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Union Berlin gegen Arminia

Fragen über Fragen. Wie kriegen wir Kreativität in die Offensive? Wie sollen wir Tore schießen? Holen wir die nötigen Punkte auswärts, wenn es schon zu Hause nicht klappt? All diese Fragen, die Arminen nicht ruhig schlafen lassen. Außerdem noch diese Frage:

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„Ist das ein Arminia-Bielefeld-Schal?“. Egal, wie früh Dein Zug fährt, die schnelle Auffassungsgabe ist immer vorher eingestiegen. Selbstverständlich ist das kein Arminia-Schal, sondern eine maßgeschneiderte Ècharpe maron du Cashmere, die sich als schwarzweißblaues Acrylgewebe mit unübersehbarem Arminia-Logo verkleidet hat. Hinter Wolfsburg wird es draußen hell (gutes Timing, Tageslicht!), in Berlin fällt Schnee. Schnell noch das Touri-Programm abarbeiten…

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…und dann ab in die Alte Försterei.

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Das Stadion liegt im südlichen Ausläufer des Volksparks Wuhlheide zwischen Spree (Fluß) und Wuhle (Bach). Der Bau erinnert an (vergangene) britische Stadionarchitektur, vor allem die Außenseite der Haupttribüne. Die Alte Försterei ist eng und schön laut. Sie paßt zum familiären Kiez-Ambiente, daß der 1. FC Union auch ausstrahlt, Stichworte: Adventssingen und Wohnzimmer-WM-Gucken. Wenn man einfach nur „wir“ ist, ist Ligazugehörigkeit in Gegenwart und Vergangenheit ebenso egal wie überall rumgetrötete corporate identity unnötig. Dann baut man als Fan auch mal am Stadion mit. Einfaches kann tatsächlich mal einfach gehen. FCUB hat Gesicht. Und niemals vergessen…

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Okay, auf den Gästeblock. Die angekündigten harten Kontrollen gab es nicht. Lag vielleicht auch daran, daß der Rundumbeobachter leicht zu spät kam- Berlin ist größer als erwartet. Treppe zum Gästeblock hochgehetzt und da steckengeblieben. Der erste Eindruck vom Match an zahlreichen ostwestfälischen Hinterköpfen vorbei: Beide Teams kommen mit dem schneeigen Boden recht gut zurecht. Hesls Kiste ist vom Auswärtsmob verborgen, so kriegt man nicht mit, daß Union zweimal das Blech trifft (schlechte Sicht hat nicht nur Nachteile). Arminia spielt ab und an mal nach vorne und hat den einen oder anderen Freistoß. Es sieht etwas zwingender aus als in den Spielen zuvor. Was allerdings auch am anderen Hintergrund, an meinem Bildausschnitt und an meinen Wunschvorstellungen liegen kann – Alle anderen sagen was anderes.

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Die Unioner liefern lauten Support. Wir ziehen unsere Chants durch, auf dem engen Gästesteher konzentriert sich die Stimmung ganz gut. Oben im Aufgang sind wir damit beschäftigt, uns gegenseitig Senf von der Jacke zu wischen – Wursttransport-Kollateralschäden. „Eyyyy, 2.500 sindwa hier, eyyy“. Das Spiel geht hin und her, Union ist etwas bissiger. Die ganz fetten Chancen für Arminia gibt es nicht, die Angriffe der Köpenicker werden von ostwestfälischen Hinterköpfen verschluckt. Die Führung der Köpenicker fällt nach einer Ecke – zumindest jubelt der nicht-schwarzweißblaue Teil der Alten Försterei. Auf dem Gästeblock ist man sich einig, daß das Gegentor vermeidbar gewesen wäre. „Boooah, die scheißen sich wieder einen zurecht…“. So zurechtdefäkiert wirkt das Spiel der Blauen nicht. Bemühen ist da, aber das war’s. Offensivverstopfung, um mal im Bild zu bleiben. Fazit im Gästeblock nach 45 Minuten: „Die kannste alle knicken da. ALLE!“.

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Halbzeitpause in der langen Schlange vor der Wurstbude. Warten lohnt sich, gute Wurst! In der Warteschlange treffen sich alte Freunde wieder und begrüßen sich mit ostwestfälischem Liebreiz: „Ich kenn‘ Dich, hähäää“ – „Buääääh, ich will Dich gar nicht kennen, hähä…“. Wenn wir schon beim Essen sind – Wußtet Ihr, daß Berliner Berliner Pfannkuchen nennen? Weil Berliner sich nicht selber verkoofen? Heute gelernt! Wenn Berliner Berliner Pfannkuchen nennen, wie nennen Berliner Pfannkuchen? Liest ein Eiserner mit und sagt es mir?

