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Riecht nach Pokal – Arminia gegen Duisburg

Rundumbeobachtungen

Am Länderspielwochenende auf Arminia verzichten? Auf keinen Fall! Das ist nur einer der ungezählten Vorzüge, die Arminias Frauenmannschaft dem geneigten schwarzweißblau konditionierten Zuschauer bietet. Heute: DFB-Pokal. Den Arminia ja bekanntlich kann. Gegen einen höherklassigen Gegner, den MSV Duisburg. Riecht es da nach Sensation? Die Teams sind aufgelaufen, das Knäuel aus Einlaufkindern und Ballmädchen ist entwirrt und an die richtigen Stellen kommandiert, wir können los.

Die ersten Minuten gehörten dem MSV. Die Zebras (Zebrinnen?), ganz in schwarz, wollen sofort Zugriff auf das Spiel, doch enden die schnell eingeleiteten Angriffe meist in der Defensive der Blauinnen. Die stehen hinten wirklich gut und aufmerksam, machen aber kaum was nach vorne. Die eine oder andere wie immer sehenswerte Birkersche Pirouette ist dabei. Der eine oder andere wie immer sehenswerte Jägersche Renner auch. In die Nähe des Begriffes “Torgefahr” kommen sie aber noch nicht.

Der Supporters Club unserer Mädels macht wie üblich Alarm. Aus Duisburg ist eine kleine Gruppe Fans dabei. Sie sind mit einer Trommel bewaffnet und singen das gesamte Spiel. Wenn man es sich auf Höhe der Mittellinie gemütlich gemacht hat, kriegt man so eine ordentliche Stereo-Beschallung – schicke Atmosphäre!

Duisburg spielt schnelle Pässe auf die außen, durch die Mitte, hoch, flach… Vor allem die flachen Anspiele sorgen für Schnappatmungsattacken. Ab der 30. Minute kommen da die Einschläge ziemlich nah, finden aber nicht die letzte Frau oder verfehlen das Gehäuse knapp. Echt ein fieses Gefühl, wenn ein Ball ganz langsam und gaaanz knapp am Pfosten vorbei rollt. Die hohen Anspiele stellen kaum Gefahr dar. Vivien Brandt mit hohen Bällen überwinden zu wollen ist so, als wollte man den Sparrenburgturm mit Kirschkernen umschießen.

Die Torfrau ist definitiv die beste Blauin bisher. Und der Rest? “Ruhig, Mädels, ruuuhig!”, brüllt es von der West, “Seid nicht so nervös!”, Eine treffende Analyse der Fehlpässe und überhasteten Angriffsversuche Arminias. Wuckel steht an der Seitenlinie. Ist ruhig. Keine lauten Kommandos wie sonst. Uiuiui, das gibt’ne Halbzeitansprache…Von den Schalensitzen aus hat man einen guten Blick auf seine Halsschlagadern. Uiuiui, das gibt’ne derbe Halbzeitansprache…In der 38. Minute reagiert er und bringt Tanja Thormaelen und Malin Wilckens für Valentina Vogt und Celine Preuß. Die Maßnahme stößt auf der West auf Unverständnis. Schließlich beraube man sich so einiger Möglichkeiten für eine Verlängerung, nach der es ziemlich intensiv riecht.

Denn: Arminia spielt sich einige Eckstöße heraus, bekommt aber weiterhin keine Ruhe in die Aktionen. Duisburg ist feldüberlegen, schießt aber weiterhin mit Kernen auf die Sparrenburg. Beim Pausenpfiff ein etwas schmeichelhaftes 0:0. Sauer tritt Wuckel in den sonnenbeschienenen Almrasen. Uiuiui, das gibt’ne heftige Halbzeitansprache…Besser futtern gehen.

