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#turbiniabieledam – Arminia mit Turbine

Rundumbeobachtungen

Dass man Strapazen auf sich nimmt, um den Lieblingsclub spielen zu sehen, ist klar. Das sagen sich auch ein paar Ballsportfreunde aus Sparrenburg und Umgebung, die sich auf die schweinekalte Alm zum DFB-Pokal der Frauen aufmachen. Das sagt sich auch die Fanbus-Besatzung aus Sanssouci und Umgebung, die fast im Schnee stecken bleibt und knapp vor dem Anstoß auf der schweinekalten Alm ist. Und der Rundumbeobachter sagt sich das sowieso beim Match zwischen seinem Club und dem ihm danach am meisten sympathischen Club.

Blauinnen und Torbienen wärmen sich auf – ein ambitioniertes Vorhaben bei einem Celsiusgrad und Nässe. Alldieweil arrangiert sich das Publikum auf der Westtribüne. Arminias Supporter stehen rechts. Die verspätet eintreffenden Turbinefans versammeln sich zunächst auf Höhe der Mittellinie, die Ordner verweisen sie aber in Block E. Die Maßnahme, die zunächst für leichtes Murren sorgt, erweist sich aber als Stimmungsbringer. Das ganze Spiel hat Stereobeschallung. Arminia von rechts, Turbine von links.

Der in dieser Saison noch unbesiegte Bundesligist macht erstmal das Spiel, das umgekehrt zur Tribünenaufteilung beginnt.. Also: Turbine nach rechts, Arminia nach…eigentlich auch rechts. Die Blauinnen sind ordentlich unter Druck. Turbine findet auch immer wieder Schnittstellen im 5-4-1-Beton. Aber die Bielefelder Damen kämpfen tapfer und kriegen immer wieder einen Fuß in das Potsdamer Offensivspiel. So gibt es eine ganze Weltausstellung an Einwürfen, Ecken und Freistößen für die in rot spielenden Turbinen. Arminia klärt mit vereinten Kräften, in der 17.Minute ist es aber soweit. Rahel Kiwic wuchtet den Ball nach der gefühlt hundertsiebenundreißigsten Ecke zur Gästeführung ein.

„Mann“, sagt jemand auf der West, „Freitag war‘s genauso schlimm“. Er kann nur das Wetter meinen. Er meint hoffentlich nur das Wetter. Lass ihn nur das Wetter meinen. SturHartnäckigKämpferisch. So wie die Blauinnen auf dem Feld, die weiter tapfer kratzen, beißen und verteidigen. Nur offensiv passiert wenig bis nichts. Vorne zieht Maxi Birker einsam ihre Kreise und geht Jojo Elsig auf die Nerven. Sarah Grünheid steht nicht in der Startelf…Schade, der eine oder andere Pass wäre nicht im taktischen Vakuum, sondern bei ihr gelandet. Bei Turbine fällt Lia Wälti übrigens so spontan aus, dass Lothar eine korrigierte Aufstellung nachreichen muss.

Lisa Schmitz ist kalt, den Zuschauern auch. Die erste Ecke für den DSC gibt es etwa nach 35 Minuten. Ordentlich ist der Support: Beide Seiten singen, rasseln, trommeln durch. Der Rundumbeobachter sitzt eingefroren in der Mitte und hat Schals beider Clubs um. Wo hätte ich da eigentlich blockverteilungstechnisch hingehört? Die Mannschaften rennen, kratzen, beißen und kämpfen, nach 45 Minuten gehen sie in die Kabine. Beides vernünftig bei der Nasskälte.

Halbzeit. Currywurst ziehen. „Kriege ich Deinen Schal?“, fragt eine Turbine-Supporterin. Sie meint den Arminia-Schal, Potsdam-Schals hat sie sichtlich genug. „Kriege ich einen im Tausch?“. Nee, so viele sind es dann doch nicht. Die Vorstellung, dass ein Arminia-Schal mit Turbine unterwegs ist, hat aber eine ganze Menge Reiz – umgekehrt hat mein Turbineschal zwei Tag zuvor ja auch ein 5:0 gesehen. „Da, nimm, bring‘ mir einen mit nach Jöllenbeck.“. Das wird versprochen. Passt bitte gut auf meinen Schal auf. Ach ja, er hat zwei Wünsche: Er möchte den Heimsieg gegen Wolfsburg im KarLi und später das Pokalfinale gucken.

Mit derbem Kältezittern wird Currywurstessen zur Herausforderung. Was soll’s, die Hose sollte eh in die Wäsche. Sarah Grünheid ist jetzt auf dem Platz und geht Jojo Elsig auf die Nerven. Da zunächst nichts spektakuläres passiert, ein kleiner Exkurs: Rundumbeobachter, wieso magst Du Turbine Potsdam? Das war so: Ich habe für einen Artikel recherchiert. Dabei bin ich zum Spiel FCR Duisburg gegen Turbine gefahren, 2012, als die beiden CL-Teilnehmer gerade vom VfL Wolfsburg ausgeräubert worden waren. Turbine hat einen taktisch und technisch dermaßen flinken Ball gespielt, das war eine wahre Freude. Und ich bin mit den Turbine-Fans ins Gespräch gekommen. Es ist einfach toll, was die für ihren Verein auf die Beine stellen: Ehrenämter, Weihnachtsfeiern und Geburtstagsgeschenke für die Spielerinnen – Nähe und enger Kontakt zu Verein und Mannschaft, die das auch danken. Und sie sind eine lustige Community. Wenn Du ihnen ab und an mal begegnet, bei Spielen in der Region oder in Jöllenbeck, erkennst Du sie wieder, sie erkennen Dich wieder und freuen sich, dass Du „dit Spiel mit uns kiekst“. So ein knuffiger Club soll mein Kumpel sein. Und Prinzipienreitern, die jetzt sagen, dass man Schals niemals hergibt: Ich werde einen Tausch-Schal nach Jöllenbeck mitgebracht bekommen. Weiß ich.

