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“So schlecht spielnse doch gar nicht” – Arminia gegen Eintracht Braunschweig

Rundumbeobachtungen

Ohne uns wäret Ihr gar nicht hier!”. Das mag richtig sein. Wir wären ohne uns übrigens auch nicht hier. Jetzt sind wir aber alle wieder hier. Nein, wir wissen nicht, oft das Tor öfter pingelt als Anton zwischen Telgte und Warendorf. Wir wissen auch nicht, ob Rumpi vorher lauter brüllt als Anton zwischen Telgte und Warendorf pingelt. Nur eins steht fest: Beim Anstoß ist der Spielstand 0:0.

Eine Statistik besagt, dass Freitag der Ausgeh-Tag der Nation ist. Entsprechend gut ist die Laune auf der Alm. Wir 15.500 Arminen singen unsere Hymne, die 1.100 Braunschweiger präsentieren eine Fahnenchoreo.

Unter lautem Support von beiden Seiten kriegen auch die Kicker unten gute Laune und legen ein ordentliches Tempo vor. Und kriegen Freistoß von links. Schicke Flanke und Kopfballtor von Debütant Weigelt? Das wäre ja ein Debüt…Oder schicke Flanke auf Klos und der beendet die Sturmstille? Schütz ist doch nicht so irre und…DOOOOOOCH! Der trifft die Kirsche so perfekt, dass sie kurz vor dem Gestänge nochmal aufsetzt und sich Jasmin (heißt echt so) Fejzic strecken kann, wie er will. Ein Tor, das selbst den sonst so kritischen Block 3 überzeugt, nachdem er sich aus dem Torjubel entknotet hat:“Besser hätte ich es auch nicht gemacht. …Nee, ehrlich!”.

In Aue war es ja so, dass im Zusammenspiel nach vorne im ersten Durchgang gar nichts lief. Das ist heute nicht so. Da sind tatsächlich ein paar sehenswerte Spielzüge dabei. Das lebendige Auftreten unserer Kurzhosen und die Führung im Rücken ist ein echter Stimmungsturbo. Block J und Block 1 stimmen an und übernehmen voneinander. Auch die Braunschweiger sind laut dabei. Wie fasst das ein in Ostwestfalen befindlicher Block 3 zusammen? ”So schlecht spielnse doch gar nicht”. Auf Block 3 entdecken wir eine neue, mehrfach praktizierte Defensivtechnik: Die Hartherz-Kerze. Machen wir daraus mal einen terminus technicus: Die Hartkerze. Hartkerzen-Hartherz gehört ja zu den etwas umstritteneren Akteuren unserer Blauen in dieser Saison, so bleibt Kritik auch heute nicht nicht aus. “Hast mal gesehen, wie der aussieht? Der war doch im früheren Leben mal Türsteher.”. Schlimm. Wer aussieht wie ein reinkarnierter Türsteher, kann keine Hartkerze schlagen. Das schließt sich aus. Außerdem war Hartherz im früheren Leben in Paderborn und da ist man entweder Messdiener oder Kreuzritter. Seyne Durchlaucht Florian zur Hartkerze.

Block 3 ist gelassen. “Ich denke an drei Punkte”, verkündet ein blasierter Bariton. Sein gutes Recht, nur hat es nichts mit der Realität zu tun. Ich denke zum Beispiel gerade an Gulasch mit Kartoffelklößen. Realität: Kaffee und Textprogramm. Im Spiel beschließt die verletzungsgeplagte Eintracht, besser zu sein als ihr Tabellenstand (sind sie auch generell). Die Blaugelben holen ein paar Ecken raus und ziehen ihrerseits ein schnelles Passspiel auf. Vereinzeltes Angstgejaule auf Block 3, als erst Salger und dann Ortega gegen durchgeflitzte Löwen retten müssen. Apropos Gulasch – unser Kartoffelklos hat eine dicke Chance, den die Braunschweiger Abwehr aber klären kann. Aaaaargh, Klöße müssen wieder bekömmlich werden…So müssen alle bis zur Halbzeit verdauen und sich passiv verhalten. Machen auch alle.

Halbzeit. Bekanntlich wird die Pausenviertelstunde dazu genutzt, an FressSaufBuden Kalorien einzufahren. Machen wir uns nichts vor: So gut wie niemand achtet auf das, was zwischendrin auf dem Rasen geschieht. Dabei kann man so viel Interessantes erfahren. Zum Beispiel, dass der Vorverkauf zum nächsten Heimspiel begonnen hat. Zum Beispiel, dass sich Groove Coverage an “21st Century Digital Boy” versucht hat. Zum Beispiel, dass der Vorverkauf fürs Frauenländerspiel nächste Woche begonnen hat. Was man leider nicht erfährt, ist, dass auch der Vorverkauf für das Pokalspiel der Blauinnen gegen den 1.FFC Turbine Potsdam begonnen hat. Das sei hiermit nachgeholt. Alle hin da! Maxi gegen Svenni!

