Pause-ist-vorbei-Klingeln. Der Unterricht geht weiter, aber es ist doch gerade so schön entspannt…Auf Block 3 wird währenddessen über Herkunft und Fansein debattiert. Wie kann man als Bielefelder Bayernfan werden, wo doch die Blauen die erste Anschrift sind? Dortmunder? Schalker? Hmmm…ääääh…es gäbe Antworten, aber die sind nicht schön.

Es gibt eine neue Vorgabe im Fußball: Der Ball soll nicht mehr ins Aus gespielt werden, wenn mal wieder ein Spieler schwer zertrümmert darnieder liegt. Im Ansatz sicher richtig, aber wer hindert einen Kicker daran, den Ball trotzdem in die Ost zu dreschen? Gibt es dann Gelb für diese zwar strapazierte, aber eigentlich faire Geste? Auf jeden Fall sind die Zebras nicht mit Arminias Weiterspiel einverstanden, als einer der ihren in Ortegas Strafraum vor sich hin verletzt ist (bei eigenem Ballbesitz haben sie damit kein Problem). Die Folge ist ein kleines Handgemenge und ein paar Schubser, die die Emotionen ein bisschen höher kochen lassen.

Auf Block 3 erzählt man sich schneidige Kreisligageschichten, die nichts mit dem Auftritt der Blauen auf dem Hybridgeläuf zu tun haben. Die scheinen mental nämlich immer noch auf dem Pausenhof herumzulungern. Die Streber von der Wedau sind da wacher unterwegs – immer hinter dem Ball und öfters vor dem Arminia-Tor. Hartherz legt fast den nächsten Fehlpass hin, aber Ortega passt auf. “Ich wünsche mir drei Tore in der zweiten Halbzeit”, verkündet ein Mädel auf Block 3. Prophetisch, aber etwas unpräzise. Nach dem Spiel sagt jemand “Immerhin haben wir vier Tore gesehn.”. Aber so habt Ihr das doch nicht gemeint. Oder? Oder!?! HÄH!!??

Halbzeit. Im Regionalexpress nach Bielefeld läuft ein Duisburger durch den Zug und erklärt jedem Fahrgast (Zebras, Arminen, Junggesellenabschieden, was halt so alles im Regionalexpress fährt), dass viel Bierkonsum zu viel Harndrang führe. Wirklich jedem. Was das mit der Halbzeit zu tun hat? Nun, vielleicht kann man solcherlei Missionierung auch in der Halbzeit durchführen. Sich vor den Toiletteneingang unter Block 3 stellen und jedem erzählen: “Wenn Du viel Bier trinkst, musst Du viel strullern.”. Oder “Wenn Wasser vom Himmel fällt, dann regnet es.”. Oder: “Der Rasen ist grün”. Wirklich jedem. Viel Spaß in der Notaufnahme.

Jeder soll es sehen, dass wir auch in schweren Zeiten zu Arminia gehen”. Weil wir gerade von “prophetisch” gesprochen haben – hier ist hoffentlich nur dieser Nachmittag und nicht die Saison gemeint. “Ein Fehler, nur ein Fehler, und wir verlieren das Spiel…”, resigniert eine Stimme auf Block 3. “Wir verlieren das nicht”, kontert der Nebenmann. Lord Börner ist wieder da. Das interessiert Oliveira Souza herzlich wenig – 0:2. Die anderen Defensivakteure interessieren ihn auch nicht – 0:3. Eigentlich müsste sich Block 3 jetzt korrigieren: Zweieinhalb Fehler, und wir verlieren das Spiel. Block 3 korrigiert sich nicht, wundert sich aber darüber, dass er Salger vermisst. Ein merkwürdiger, heute aber nicht sooo falscher Gedanke.

Die Stimmung ist so, wie sie halt ist, wenn man verloren hat und noch mehr als eine halbe Stunde Spiel übrig ist. Block Drei: “Jetzt drehen sie a…” –“Nö!”. Block Eins singt nochmal “Jeder soll es sehen, dass wir auch in schweren Zeiten zu Arminia gehen”. Was sind denn “schwere Zeiten”? Dieses eine Spiel, in dem Arminia komplett in der Länderspielpause geblieben ist? Doch die Saison? Oder wird einfach nur das über Jahre selbst gestochene Arminia-Stigma gepflegt? Nun, eigentlich nicht. Denn die Truppe hat nicht nur mehr Potential, als sie heute zeigt, sondern auch eine Menge Kredit bei ihren Fans. Die Alm ist einfach nur ob der Pausenhoflümmelei ihrer schwarzweißblauen Kicker frustriert. Und Studienrat Jeff wird seiner Klasse die richtigen Lektionen beibringen.

Vorweggenommenes Fazit. Kann man mal machen, denn es passiert die letzte halbe Stunde nichts mehr. Bis auf “Allez Allez ladihoo” von Block Eins, das nicht bis ins Letzte zu Spiel und Stimmung passt. Und bis auf das 0:4 von Kingsley Onuegbu, aber der trifft ja irgendwie immer gegen Arminia.Okay, Klasse. Schwamm drüber, noch kein Eintrag ins Klassenbuch. Aber das Versäumte wird nachgearbeitet! Oder? Oder!?! HÄH!!??

Der kritische Blick auf die Tabelle:

7 Punkte Vorsprung. Kein Anlass zur Besorgnis. Besorgnis raus!

Über Jan-H. Grotevent

Jan-H. Grotevent
Jahrgang 1975. Gefühlte Zuständigkeiten: Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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