Home / Fan-Block / Rundumbeobachtungen / Party auf‘n Montag – Arminia gegen Bochum

Party auf‘n Montag – Arminia gegen Bochum

Rundumbeobachtungen

Montage sind nicht unbedingt als Partytage bekannt. Im Gegenteil, es gibt wohl keinen anderen Wochentag, den der Homo malochus weniger mit Feiern in Verbindung bringt als den Montag. Montagsspiele, so sie denn stattfinden müssen, sollten Otto Homo malochus Normalarmine schon was bieten, wenn er denn schon einen Dienstag mit lädierten Pupillen in Kauf nimmt. Erst recht gegen Bochum!

20.663 Zuschauer (1.800 Bochumer) auf der Alm. Flutlicht. Derby-Atmosphäre. Na, der Rahmen passt ja schon mal. Vorher gab es Waffeln auf der Strecke zwischen Siggi und Alm – dat wird auch mehr und mehr zur Kirmesmeile. Gut so! Zum Einlauf der Mannschaften gibt es eine Choreo mit DFB-Kritik. Auch die Bochumer plakatieren gegen den Verband. „Scheiß DFB!“ kann man durchaus mitbrüllen. Natürlich ist die Kritik etwas differenzierter als „Scheiß DFB“, nur kann man diese nicht auf fünf Silben („B“ = zwei Silben) brüllend unterbringen.

Los geht’s! Trotz Montag sind die Tribünen recht lebendig. Auch die Jungs auf dem Hybridgeläuf. Die Blauen rennen, der VfL hat die ersten Chancen. Das verspricht, ein toller Abend zu werden. Und, ja gut, was soll man fünf Tage später sagen- es wurde ja auch einer. Während Vogi das erste Mal an VfL Keeper Riemann (der mit den Thrombosestutzen) scheitert, wird Sichtschutz am Eingang zu Block I aufgehängt. Später stellt sich heraus, dass ein Fan an Herzstillstand gestorben ist. Richtige Worte gibt es in so einer Situation nicht. Nur angemessene, und die hat Arminia gefunden. Es ist in der Tat grausam, wie nahe Freud und Leid beieinander liegen können. Daher, im Tempo des Abends, ein kurzes Innehalten.

Die Bochumer spielen in Orange mit sacht changierenden Blaustichen. Thrombosestutz Riemann in Bonbonpackung-Lila. Passt hervorragend zum Grün des Rasens – im Tuschkasten würden sich diese Farben gegenseitig die Zähne richten, wenn sie so nebeneinander angeordnet wären. Aber immerhin, für den VfL ist seit den Papageienfarben Mitte der Neunziger jedes Trikotdesign höchstens das zweitschlimmste. Und unser Torjäger hat Schuhe an, die so aussehen, als hätte man sie mit einem Textmarker ausgemalt. Man schenke Sponsoren und Ausrüstern eine Palette Tuschkästen.

Die Bilder aus den ersten Heimspielen gleichen sich: Irgendwann Mitte der ersten Halbzeit schaltet der Gästetorwart sein Navi auf Irrfahrt. Also ist heute Thrombosestutz an der Reihe. Die Bochumer Defensive versucht, ihren Keeper wieder einzuparken, doch Weihrauch ist schneller und spielt zu Vogi, der aus dem Regensburgspiel gelernt hat und die Pille einschiebt. JAAAA, Bierdusche, Partyyyyyyyyyy! No Limit und „Der Puls der Stadt, unsere Leidenschaft“ donnern über die Tribünen. War also richtig, dass ich nicht die normale, sondern die Glückswaffel genommen habe.

Flott geht das Match weiter. Ein Schreck kurz nach dem Führungstreffer. Abwehrchef Sir Lord von und zu Börner verletzt sich und wird in Köpenick definitiv ausfallen. Salger ersetzt ihn heute. Block 3 vermutet zunächst gegnerische Brutalität und unparteiische Unfähigkeit. „Eeey, der SchiRi kommt doch aus Münster?“. War aber kein Foul. Und aus Münster kommt kein Fußball. Nur etwas, was sich dafür hält. Also müsste der SchiRi….obwohl… Luxusdebatte auf Block 3. „Wer hat eigentlich die Zehn bei Arminia?“. Wir kommen nicht drauf. Nachgoogeln ergibt: Es ist Nöthe. Da kommste im Moment echt nicht drauf. In der 36. Minute die erste Ecke für den DSC. Auf Block 3 sehen wir, wie der Ball von rechts (unsere Sicht) hineinfliegt, Thrombosestutz duckt sich, der Ball segelt an Thrombosestutz-duck vorbei und schlägt ein. Im Fernsehen wird man „verunglückte Flanke von Kerschbaumer“ gesagt haben. Wenn das „Verunglücken“ ist, dann gerne mehr davon. Yes, we CanCan! Unter „Immer dabei, ob nah oder weit, in Ewigkeit“, bei dessen Dezibelwerten selbst ein Eurofighter neidisch geworden wäre, geht es in die …


