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Vanillecremerezept – Arminia gegen Jahn Regensburg

Da sind wir wieder! Naaa? Schöne Sommerpause gehabt? Wie ist die Lage so? Hier gut. Die ach so verbotene Stadt hat einen neuen Bahnhof und Skulpturprojekte. Arminia hat den Kader effektiviert und abgeschlankt – spätestens mit dem Abgang von Junglas haben sich also die Bielefelder Skulpturprojekte erledigt. Auf geht’s, 2017/2018!
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Unser erster Gegner ist der SSV Jahn Regensburg. Und an die haben wir ja schöne Erinnerungen. Nun, nicht an das 2:2 im Mai 2015, aber an alles das, was an dem Tag folgte. Bekanntlich stieg der Jahn damals in die vierte Liga ab. Die Zeit seit dem letzten Aufeinandertreffen mit Arminia verbrachte man in der Oberpfalz mit Durchmarschieren. Durchmarschierer sollte man nicht unterschätzen. Kennen wir ja hier, wir waren selber mal einer. Die Älteren werden sich erinnern. Zur Sache!
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Erstmal die altbekannten Hände auf Block 3 schütteln. Zurück aus den Ferien. Unten beginnt das Spiel mit einer kurzen Findungsphase, dann haben sich beide Mannschaften mit sich, dem Wetter und der Alm arrangiert. Bis auf Gästetorwart Pentke, der den ersten Laustärke-Aufdreher des Tages auf seiner Seite hat. Er rast aus dem Strafraum, spielt die Kirsche irgendwo hin, verirrt sich völlig, aber weder Vogi noch Fabi können aus dem Davarí-Gedächtnis-Stunt Kapital schlagen. „Manno, und das, obwohl der Torwart nichts kann“, jammert Block 3. SchiRi Jablonski beschert dem Gast aus der bayrischen Domstadt kurz drauf die erste Chance nach einem Freistoß von halblinks. Beim dazugehörigen Foul ist Locke Hemlein verwarnt worden. Aus Gründen. Der SchiRi kennt sie. Die Alm nicht. Da ärgert sich die Alm.
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Hollaaaaaa! Das sieht ja mal nach Fußball aus! Der Jahn spielt taktisch clever: Raumdeckung und dann schnelles Umschalten. Arminia schafft es, dem überlegen zu sein, und wie! Schnelle Pässe, Flügelspiel, teilweise echte Athletik und echte Finesse. „Jawooooll! Weiter!“ im Publikum und sogar ein paar Ohs und Ahs, als hätte gerade ein Dessertbuffet eröffnet. Da fällt es kaum auf, dass die Erdbeeren auf der Vanillecreme nur aus Plastik sind bzw. das keine wirklich gefährlichen Torchancen entstehen. Das fällt irgendwann auch dem Jahn auf. Und der macht das Buffet erstmal wieder zu. George vollendet einen Konter, der so klinisch präzise gespielt wird, dass man damit einen Blinddarm hätte rausnehmen können. Salger war noch an der Vanilletheke.
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Och manno, wir wollten aber Vanille mit echten Erdbeeren…Das 0:1 ist ein Dämpfer, nachdem die Stimmung bisher ganz ordentlich war. Wir sind Ostwestfalen! Wir sind stur und wollen Vanille, respektive Tore! Wir sind hartnäckig und die Ohs und Ahs sind jetzt wieder „Stümper“, „zieh das Trikot aus, Du Lusche“ und „Kanarienvogel“ (Nee, Moment, da war Regensburgs Torwart gemeint). Aber kämpferisch? Nur vorm Anpfiff! Arminia braucht ein bisschen, um wieder Vanille anzurühren. Dann holt sich Lord Börner den Ball am Mittelkreis, gibt Zucker in die Schüssel bzw. einen Zuckerpass auf Staude und unser begabtester Nachwuchskoch setzt die Erdbeere drauf. Aus vollem Lauf das 1:1 und die Alm ist wieder da, auch animiert vom wild vor der Süd herumfuchtelnden Fabi. Der Jahn kann immer noch was am Operationstisch. Kurz vor der Halbzeit der nächste Konter mit chirurgischer Präzision, der durch Arminias Abwehr durchgeht wie ein Lasermesser durch Vanillecreme. Grüttner schnibbelt daneben. *schnauf*.
