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Dienstag, 01 April 2014 09:03

Die Welt des FC Bayern – Ein Erlebnis

geschrieben von

Die Demontage der blauen Leuchtstoffröhren in der Allianz-Arena, den Gewinn des Triples und ein Vereinsmuseum. Das wünscht sich Armin Radke im Jahr 2009 in seinem Roman „Sehnsucht FC Bayern“ und sprach dabei vielen Fans aus ihren rot/weißen Herzen. Letzteres wurde im Mai 2012 erfüllt. Sechs Tage nach dem schmerzlichen Finale Dahoam öffneten sich die Tore der FC Bayern Erlebniswelt. Auf 3.050 Quadratmetern sollen dort die über 110 Jahre alte Geschichte des FCBs sowie die Werte des Vereins den Fans nähergebracht werden. Dafür stehen Stellwände mit Text genauso zur Verfügung wie einzigartige Video- und Audioelemente. Architekt Kurt Ranger und Projektleiterin Sabine Hoeneß ist dabei eines besonders wichtig – Emotionen. Es funktioniert! Einen Schritt und man ist in einer anderen Welt. Durch einen schwarzen Tunnel, begleitet von Bildern der Vereinsgeschichte und Jubelgesängen vergangener Erfolge, gelangt man in die Welt des FC Bayern. Pure Gänsehaut. Der FCB ganz nahe.

Dienstag, 07 Januar 2014 21:10

Ode an Flutlichtmasten

geschrieben von

Lohrheide Wattenscheid 4Flutlichtmast du Monument,
Wer Dein selig Licht noch kennt,
Wer gar in deinem Scheine spielte,
Für dich sogleich hell mit dir brennt.

Wirft man einen Blick in die Chroniken vieler Bundesliga-Vereine, finden sich dort zwar viele Informationen zu sportlichen (Miss-)Erfolgen und schillernden Fußballstars vergangener Tage, jedoch kaum Aussagen über das Wirken des jeweiligen Vereins zwischen 1933 und 1945. Die Vereinschronik des TSV 1860 München aus dem Jahre 1997 sagt über den Nationalsozialismus nur, dass dem Spieler Pledl wegen einer Behinderung – er hatte nur einen Arm – eine Karriere als Nationalspieler versagt blieb, wird der Chronik Glauben geschenkt, ist sonst aber scheinbar nicht viel passiert, außer das der Verein um einen Meistertitel betrogen und das Stadion durch den Krieg zerstört wurde.

Geschichte und Millieu der Vereine vor 1933 – Der TSV 1860 München

Entgegen der nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzenden Stilisierung zum angeblichen Arbeiterverein Münchens, war der Turnverein München von 1860 seit seiner Gründung und auch zum Zeitpunkt der Herausbildung seiner Fußballabteilung im Jahr 1899 ein bürgerlicher, zum Teil sogar aristokratisch geprägter Verein. 1908 bestand die Führungsriege des Vereins vornehmlich aus Angehörigen bürgerlicher Berufe und Schichten, wie Kaufleuten, Handwerksmeistern und Fabrikanten. Ein Alleinstellungsmerkmal des Vereins im bayrischen Raum ist die Unterstützung und Protektion durch den damaligen Prinzen Rupprecht von Bayern, der ab 1905 für ein gutes Verhältnis zwischen Vereinsführung und Königshaus, bzw. der Regierung sorgte. Ein weiterer Aspekt, der für die Beurteilung des Vereinsumfelds zu beachten ist, ist die Einbindung auch der Fußballriege des Vereins in die Deutsche Turnerschaft. Diese Einbindung hatte zwei Konsequenzen: Auf der einen Seite bot der Verein – der ja mehr als nur ein Klub zur Leibesertüchtigung, nämlich auch ein Raum zum Knüpfen sozialer Kontakte und beruflicher Chancen war – seinen Mitgliedern viele Aufstiegsmöglichkeiten, auf der anderen Seite bedingte dies eine gewisse Integration in das nationalistischkonservative Milieu der Turnvereine. Wenn auch nicht mit der nationalsozialistischen Ideologie gleichzusetzen, war diese Grundstimmung im Verein ein Nährboden, auf dem völkische und nationalistische Anschauungen gedeihen und sich radikalisieren konnten. Derartige Anschauungen gab es zwar auch in anderen Vereinen, die Turnerschaft war jedoch in erheblichem Maße ideologischer orientiert als die Fußballvereine. Dem Fußballbetrieb stand sie als „Fußlümmelei“ anfangs sogar ausgesprochen feindlich gegenüber.