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So geknickt wie vor dem Wurstkonsum analysiert sind die Blauen dann doch nicht. Kurz nach Wiederanpfiff bekommt Arminia Ecke. Die wird erstmal rausbugsiert. Dick flankt nochmal rein, Hornig köpft aufs Tor, und dann jubeln wir. Sah nach Eigentor aus. Oder doch der Fabi? Egal! Endlich mal wieder „No Limit“ singen, tut gut! Kurz darauf nagelt Union einen Distanzschuß an den Querbalken. Zum dritten Mal. Bei dieser Gelegenheit erfahre ich übrigens von den ersten beiden Malen. Ach ja: Zweite Halbzeit nach unten vorgearbeitet, die anderen aus MS getroffen, bessere Sicht.

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Der DSC hat eine leichte Hochphase, vor allem der eingewechselte Mast bringt Schwung. Er liefert auch eine repräsentative Aktion ab für derzeitige DSC-Offensivbemühungen: Er kommt von links in den Strafraum, dribbelt sich fest, schließt aufs lange Eck ab, mit zuwenig Dampf. Kann man machen, und muß nicht zwingend gutgehen. Wenn aber zwei Mann zentral mitgekommen sind, dann…Frage der besten Option. Meiner Meinung nach die wichtigste Frage aktuell im schwarzweißblauen Angriffsspiel. Phrasenschwein setzt Speck an. Union wird wieder bissiger. Was auf dem Rasen geboten wird, ist keine große Ballkunst, aber spannend und unterhaltsam. Das Stadion geht mit. Wechselgesang zwischen Union-Fanblock und Gegengerade: „Eisern!“ – „Union!“. Klassiker auf dem Gästeblock: Bei einer verunglückten Flanke „Tooooor!“ brüllen. Macht immer wer, wird immer witzig gefunden. „Strengt Euch an!“, brüllt Berengar und beginnt den ebenfalls klassischen Zweikampf Kehlkopf versus Flüstertüte: „Auf geht’s…*hüch*…ArmIIIn*hüch*IIIaaaaaaaaa…Lauter!“. Ich kenne Kraftwerke, die stecken weniger Energie in ihren Job. Insgesamt liefern wir alle einen guten Support.

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So ab der 70.Minute übernimmt Union deutlich das Kommando. Arminia führt eine nicht bis ins letzte elegante Abwehrschlacht- war schon die eine oder andere Pogo-Einlage dabei. Das ist wohl auf die umgestellte Defensive zurückzuführen. Ex-Captain Hornig spielt für den kranken Börner, gewinnt wie eh und je jedes Kopfballduell, verliert wie eh und je jedes Sprintduell und macht ein starkes Spiel. Salger rückt auf links, nachdem Mast für Schuppan kam. Erst in der 82. Minute gibt es mal wieder eine Ecke für den DSC. Während der Gästeblock den schwarzweißblauen Walzer tanzt, ertönt der Schlußpfiff. Das Köpenicker Publikum ist unzufrieden mit der SchiRi-Leistung. „Hoyzer! Hoyzer!“. Wir machen mit, situationsironisch, wie wir manchmal sein können. „Ohne SchiRi habt Ihr keine Chance!“. Das wiederum führt dazu, daß die ganze Alte Försterei zusammen „Ostwestfalen Idioten“ singt. Mannschaft und Fans verabschieden sich mit dem nächsten schwarzweißblauen Walzer voneinander, so gut das nach dem elften Unentschieden der Saison nun mal geht. Zwölfter Auswärtspunkt. Angesichts des Spielverlaufs dürfen und sollten wir damit zufrieden sein. Alte Försterei? Gerne wieder! Hoffentlich haben wir nächste Saison wieder Gelegenheit.

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Übrigens: Wer im ICE einen Doppelsitz nur für sich haben will, der statte sich mit reichlich Pfannkuchlinern aus. Niemand setzt sich neben Euch, wenn Ihr Euch gerade hingebungsvoll die Füllung von den Griffeln schleckt. Und immer die mit Puderzucker nehmen. Mini-Blizzard!

Rundumbeobachters Konzepte zum Kartenvorverkauf #13:

Eintrittskarte per Bestellschein, Mailbestätigung, rubbeldiwupp per Post da. Spitze! Letzte Saison haben wir uns so oft über den Vorverkauf mokiert, daß es zum Running Gag wurde. Da darf man auch mal loben.

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Über Jan-H. Grotevent

Jan-H. Grotevent
Jahrgang 1975. Gefühlte Zuständigkeiten: Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

2 Kommentare

  1. Kommst auch aus MS?

  2. Für nen Berliner ist der westliche Pfannkuchen schlicht und einfach ein Eierkuchen ;)

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