Zurück zum Spiel. Turbine hat weiterhin mehr Ballbesitz, kommt aber kaum nach vorn. Laura Liedmeier rennt auf und ab und saugt alles vor dem Strafraum weg. Bella Jäger geht weite Wege. Der Rest steht taktisch diszipliniert. Die sonst selbst so kampfstarken Turbinen finden kaum ein Mittel. Stürmerin Svenja Huth ist abgemeldet – bis ein wirklich guter Spielzug über links durchkommt und die Dampflok (das ist nicht von mir, nicht böse gucken) einschiebt. Wird wegen Abseits zurück gewunken. Stimmen auf der West: „Duhuuu, die Svenja Huth ist doch in der Nationalmannschaft, oder?“ – „Kann sein…“. Hmm…Tja…wie sagste jetzt…Mit einer Analogie. „Die Alm ist doch in Bielefeld, oder?“ – „Kann sein.“.

Defensiv eine Eins mit Sternchen für die Blauinnen. Aber rundum den Potsdamer Strafraum geht wenig, sieht man von einer frierenden Lisa Schmitz und einer grummelnden Jojo Elsig ab. Hmmm, ins Elfmeterschießen mauern wird schwierig, wenn man hinten liegt. Gerade, als Arminia anfängt, selber ein bisschen nach vorne zu spielen, gibt es mal wieder Ecke für Turbine. Und wieder ist Rahel Kiwic zur Stelle und nickt zum zweiten Mal ein.

„Champions League kann jeder [Potsdam zur Zeit nicht, falls doch, will mein Arminia-Schal das auch sehen], scheiß auf Bundesliga, für immer Zweite Liga, DSC!“, singt der schwarzweißblaue Supporters Club. Nun, dort hat Turbines Zweite unsere Damen mit 4:0 weggefiedelt. Heute verkaufen sich die schwarzweißblauen Mädels deutlich besser. Und obwohl die Kiste so ziemlich durch ist, trauen sich nach dem 0:2 auch nach vorne mehr zu. Irgendwer aus Potsdam hat mal gesagt, Turbine-Trainer Matthias Rudolph sei ein „Inbegriff an Körperspannung“. Das kann man jetzt beobachten. Rudi hat mehr Spannung in den Muskeln als der Rundumbeobachter Kälte, und das will was heißen. Markus Wuckel hingegen rumpelstilzt an der Seitenlinie herum. Ruft rein, gestikuliert, feuert an und richtet auf – zum Beispiel Maxi Birker, die vor ihm zu Boden geht.

Maxi geht dann kurz vor Schluss nochmal zu Boden, nach Kontakt mit Felicitas Rauch, die daraufhin direkt fliegt. War nicht genau zu erkennen, daher kann ich die Szene nicht beurteilen. Nach’ner derben Tätlichkeit sah es nicht aus, und als fiese Treterin habe ich die Feli nicht in Erinnerung. Vielleicht war ihr zu kalt und die Aussicht auf eine heiße Dusche zu verlockend. Das wäre nachvollziehbar.

Arminia kämpft. Bei den Ecken in der Nachspielzeit kommt Vivi Brandt mit nach vorne – trotz 0:2. Dat is mal Moral. Arminias Torhüterin ist aber wieder hinten, als die Blauinnen herrlich über links angreifen und Sarah Grünheid im Rücken der Abwehr anspielen. Die fackelt nicht lange und haut die Kirsche unter die Latte. Jubel über den unterm Strich doch verdienten Treffer. Dann ist SchlussEndeAus.

Die Blauinnen können stolz auf sich sein – und waren es auch. Sie haben dem Bundesligisten alles abverlangt und tapfer gekämpft. Die Turbinen hatten sich das Spiel sichtlich anders vorgestellt, werden ihre weiteren Aufgaben aber sicher mit dem gewohnten Enthusiasmus angehen. Und der Rundumbeobachter hat sich gefreut, Turbine und Begleitung auf der Alm begrüßen zu können. Gerne wieder!

Der kritische Blick auf die Tabelle:

Arminia qualifiziert sich für die eingleisige 2.Liga. Turbine holt den Pokal. Machen wir so? Gut!

Radkappen raus!

Bericht des Turbinefans e.V.

Bilderstrecke des MAZ Sportbuzzer (Jan Kuppert)

Über Jan-H. Grotevent

Jan-H. Grotevent
Jahrgang 1975. Gefühlte Zuständigkeiten: Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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