Die Radikalisierung trat ein, als München nach der Niederschlagung der Räterepublik 1919 zu einer „Ordnungszelle des Reichs“ wurde. Der TSV 1860 München stellte zuerst den Freikorpsverbänden und später der SA entgegen den Bestimmungen des Versailler Vertrags sein Vereinsgelände für Wehrsportübungen zur Verfügung und war zum Teil auch personell mit diesen Organisationen verflochten. Juden, die beim FC Bayern auch Posten in der Führungsriege des Vereins einnahmen, machten bei den Löwen keine vergleichbare Karriere. Im Gegenteil waren es nicht wenige Teilnehmer am Hitler-Ludendorff-Putsch von 1923 – so genannte „Blutzeugen“ - die immer mehr in Führungspositionen bei den Löwen drängten und den Verein von 1934 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs führen sollten. Schon vor der eigentlichen Machtübernahme der NSDAP gab es im Verein und dem Umfeld von 1860 München also eine nationalsozialistische Fraktion, die über erheblichen Einfluss im Verein verfügte.

Die Konzentration an „Blutzeugen“ im Vereinsumfeld führte dazu, dass sich der Verein dem NS-Regime schon früh in Wort und Tat in Dienst stellte.

Geschichte und Milieu der Vereine vor 1933 – Hertha BSC Berlin

Die Hertha, in den zwanziger und dreißiger Jahren der dominierende Fußballverein der Hauptstadt, entstammt ursprünglich dem „Roten Wedding“, einem ehemaligen Arbeiterbezirk, der auch heute noch als sozialer Brennpunkt gilt und durch die Weltwirschaftskrise Ende der zwanziger Jahre besonders hart getroffen wurde. Im Wedding kämpften SPD, KPD und die NSDAP um die Vorherrschaft, vor allem für Kommunisten war der Wedding bis ins Jahr 1933 eine Hochburg. Im Gegensatz zu anderen Städten im Reich wurde den Nazis in Berlin und besonders im Wedding regelmäßig gewaltsam Widerstand geleistet: So kam es über Jahre hinweg wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen SA- und KPD-Verbänden.

War der Wedding selbst ein Arbeiterbezirk, so entstammte die Vereinsführung der Hertha – wie auch die des TSV 1860 München – dem bürgerlichen Milieu. Seit 1908 wurde der Verein von dem Sozialdemokraten Wilhelm Wernicke geführt, der sich die Vereinsleitung ab 1918 mit Emil Schlag und Wilhelm Bliesenick teilte. Vor 1933 gab es kaum Nazis im Verein, im Gegenteil wurde der Sozialdemokrat Wernicke nach 1933 zwar offiziell seiner Ämter enthoben, dies diente jedoch seinem persönlichen Schitz. Im Hintergrund blieb er eine Identifikationsfigur des Vereins, die sich nach Kriegsende um den Wiederaufbau des Klubs bemühte. Obwohl sich zum Zeitpunkt der Machtübernahme keine etablierten Nazis in der Führungsriege befanden, gab es dennoch einen Personenkreis, der den Regierungswechsel als Aufbruch und Chance wahrnahm. Dazu gehörten u.a. der stellvertretende Vorsitzende und der Kassenwart des Vereins. Die Hertha-Führung veröffentlichte kurz nach der Machtübernahme eine DFB-Erklärung, die sie an befreundete Vereine im Ausland sendete und in der es hieß, die Lage in Deutschland sei ruhiger als je zuvor und Berichte über Verfolgungen politischer Gegner seien unwahr. Die Voraussetzungen für die Integration in das NS-System waren also auch bei der Hertha gegeben, aber andere als beim TSV 1860 München.