Die Laune ist auch beim Wiederanpfiff gut. Außer bei den balltretenden Löwenstädtern natürlich, die liegen ja hinten. Und haben darauf keinen Bock mehr. Innerhalb von vier Minuten muss uns’ Ortega sein Können zeigen. Erst eine Ecke abfischen. Dann einen Köpfer rüberschnippen. Und dann einen um den Pfosten drehen. Fußballsprache ist toll! Nicht so toll ist die unmittelbar folgende Ecke. Da wird gewuselt und gestochert, und schließlich hat Suleiman Abdullahi Schluss mit lustig und drischt dat Dingen zum Ausgleich in die Maschen. Die Alm bleibt tapfer. “Steht auf, wenn Ihr Arminen seid!” und “Immer dabei”. Alle ziehen mit. Auch die Blauen auf dem Rasen sind tapfer, allerdings läuft es nicht mehr so flüssig wie in der ersten Runde. Und dann werden sie mit ihren eigenen Waffen geschlagen – Fehlpass, unorganisiert, Konter, Hochscheidt, Rückstand. FUUUUUUUUUUUU!

Wat nu? Also, oben sind wir weiterhin tapfer, obwohl das Zusammenspiel der Blöcke kaum noch funktioniert. Und das entspricht durchaus dem Spiel der Arminen unten. Wat nu? Patsche Schönfeld auspfeifen, als der beim BTSV eingewechselt wird? Wo der doch mal gegen die Messdiener getroffen hat? Onel Hernandes erkennen wir nicht wieder, das ist aber auch kein Wunder, der hat seine Körpermasse seit seinem Weggang aus Bielefeld verfünffacht. Und an Darius Scholtysik, Co-Trainer der Eintracht, erinnert sich hier eh keiner mehr. Hemlein und Putaro, die die glücklose Flügelzange Weihrauch – Staude ersetzen, pfeifen wir eh nicht aus, sind ja unsere.

Um die 75.Minute rum geht gar nichts mehr unten. Oben gibt es Rechnungen von Beerman. “Drei Bier bitte” – “10,50 Euro minus ein Euro Pfand” – [diverse Geldeinheiten gehen über den Zaun zwischen Block 3 und Block J] – “Du hast mir zu viel rausgegeben.” – “Nein, 10,50 Euro minus ein Euro Pfand” – “Okay, Rest ist für Dich.” – “Es gibt keinen Rest”. So, und jetzt das ganze nochmal mit Ausweisung des Steuerabzugs und Berücksichtigung von Energieumlage und Inflation. Und schriftlich, dass wir es abheften können. Ach ja, Fejzic rettet zweimal gegen Hemlein. Vorlagen von Putaro. Machen Dampf, die beiden. Steuerfrei.

Nachspielzeit drei Minuten. Nein, das zu verlieren wäre fies. Kommt nochmal, Jungs! Die Süd rafft sich nochmal auf. Und Ecke gibt’s. Dick bringt die Pille rein, irgendwer kommt an den Ball, der Rest ist Menschenknäuel und Bierdusche. Putaro war’s! Und wir stehen gerade wieder, da kommt Vogi frei an den Ball UND… Nein, der Amphetaminschock wird uns dann doch nicht gegönnt. Schade, den Torjubel, den Pogo bis vorn Zaun, die blauen Flecken, die es dann gegeben hätte, hätten wir uns verdient. Zumindest auf den Tribünen. Auf dem Spielfeld nicht so ganz.

Unterm Strich steht der (mindestens) fünfte Punkt, den Arminia kurz vorm Vorhang holt. Wir sollten uns nicht unbedingt darauf verlassen, dass Arminia die Punkte jetzt regelmäßig in der Nachspielzeit einfährt, das wäre auch für uns Zugucker extrem ungesund. Einmal neunzig Minuten voll durchspielen könnte einiges vereinfachen. Und damit ist nicht eine zweite Halbzeit in Aue und eine erste Halbzeit gegen Braunschweig gemeint. Kriegen wir doch wohl hin, oder?

Der kritische Blick auf die Tabelle:

Anton – oder Pingel-Anton – heißt übrigens mit bürgerlichem Namen „Regionalbahn 67“. Zur Zeit ist Arminia genau so schnell wie Pingel-Anton zwischen Telgte und Warendorf. Nur bei Anton pingelt es öfter. Lasst es pingeln, ihr Blauen, damit Ihr pünktlich da seid.

Weil er auf dem Rückweg gestern 35 Minuten Verspätung hatte: Anton raus!

Über Jan-H. Grotevent

Jan-H. Grotevent
Jahrgang 1975. Gefühlte Zuständigkeiten: Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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