Halbzeit. „We’re not gonna take it“ dudelt aus den Flüstertüten. „Oh cooool“, sagen die Teenie-Mädels schräg hinten rechts, „tolles Lied von den Donots!“. *RÄUSPER*! Das ist eine Coverversion eines unantastbaren Twisted Sister-Klassikers. Mit einer Melodie, die die Bochum-Fans singen. Von einer Band aus dem Münsterland. Vieles ist auf so vielen Ebenen falsch…okay, bei dem Spielstand verziehen. Aber nur ausnahmsweise!

Auch die zweite Halbzeit ist spannend und ausgeglichen. Der VfL hat die größeren Chancen. Trotzdem weitere Luxusdebatten auf Block 3: „Wen holen wir, wenn wir aufsteigen?“. Nicht Holota, nicht Holota…“Nicht Holota!!“. Danke. „Wir holen 100 Punkte diese Saison. Ein typisches Trottel-Unentschieden, der Rest wird gewonnen!“. Hmmm…ja, mathematisch geht das auf. Sonst wohl eher…ach komm, ist egal. Die Stimmung ist klasse. Block 1 übernimmt ein paar Mal von Block J und umgekehrt. Es dröhnt! Der Versuch auf Block 3, die Zuschauerzahl per Abzählen zu ermitteln, scheitert an seiner mangelnden Praktikabilität („Okay…Eins!“ – „Zwei!“ –„…wat!?“).

Die Schlussphase ist purer Fight. Der VfL übernimmt die Steuerung, Arminia schmeißt sich in die Angriffe der orangenen Bonbonniere. Wahnsinn, welche Sicherheit Stefan Ortega ausstrahlt- jeder hohe Ball ist Beute unseres Rückkehrers. Mannschaft und Fans pushen sich – so soll dat! Die Nachspielzeit beträgt vier Minuten. Vier Minuten gnadenloser Euphorie. „Spitzenreiter, Spitzenreiter, Hey! Hey!“ – „Wenn wir komm‘, wenn wir komm‘, wenn wir wiederwiederkomm‘ in die Bundesliga Eins“. Und mal wieder „Allez Allez ladihooo!“. Dann ist es vollbracht. Lasst Euch feiern, Jungs!

Oh ja, dieser Montag hat reichlich was geboten. Die B**D verkündete, dass Arminia zum ersten Mal seit 14 Jahren Spitzenreiter wäre und am Ende aufgestiegen sei. Das stimmt in der verkürzten Form so nicht. Arminia ist das erste Mal seit zwei Jahren Spitzenreiter. Und ist dann am Ende aufgestiegen. Aber das ist völlig wumpe. Zu nächtlicher Stunde in der Stadt der Tauben „Spitzenreiter, Spitzenreiter, Hey! Hey!“ brüllen, als Armine ohne Sorgen, ohne Tabellenparanoia einfach mal eine Woche lang happy sein, das haben wir viel zu selten – und das ist auch einen verstrahlten Dienstag wert!

Der kritische Blick auf die Tabelle:

Nochmal!

Nochmal! Nochmal! Nochmal! Nochmal! Nochmal!

Nochmal! Nochmal! Nochmal! Nochmal! Nochmal! Nochmal! Nochmal! Nochmal! Nochmal! Nochmal! Nochmal! Nochmal! Nochmal! Nochmal!

<ßßTrotzdem irgendwer raus!

Über Jan-H. Grotevent

Jan-H. Grotevent
Jahrgang 1975. Gefühlte Zuständigkeiten: Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

Ein Kommentar

  1. Typischer Grotevent. Sehr humorvoll geschrieben, mit Wortwitz + eine Menge ‚Insiderwissen‘ von unserer Alm. Weiter so, Ihr Jungs in Blau – Und Jan-H. Grotevent. Als einer – auf der Süd stehend – von 20.663 im Stadion erkenne ich jede Sekunde, die hier erwähnt wieder… *thumb up*.

Schreibe eine Antwort

Deine Emailadresse wird nicht veröffentlicht.Pflichtfelder sind markiert *

*