Die Integration in das NS-Regime – Finanzprobleme als Ursache der

Regimebindung?

Die Behauptung, die Vereine hätten sich aus Gesinnungsgründen kurz nach der NSMachtübernahme einfach in den Dienst des neuen Regimes gestellt, ohne das es punktuell zu Reibungen gekommen wäre, ist eine verkürzte und grob schematische Darstellung der Ereignisse und Motive. Sowohl bei 1860 München, als auch bei der Hertha gab es konkrete Anlasse für die Anbiederung an das Regime. Das Umfeld der Löwen war schon vor 1933 massiv von Nazis durchsetzt, diese warteten nur auf eine Chance, die Vereinsführung zu übernehmen. Die Führung der Hertha stand vor dem Problem, dass ihnen durch das neue Regime eine immense Gefahr drohte, da mit Wilhelm Wernicke ein bekannter Sozialdemokrat und Gewerkschafter an der Spitze des Vereins stand und nicht ausgeschlossen werden konnte, dass die neue Regierung dem eine andere Führung aufzwingen würde.

Hinzu kommt, dass in beiden Fällen Finanzprobleme der Klubs als Motiv für die Integration in das System beachtet werden müssen. Im Fall der Löwen führten der Stadionbau an der Grünwalder Straße Mitte der zwanziger Jahre, sowie die Folgen der Wirtschaftskrise ab 1929 dazu, dass die Existenz des Münchener Klubs mehrfach gefährdet war und der Verein seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte. Gerettet wurde der Verein in den dreißiger Jahren durch die traditionell eng mit dem Verein verbundene Stadtspitze, die diesem Steuerfreiheiten gewährte, Kredite zu günstigen Konditionen verschaffte und das Vereinsgelände schließlich sogar kaufte, um es Jahre später für einen Bruchteil des Kaufpreises wieder an die Löwen zu verkaufen.

Auch bei der dem verarmten Wedding entstammenden Hertha gab es seit den zwanziger Jahren ähnliche Finanzprobleme. Reagiert wurde auch hier mit eine engen Bindung an das Regime, die sich u.a. in der Personalpolitik des Vereins und dem Bau eines Kriegerdenkmals für Gefallene des Ersten Weltkriegs niederschlug. Stärker als noch zu Beginn der dreißiger Jahre schwenkte der Verein ab etwa 1936 auf das Regime ein und suchte die Nähe von NS-Amtsträgern. Dies war vorher allerdings nur bedingt der Fall.

Der Umgang mit NS-Reformen – Führerprinzip, Dietwarte und die Ausgliederung des Jugendsports in die Hitlerjugend

Kurz nach der Machtübernahme begann die NS-Regierung mit der Reorganisation wichtiger gesellschaftlicher Bereiche nach dem „Führerprinzip“. Demokratische Strukturen in Betrieben und Vereinen wurden eingeebnet, um der Volksgemeinschaftsideologie entsprechend Betriebs-, bzw. Vereinsführer an die Spitze dieser Organisationen zu stellen.

