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Wie Enten – Arminia gegen Ingolstadt

Rundumbeobachtungen

Vor den zweifelhaften Genuss eines Arminiaspiels hat der Fußballgott die Bahnanreise gesetzt. Die geht heute erstmal bis Hamm-Heessen. Dort heißt es: ”Unsere neue Lok muss einmal komplett wieder hochgefahren werden. Unsere Weiterfahrt verzögert sich”. Das ist bei wichtigen Terminsachen (zweifelhafter Genuss eines Arminia-Spiels) natürlich ärgerlich, gibt aber ein herrliches Kopfkino: Sanduhr im Führerstand der Lok – ”Lok reagiert nicht, möchten Sie die Fahrt beenden? [OK] [Abbrechen]” – *hackhackhack* – ”Press F8 to run boot menue” – ”Lok im abgesicherten Modus starten?”. Der Anpfiff ist gerade ertönt, als der Rundumbeobachter die Linie zu Block 3 überquert (beim SchiRi vom Düsseldorf-Spiel hätte ich nicht gegolten).

Die Blauen sind lebendig unterwegs. Sieht ganz gut aus, was die da machen. So ist auch die Alm lebendig unterwegs. Ingolstadt gehört nicht zu den Lieblingsgegnern des DSC, weil sie in den meisten bisherigen Spielen immer den Tick cleverer waren. So auch jetzt, als der Tex wegrutscht. Thomas Pledl will den Ball eigentlich auf die Tribüne schießen, doch Lord Börner steht im Weg. So landet die Murmel in den Maschen. Mist.

Da die Blauen erstmal gut weitermachen, tut der frühe Rückstand auch der Stimmung keinen Abbruch. Ingolstadt ist ganz schön nickelig unterwegs. In der Kategorie ”Bekloppteste Platzverweise der Fußballgeschichte” sind auf der Alm ja schon einige Preise verliehen worden. Heute kommt ein weiterer hinzu: Ingolstadts Marcel Gaus kassiert die schnellste Ampel in der Zweiten Liga ever. ”Hah!”, sagt Block 3, ”Ich hab’s Dir gesagt, beim nächsten Laufduell ist der Zehner weg”. Nä jä, Gaus hatte die 25. Der Zehner ist der, der in der kurzzeitigen Hektik nach der Ampel Hemlein weg schubst. Und Gelb kriegt. Was dem SchiRi den ersten Unmut des Abends einbringt.

Überzahl ist ja nicht wirklich was für Arminia. Nee, noch niiiie hamse dat gekonnt! Deswegen passiert auch erstmal nix in Richtung Ingolstädter Kiste. Es ist nicht ins Letzte zu klären, ob Brian Behrendt die Ausgangslage durch personellen Gleichstand verbessern wollte, von Kutschke gefoult wurde oder ob der SchiRi Freude am Sich-selbst-an-den-Pöter-packen gefunden hatte. Auf jeden Fall fliegt BB3 glatt. ”SchiRi, was ist los mit Dir?”, herrscht Unverständnis auf Block 3.

Gleichzahl ist mehr Arminias Ding. Jetzt machen sie gut Alarm da unten und die Alm alarmiert mit. Und Lord von und zu Börner mach die Dampframme, 1:1, alle am Jubeln. Und am brüllen. Und am Singen. Denn es geht weiter. Eine Ecke nach der andren für den DSC. ”Wir sind immer dabei!”. Gerade mal 30 Minuten rum und hier wird was geboten. Mannomann, was wäre gewesen, wenn die Lok in Hamm-Heessen noch einen kompletten Virus-Scan hätte machen müssen und ich jetzt erst erschienen wäre? Ich hätte ja glatt die Einwechslung von Salger verpasst. ”Halten wir das noch’ne Viertelstunde durch?”, fragt jemand auf Block 3. Was? Das Spiel? ”Was? Ohne Saufen?” – ”Nein, ohne Pissen.”. Ah so.

Es fehlt das Erfolgserlebnis in der Schlussphase der ersten Runde. Einigen, etwa Fabi Klos, fehlt es schon länger. Und dabei bleibt es- er köpft knapp vorbei. Nein, tut er eigentlich nicht. ”Er macht alles richtig, das Tor stand zu weit rechts”, weiß Block 3. Das Spiel beruhigt sich. Arminia passt erstmal hintenrum. Klappt nicht. Ortega muss mit gestrecktem Bein hin. Überflüssiger Kollateralschaden (Elfmeter) in überflüssiger Situation (Fehlpass). Kutschke versenkt, Ingolstadt führt. Das verstört die Stimmung zur Pausenwurst ein bisschen.