Halbzeit. Viel ist geredet worden über den Wurstwechsel zu Saisonbeginn. Ein wesentlicher Unterschied von Wurst neu verglichen mit Wurst alt: Eine knackigere Pelle. Knackige Pellen eignen sich hervorragend für Currywurst, unter anderem deswegen ist die kredenzte Manta-Platte sehr zu empfehlen. Wer Zeit und Muße hat, kann jetzt mal überlegen, was “knackig” im Bezug auf Naturdärme aussagt und Ursachenforschung betreiben. Viel Spaß im Kopfkino!

Kleine Kuriosität zum Wiederanpfiff: Die Duisburgerinnen wechseln ihre Trikots von schwarz auf rot. Die Bielefelderinnen tun das analog mit ihrer Spielweise. Wo in der ersten Hälfte noch schwarz gefärbte Unsicherheit herrschte, dominiert nun Kampfesrot. Uiuiui, das muss’ne Halbzeitansprache gegeben haben…

Lena Schulte döllert einen an den Pfosten. Oli Wos köpft nur knapp vorbei. Kurz drauf: Ecke für den DSC. Die kommt an den kurzen Pfosten. “Der’s drin!”, ruft jemand auf der West und verleiht dem Begriff des “Antizipierens” eine neue Dimension. Laura Liedmeier köpft an allen Beteiligten vorbei aufs Tor. Duisburgs Dieckmann will den Ball von der Linie stochern…klappt nicht. 1:0, eine etwas unerwartete aber intensiv bejubelte Führung.

Jetzt ist der MSV, der seinen Stiefel bisher runterspielte (flache Kirschkerne), ist nun unter Druck und lässt den Stiefel schneller laufen. Doch die Blauinnen sehen weiter rot und halten dagegen. Kurz darauf ein Spielzug, der mittlerweile als “Arminiastyle 2017/2018” bezeichnet werden kann: Eine Zebrin unterschätzt einen langen Ball von links, Sarah Grünheid knippst. 2:0! Sarah jubelt, das Team jubelt, die West jubelt!

Arminia schaltet nun einen Gang zurück. Der MSV kann in Folge mehr und mehr weiterstiefeln. Es riecht nicht mehr so arg nach Verlängerung, wohl aber nach Anschlusstreffer. In der 75. Minute zeigt Schiedsrichterin Anja Klimm auf den Punkt: Foulelfmeter für den MSV. Ach du Blötsch, nach Spannung soll’s eigentlich nicht mehr riechen. Lucie Harsanyova läuft an. Und jetzt vergessen wir ganz schnell das Bild vom Burgturm: Der springt hoffentlich nie so schnell nach links. Vivien Brandt schon. Hat ihn! “Steht auf, wenn Ihr Arminen seid”- Läuft!

So, jetzt geruchsneutral, bitte! Das denken sich auch die Blauinnen für die Schlussphase und ziehen sich zurück. Aber diese flachen Bälle…irgendwann kommt einer durch. Is auch so. In der 87. Minute macht Eshly Bakker das 2:1. Verwertet eine flache Hereingabe von links. Danach gibt es nichts mehr zu schnuppern. Siegerinnentanz!

Dritte Runde, Arminia ist dabei! Der ASC hat die Highlights nochmal zusammengeschnitten:

Posted by Arminia Supporters Club on Montag, 9. Oktober 2017

(c) Arminia Supporters Club

Der kritische Blick auf die Tabelle:

Tabelle. Beim Pokal. Genau. Wir gucken aber trotzdem: Duisburg erstklassig (wenn auch letzter), Arminia zweitklassig. Unterklassig haut oberklassig aus dem Pokal. Die einzige “Sensation” in der zweiten Runde 2017/2018 fand auf der Alm statt. Arminia kann immer noch Pokal! Und wenn ich jetzt nicht endlich meine Turbinen gelost kriege, dann…

Losfee raus (egal, wer)!

Über Jan-H. Grotevent

Jan-H. Grotevent
Jahrgang 1975. Gefühlte Zuständigkeiten: Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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