Die Vereinsführer waren dem Reichssportführer von Tschammer und Osten unterstellt und konnten von diesem jederzeit abgesetzt werden. Bis auf die Wahl dieser Führer wurden die Kompetenzen von Mitgliederversammlungen und Hauptversammlungen massiv eingeschränkt, es kam zu einer Machtkonzentration in den Vorstandsetagen und bei den Vereinsführern. Wie lief diese Restrukturierung bei der Hertha und 1860 ab? Bei der Hertha wurde das Führerprinzip am 27. Juni 1933 auf einer Generalversammlung beschlossen, ohne das um diese Zäsur viel Aufsehen  gemacht wurde. Die Amtszeit des Vereinsführers wurde auf ein Jahr – bei einer späteren Versammlung wurde sie auf zwei Jahre verlängert – bemessen, um Vereinsführer wurde der langjährige Stellvertreter Wernickes, Hans W. Pfeiffer, gewählt. Pfeiffer war seit Januar 1933 NSDAP-Mitglied, jedoch nicht unbedingt linientreu und arbeitete weiterhin mit dem Sozialdemokraten Wernicke zusammen. Es ist zu vermuten, dass Pfeiffer vor allem deshalb gewählt wurde, um die relativ unabhängige Fortexistenz des Vereins garantieren zu können. Man übertrug das Amt des Vereinsführers einem vom Regime akzeptierten Parteimitglied und passte sich an, ohne zugleich jeden Freiraum zu verlieren und sich vollständig der NS-Kontrolle zu unterwerfen – Ziel war die Verhinderung einer völligen Gleichschaltung oder gar Übernahme durch Vereinsexterne. Pfeiffer führte den Verein jedoch nicht in Eigenregie, sondern ließ Wernicke und andere Vertraute, die sich um den Verein bemühten, weiter an Entscheidungen teilhaben.

Bei 1860 München wurde das Führerprinzip einige Monate später, am 26. September 1933 auf einer außerordentlichen Hauptversammlung eingeführt. Einstimmig wurde Wilhelm Hacker zum Vereinsführer gewählt, der dieses Amt nur ein Jahr später an den Sturmbannführer und „Blutsordenträger“ Fritz Ebenböck abtrat. Trotz aller Durchsetzung des Vereinsumfelds mit Nazi-Ideologie und überzeugten Parteimitgliedern in der Vereinsführung versuchten diese, dem Verein eine gewisse Selbstständigkeit zu bewahren. Auf einer Hauptversammlung 1935 beschloss man, den Vereinsführer nicht wie angeordnet auf unbegrenzte Zeit, sondern einmal jährlich zu wählen. Nichtsdetrotrotz war der Verein mit der Wahl Ebenböcks fest in der Hand der „Blutsordenträger“ und sollte dies bis Kriegsende auch bleiben. Ebenböck schaffte es, alte Kämpfer und SA-Mitglieder in Vereinspositionen zu bringen und das Verhältnis des Vereins zum Regime noch enger zu gestalten.

Um den Sportbetrieb nicht nur organisatorisch nach faschistischem Muster zu strukturieren, sondern dazu auch die NS-Ideologie stärker in die Vereine zu tragen, wurde 1934 auf Anordnung des Reichssportführers von Tschammer und Osten das „Dietwesen“ in den Vereinen eingeführt. Ziel war die Schaffung eines Amts zur „Pflege der deutschen Volkstumswerte und die Verbreitung der Rassenlehre“. Zu seinen Aufgaben gehörte u.a. die Ausrichtung von Dietabenden, an denen jedes Vereinsmitglied verpflichtend teilnehmen sollte, um so in Berührung mit der NS-Ideologie zu kommen. Die Arbeit der Dietwarte war nicht von Erfolg gekrönt, viele Vereine zögerten die Einführung des Amts über Jahre hinaus und ließen nur selten Dietabende stattfinden.

Auch bei der Hertha und den Löwen waren die Dietwarte Karl Neumann, bzw. Erwin Puchala nicht erfolgreich. Selbst bei den dem Regime eng verbundenen Löwen wurde die Einführung des Dietwarts – trotz aller Linientreue – als Zwang betrachtet. Um die Teilnahme an den Dietabenden dennoch zu garantieren, wurden die ideologisch aufgeladenen Schulungen ab 1936 mit Kneipenabenden zusammengelegt. Bei der Hertha entschied man sich für Neumann als Dietwart, da dieser ein für das Vereinsumfeld relativ überzeugter Nationalsozialist war und man so eine gute Verbindung zum Regime zu halten hoffte. Auch sein Wirken war nicht erfolgreich, es fanden kaum Dietabende statt und wenn doch, wurden sie von einigen Spielern boykottiert. Neumann fand sich damit früh ab.