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Halbzeit. „Wo holen wir uns Bier, ohne eine halbe Stunde anstehen zu müssen?“. Am Jahnplatz. Das aber nur als kleine Zwischenepisode, denn natürlich fragt sich die ganze Bielefelder Fußballwelt: Wie schmeckt die neue Bratwurst? Nun, die Speisekarte ist um Currywurst und Bürger erweitert, die Wurst ist ein anderes Fabrikat, es gibt sie im ganzen Brötchen und selbstverständlich schmeckt sie doof. Was denn sonst? Kann eine Neuerung etwas anderes sein als doof? Selbst, wenn sie eigentlich kulinarisch akzeptabel ist? Selbstverständlich nicht! Wenn schon im Spiel nicht kämpferisch, dann wenigstens bei der Wurst. Ostwestfalen, Ostwestfalen, hey, hey!
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Im Aufgang auf Block 3 sagt Raus zu Rein: „Ich war zuerst da, hahaha!“. Daraufhin Rein zu Raus: „Nee, ich, hahaha!“. Und beide lachen. Und stehen dabei rum. Und verursachen Stau. Block 3 ist toll! Block 1 ist alldieweil gegen alle Stadionverbote. Auf dem Rasen werden allmählich die Schenkel lahm. Der Einsatz stimmt aber. Nach einer Viertelstunde gibt es „Jaaa….nein“: Pentke, bisher nicht unbedingt als Sicherheitsexperte aufgefallen, rettet stark gegen einen Nachschuss von Staude. Arminia bleibt spielbestimmend. Der Jahn bleibt clever. Die Oberpfälzer spielen Drittligastyle: Kompakt, schnelles Umschalten, mannschaftlich geschlossen und natürlich immer den Kopf öfter auf dem Rasen als in der Luft. Kopfball Weihrauch – „Jaaa….nein“. Fabi KAWOMM – „Jaaa….nein, Pfosten…“. Regensburg setzt einen Köpfer an die Latte. Wisst ihr eigentlich, wie man uns in der Oberpfalz gemeinhin nennt? Richtig, „Preissn“. Alle mal aufregen, bitte.
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„Die heiße Phase kommt jetzt!“, behauptet Block 3, dabei werden die Jungs immer müder. Und dann fliegt auch noch der Tex- durchaus zu Recht. Schade, hat ein starkes Spiel gemacht. Immerhin haben wir einen Flo Dick, der ihn ersetzt. Tja, mit der Kaderqualität hat der Graf von Luxemburg schon recht. In Unterzahl muss Arminia sich erstmal zurückziehen. Sebi Wiese heizt das Publikum nochmal an und es funktioniert. Jede der leidenschaftlichen Abwehraktionen der dezimierten Truppe wird beschrien, laut wird angefeuert. Dann köpft Marvin Knoll zurück zum Torwart, irgendwie ist ein Armine (Sporar) dazwischen, die Erdbeere fliegt Richtung Kiste…und es explodiert wie nur bei zweiten Treffern gegen Regensburg.
Last-Minute-Sieg! Das Glück der Tüchtigen! Der erste Dreier der Saison! „Spitzenreiter! Spitzenreiter! Hey! Hey!“ Vanillecreme mit echten Erdbeeren! Klar war noch nicht alles perfekt, klar spielten noch nicht alle perfekt – ein paar Defensivschleuderer waren nicht zu übersehen. Aber der Chefkoch von Luxemburg wird sein Vanillecremerezept sicher noch verfeinern. Und da dürfen wir Fans durchaus feuchte Fressluken kriegen. Schmeckt doch schon nach was!
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Der kritische Blick auf die Tabelle:
Arminia ist punktgleich mit der Tabellenspitze. Das mit dem „Spitzenreiter! Spitzenreiter!“ hat sich inzwischen erledigt. War trotzdem eine nette Momentaufnahme. Und: Arminia hat drei Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge. Soweit waren wir seit dem Klassenerhalt 2016 nicht mehr von der roten Zone weg. Geht gut los! Und es sieht so aus, als könnte es gut weitergehen. Die Wurst ist immer noch neu, und dat geht nich! Wurstentscheider raus!

Über Jan-H. Grotevent

Jan-H. Grotevent
Jahrgang 1975. Gefühlte Zuständigkeiten: Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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