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Von Pech, Müdigkeit und dem ersten Saisonrekord – Arminia gegen Fortuna Düsseldorf

Samstag Abend, Flutlicht, ostwestfälisches Wetter und DFB-Pokal auf der Alm. Sparen wir uns nähere Betrachtungen des gesellschaftlichen Phänomens ”Regionalbahnfahrgäste versus Regionalbahnfahrkartenautomat” (kannste eh ein Buch drüber schreiben) und gehen direkt auf Block 3.
Dort herrscht gespannte Erwartung. ”Deutscher Sportclub, Shalala” von der Süd und Nachbarschaft zehn Minuten vor dem Anpfiff. ”Wie, das war’s schon?”, meint eine sportliche Stimme nach vier Durchgängen. Nein, es kommen noch drei. Außerdem muss man das mit den 90 Minuten Dauersupport richtig verstehen: Wenn man zehn Minuten vorher anfängt mit 90 Minuten Dauersupport, ist er nach 80 Minuten vorbei. Halbzeit nicht mitgerechnet. Sonst wird das nix mit der spontanen Gänsehautentzündung. Auch die Düsseldorfer singen sich ein.
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Die erste Aktion des Spiels gehört den Gästen, als Bebou eine Flanke verpasst. Die Startphase ist offen. Michael Rensing boxt den Ball raus, verliert den Kurs und irrt im Flutlicht herum. Das Spielgerät landet bei Hartherz. ”Hau drauf!”, brüllt Block 3. ”Hau drauf!”, brüllt die Restalm. Selbst Rensing hätte ”Hau drauf!” gebrüllt, wenn er gewusst hätte, um was es ging. Hartherz spielt aber zu Voglsammer. ”Hau drauf!”, brüllt Block 3. ”Hau drauf!”, brüllt die Restalm. Vogi will es elegant machen und so kann Fortuna klären. Haare raufen auf Block 3. ”Mannooo, ey!”. Draufhauen wäre besser gewesen. “Glücklich, wer mit den Verhältnissen zu brechen versteht, ehe sie ihn gebrochen haben.“, sagte schon Franz Liszt und der hatte Ahnung von Fußball.
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Geht munter hin und her, unten und oben. Es ist leicht lauter auf der Alm als gegen Regensburg, sind aber auch mehr Leute da. Sogar ganz unbekannte. ”Wer sind die da?”, ist Block 3 neugierig, als eine Horde Jungs in blauen Leibchen vor der Süd herstiefelt, ”Auswechselspieler?”. Die Teams schenken sich nichts, dazu gehört auch eine gewisse Zweikampfhärte. An der beteiligen sich alle bis auf den Düsseldorfer Bebou, der jeder schwarzweißblauen Attacke durch Turneinlagen ausweicht. Damit wird er zum Liebling des Abends für das ostwestfälische Publikum. Auch Emir Kujovic ist ein auffälliger Spieler bei F95. Vor allem zeigt er sich durch besondere Nervosität frei vor dem Kasten aus. Als Düsseldorfer müsste man jetzt fragen, warum die nicht Rouwen Hennings von Anfang an….lassen wir das. Bei Arminia sieht dat alles ganz gut aus. ”Harrch, einmal muss es klappen”, hadert Block 3. Noch klappt es nicht. Behrendt macht den Dölmer-Freistoß, sonst passiert nichts Wildes mehr.
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Halbzeit. Füge hier an dieser Stelle einen Burger-Test ein, der heute geplant war, aber angesichts des packenden Halbzeitentertainments (Warten auf Dr.Klenk, warten auf den Rasensprenger) vergess…äh..verschoben werden musste. Fußball und Burger – passt das überhaupt zusammen? Nein! Aber Rundumbeobachter und Burger!
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Die Spielminuten 46 bis 90plus beginnen mit viel schwarzweißblauem Schwung. Erst haut der Fabi einen drauf, Rensing kann nur abklatschen, gegen Vogis Nachschuss rettet er aber klasse. Wenn wir gerade über Fabi reden: In der 56. Minute steht unser Burgturm mit Fußballschuhen (quietschgelb) richtig und nickt eine Hartherzflanke ein. JAAAA! 1:0, Wall of Death (na ja, eher Wall of Beer) auf der Süd. Kein Wunder, dass andere Interesse hatten an unserm Burgturm. ”Interesse an etwas/jemandem haben” muss übrigens nicht immer heißen, dass man das Objekt der Interessen dann tatsächlich ein paar Tage später auch hat. Ich habe zum Beispiel Interesse an Bulldozern, dass heißt noch lange nicht, dass…*grummel*…