Nach 1936 und der Olympiade änderten die Nazis ihre Sportpolitik und gliederten den Jugendsport aus den Vereinen aus, bzw. in die Hitlerjugend ein. Damit war den Vereinen ihre wichtigste Nachwuchsquelle entrissen, was sie – zusammen mit der wieder eingeführten allgemeinen Wehrpflicht – vor große Probleme stellte, die Klubs zukunftsorientiert zu führen. Auch finanziell war diese Reform ein Problem, fehlten durch sie doch Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen. Diese und andere Zwangsmaßnahmen stießen in beiden Vereinen zum Teil auf Ablehnung, ihnen konnte letztlich aber nichts entgegengesetzt werden. Es gibt jedoch auch Beispiele von Vereinsrepräsentanten, die auf verschiedenen Ebenen gegen das Regime und seine Politik arbeiteten, ohne dieses zwangsläufig völlig abzulehnen.

Unangepasstheit und Widersetzung

In beiden Vereinen gab s außer dem Unmut gegen einzelne Reformen und Schritte der Regierung weitere Fälle, anhand derer nachgewiesen werden kann, dass sich beide Vereine zwar unterschiedlich stark in das System integrierten, dies jedoch nicht ohne Reibungen ablief. Die Hertha-Ikone Hanne Sobek, der sich durchaus vom Regimeinstrumentalisieren ließ, hielt trotz der antisemitischen Politik Kontakte zu Juden und „unliebsamen Personen“ wie dem Dichter Joachim Ringelnatz aufrecht. Wernicke, bis 1933 Vorsitzender der Hertha, unterstütze u.a. die Organisation illegaler Treffen von Sozialdemokraten und half Verfolgten bei der Flucht. Auch sein Nachfolger als Vereinsführer Hans Pfeiffer nahm es trotz Parteimitgliedschaft mit dem Antisemitismus nicht so genau und ließ sich weiter von einem jüdischen Arzt behandeln. Allgemein war der Antisemitismus bei der Hertha nicht wirklich ausgeprägt. Der niederländische Zwangsarbeiter und Hertha-Spieler Bram Appel erklärte folgerichtig, er habe nicht bei einem Nazi-Verein gespielt.

Bei den Löwen waren derartige Fälle weniger verbreitet, allerdings war auch der Münchener Verein mehr als nur eine ideologisch aufgeladene Sportgemeinschaft. Auch bei 1860 wurden einzelne Befehle nicht befolgt und die Dietarbeit im Verein weitgehend boykottiert. Im Fall des Turnwarts und späteren Olympiatrainers des Vereins, Heinrich Eichinger, kann festgestellt werden, dass sich dieser für Verfolgte einsetzte und die Rückkehr eines von der Gestapo verhafteten Kommunisten an seinen Arbeitsplatz erreichte, eventuell sogar einer harten Verurteilung bis hin zu KZ-Haft entgegenwirkte.

Fußball fast bis zur Kapitulation – die Vereine im Krieg: Kontakt zu Spielern im Feld und der Anschein von Normalität

Wie während des Ersten Weltkriegs auch, hielt der TSV 1860 München die Verbindung zu seinen Spielern an der Front aufrecht und blieb mittels der Vereinsnachrichten „Mitteilungen für unsere Kameraden an der Front“ mit ihnen in Kontakt. In diesen Nachrichten wurden sowohl Grüße an die Spieler übersandt, als auch die Namen der im Krieg gefallenen Vereinsmitglieder aufgelistet. Die Beitragszahlungen für Soldaten wurden ausgesetzt.