Halbzeit. Um die verstörte Stimmung mal mitzunehmen, hier ein verstörendes Lied über Bratwurst.

Viele sagen ja, der Support von Block 1 habe nichts mit dem Spiel zu tun. Nun, das stimmt nur teilweise. Im gesamten ersten Drittel der zweiten Hälfte passen die Chants zum Spiel Arminias. Mit dem Quer-Rück-und-Rüber-Gepasse der Ingolstädter am eigenen Strafraum haben die Gesänge genauso viel zu tun wie unsere schwarzweißblauen Kicker, die offenbar ihre erfolgreiche Pressing-Direktive vergessen haben. Carsten macht das Rumpi-Stilzchen, das hilft aber auch nicht viel. Die Blauen bekommen zwar wieder Zugriff, verzetteln sich aber oft in der cleveren bayrischen Abwehr (heißen die deswegen ”Schanzer”?).

Block 3 nutzt die Gelegenheit, um wesentlich Dinge zu diskutieren. Läuft Bier-Man auf Block J eigentlich feste, vorgeschriebene Routen? Was der wohl verdient? Ist das tatsächlich ein Schienbeinschoner, der gelangweilt auf dem Rasen liegt und auf Sonne wartet? Irgendein Low-Budget-Intellekt trillerpfeift auf der Süd. Börner wird zu Sebastian Wiese geschickt, der das Publikum bittet, das zu unterlassen. Was man nicht alles tut für ein bisschen Abwechslung. Riesenstimmung übrigens im Gästeblock. Ein unter Gefahr aufgenommenes Foto zeigt das riesige Polizeiaufgebot und die Massen an Schanzer-Fans bei Abfahrt am Bielefelder Hauptbahnhof:

Die kleine Spitze sei verziehen. Jeder, der – Hin und zurück – elf Stunden Zugfahrt (18 Stunden bei Lokomotiven-Reboot) auf sich nimmt oder acht Stunden mit einem A6 (was sonst!?) hat eigentlich Anerkennung verdient, auch und gerade wenn es nicht viele sind.

Arminia liegt zurück und tut kaum was dagegen. ”Enten”, sagt Block 3, ”sie spielen wie Enten”. Auch ein lustiges Kopfkino. Dann kriegt Arminia Freistoß. Das Spielgerät dölmert erst an Birners Börne und dann an den Pfosten…Mist! Alarm für die Alm. Die Tribünen wollen gerade die Schlusschoräle einläuten, als Ingolstadt einen Konter mit Hand und Fuß (lies: regeltechnisch grenzwertig) zu Ende spielt und die Tüte zu macht. Dafür machen alle Arminen ein Fass auf. ”Schieber! Hoyzer!” auf der Süd. Ortega hat den Mega-Hals und kriegt Gelb. Jeff le Chef guckt laut eigener Aussage böse und wird auf die West verwiesen. ”Ohne SchiRi habt Ihr keine Chance!”, brüllt das Publikum. Der Lord ist sauer und reißt noch einen Schanzer um. Auch gelb. Jetzt ist die Süd maximal auf Wutpegel. ”Auf die Fresse! Auf die Fresse!”. Donnernde Pfiffe gegen den SchiRi zur Schlussflöte.

Nee, es lag nicht am SchiRi. Leider konnte Arminia den Druck der durchaus gefälligen ersten Hälfte nicht fortsetzen. Ingolstadt nahm die Einladungen dankend an. Der weitere Kurs der Blauen bleibt spannend.

Der kritische Blick auf die Tabelle:

Das Grauen hat einen Namen”, verkündet Lothar zur Blitztabelle in der Halbzeit. Meint er den Leetzenladen, der die Blitztabelle präsentiert? Oder vielleicht die grauenhafte Musik, die dabei läuft? Sonst gibt es nämlich kein Grauen. Also:

Schlechte Musik und Leetzen, die am Zebrastreifen nicht bremsen, raus!

Über Jan-H. Grotevent

Jan-H. Grotevent
Jahrgang 1975. Gefühlte Zuständigkeiten: Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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