Ach, was rege ich mich auf…Wir führen, spielen gut und machen Druck und Dampf. Wir haben auch eine neue alte Nummer Eins namens Stefan Ortega Moreno. Sollte erwähnt werden, da er in der bisherigen Saison eher selten im Mittelpunkt stand (was ja eigentlich für seine Vorderleute spricht). Mitte der zweiten Halbzeit fingert er einen Freistoß über das Aluminium. Die Alm hat gute Laune. ”Trallalaaaa…die ganze Stadt ist wie verhext und schaut mal, wie das Punktekonto wächst”. Ein wachsendes Punktekonto singt sich bei einem Pokalspiel übrigens recht merkwürdig.
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Beim ersten Mal ging es noch gut mit dem optimistischen Vogi-Rückpass. Beim zweiten Mal nicht so. Das Zuspiel ist eine Traumvorlage für Rouwen Hennings (isser doch da, Mist!), der zum Ausgleich einnetzt. Es spricht für den Teamgeist des DSC, dass die Mannschaftskameraden sofort zum sichtlich frustrierten Vogi gehen und ihn trösten. Und es spricht für Block 3, dass kein Bashing kommt, sondern ein ”Kopf hoch!”. Als Voglsammer ausgewechselt wird, drischt er erstmal auf die Sitze der Auswechselbank ein. ”Mann, lasst ihn doch die Sache wieder gutmachen!”, kommentiert Block 3. Tja, die Stürmer in dem blauen Hemd genießen zur Zeit doch eine Menge Kredit.
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Huiuiui, Arminia spielt zwar weiter, doch Fortuna macht auch Druck. Außerdem werden die Blauen langsamer. Fortuna hat Chancen… ”Die Spannung wird um zwei Minuten verlängert”, verkündet Lothar, was angesichts eines Pokalspiels, das kurz vorm Vorhang unentschieden ist, auch etwas komisch klingt.
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Arminia, Pokal und Verlängerung- da war doch was? Richtig, meistens passiert nix mehr, es gibt Elfmeterschießen und zum Schluss gehen alle glücklich nach Hause. Was natürlich nicht heißen soll, dass die Entscheidung nicht vorher fallen darf. ”Das 2:1 passiert gleich!”, meint Block 3, lässt aber offen, auf welcher Seite…moment…die andere Seite hat er sicher nicht gemeint. Die Blauen vertrotteln die Zwiebel vorm eigenen Strafraum. Vorteilsnehmer und Vollstrecker: Rouwen Hennings (ist immer noch da, Mist!). Oh je, und unsere Arminen… da dürfen sie am Samstag schon mal länger draußen spielen und dann werden sie müde. Wenigstens ist Ortega noch wach und hält den DSC mit wirklich tollen Paraden im Spiel. Der will seine letzte Verlängerung mit Arminia eben nicht nochmal erleben. Nützt aber nix. Dass Oliver Fink am Ende noch das durchaus sehenswerte 3:1 für die jubelnden Landeshauptstädter erzielt – drauf gepfiffen.
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Arminia hat alles gegeben und ein ordentliches Spiel gemacht. Fortuna Düsseldorf war das mehr clevere Team und hatte auch ein bisschen die Namenspatronin auf ihrer Seite. Viel Glück den Düsseldorfern im weiteren Wettbewerb. Die Blauen holen sich Applaus ab und gehen traurig, aber nicht gebrochen ins Bett. Es gibt übrigens trotzdem eine Bestmarke zu feiern: Fabi Klos wird die Ehre zuteil, alle Pokaltore des DSC Arminia Bielefeld in der Saison 2017/2018 geschossen zu haben. Tröstet auch nicht?…okeeeeh…Aber keiner hat Grund, heute wirklich böse zu sein.
Der kritische Blick auf die Tabelle:
Immer noch schicke sechs Punkte nach zwei Spielen. Das Punktekonto ist nicht gewachsen. Die Spannung ist nicht verlängert. Das Geldkonto wächst auch nicht. Und schuld ist nur der doofe Pokal! Pokal raus! (<= wasn Doppelsinn!)

Über Jan-H. Grotevent

Jan-H. Grotevent
Jahrgang 1975. Gefühlte Zuständigkeiten: Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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