Auch bei der Hertha wurde sowohl auf Drängen Wernickes, als auch den Willend es Regimes hin ein intensiver Feldpost-Briefwechsel mit Mitgliedern an der Front organisiert. So weit es ging, versuchte man den Standort und den Zustand jedes Mitglieds zu erfassen und in regelmäßigem Kontakt zu bleiben. Außerdem wurden die Soldaten vom Verein mit Mangelwaren aus der Heimat versorgt, die ihnen zugeschickt wurden. Der Verein sah es als seine vornehmste Aufgabe an, seinen Soldaten „die Abwesenheit von der Heimat, den Angehörigen, dem Verein und dem Sport zu erleichtern.“ (Hertha-Nachrichten) Anhand dieses Ausschnitts wird deutlich, dass sie weiterhin als Mitglieder der Vereinsfamilie betrachtet wurden. Zudem sollte der regelmäßige Postverkehr zwischen Verein und Soldaten sowohl an der „Heimatfront“ als auch im Feld den Anschein von Normalität in einer von Krieg geprägten Gesellschaft erwecken und aufrechterhalten.

Spielbetrieb bis Kriegsende und versuchter Neuanfang

In dem Umstand, dass der Fußball als Zuschauersport einen riesigen Unterhaltungswert innehatte und zudem eine Ablenkung vom Kriegsalltag bot, ist der Grund dafür zu sehen, dass in Deutschland bis in die letzten Kriegstage hinein Fußball gespielt wurde. Zwar unterlagen die Vereine schon früh kriegsbedingten Einschränkungen – der Ligabetrieb wurde nach Einmarsch alliierter Truppen eingestellt – allerdings spielten die Vereine in anderen, kleinen Wettbewerben oder Freundschaftsspielen weiter Fußball. In München wurde der Spielbetrieb fast unmittelbar vor dem Einmarsch amerikanischer Soldaten am 30. April 1945 abgebrochen, in Berlin spielten Menschen bis zur Belagerung durch die Rote Armee Fußball, während der offizielle Spielbetrieb im Februar 1945 ausgesetzt wurde.

Mit der Nazi-Herrschaft endete auch der professionelle Fußballbetrieb in Deutschland. Sowohl die Hertha, als auch der TSV 1860 München hatten nach dem Krieg Probleme bei der Neugründung. Bei den Löwen verhinderte die enge persönliche Verstrickung in das System und die Verbrechen des Nationalsozialismus eine baldige Neugründung, in der Sowjetischen Besatzungszone standen die neuen Herrscher dem bürgerlichen Vereinsfußball ablehnend gegenüber und versuchten ein Wiederaufleben der Hertha zu verhindern.

Gute Hertha – böse Löwen?

Inwieweit kann also von einer Integration der Löwen und der Hertha in das NS-System gesprochen werden? Den Löwen kommt unter den Vereinen zur Zeit des Nationalsozialismus sicher eine Sonderrolle zu, die zum einen mit dem besonderen Status im Kaiserreich, zum anderen mit dem hohen Anteil an NS-Funktionären zu erklären ist. Die sogenannten „Blutzeugen“ hatten es leicht, den Verein auf dem Höhepunkt seiner Finanzprobleme zu übernehmen und bis zum Kriegsende zu  führen. Trotz dieser Sonderstellung gab es auch in den Reihen des Vereins Fälle von Unangepasstheit und Befehlsmissachtung, wie u.a. das Beispiel der Dietarbeit zeigt. Nach dem Krieg wollte bei den Löwen allerdings niemand über die Jahre von 1933 bis 1945 sprechen.

Die Hertha war weit weniger in das System verstrickt. Zwar wurde 1933 die Vereinsführung ausgetauscht, dies diente aber vor allem dem Erhalt des Vereins nach möglichst altem Muster. Dies gelang ihnen zum Preis der Anbiederung an das Regime. Es erscheint nur auf den ersten Blick als Paradoxon, dass eine enge Regimebindung einen relativ großen Spielraum ermöglichte.

Im Herbst 2012 erschien im Werkstatt-Verlag eine neue Vereinsgeschichte der Löwen, die auch die NS-Vergangenheit des Vereins thematisiert. Es bleibt zu hoffen, dass weitere Vereine dem Vorbild vieler andere folgen und ihre Verstrickung in das Regime aufarbeiten.