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Arminia 2017 – Das ostwestfälische Jahres-EKG

Jahresrückrundumbeobachtungen

Der Puls der Stadt – wieder hat er ein Jahr lang das blaue Herzblut durch unsere Adern getrommelt. Mal langsam, mal schnell. Eines war er aber auch in diesem Jahr nicht: Ein Ruhepuls. Es folgt der Rückblick auf ein Jahr schwarzweißblauer Herzschläge.

Tabellenkoma – Puls im Keller und nur manchmal ein Ausschlag

Die Winterneuzugänge lesen sich erstmal nicht schlecht für einen Tabellensechzehnten. Sören Brandy kommt, der olle Paderborner. Und Reinhold Yabo wird ausgeliehen, ein vielversprechender Spieler, der es vom Wildpark in die Champions League geschafft hat. Auch die Frauen des DSC vermelden eine spannende Verstärkung: Aylin Yaren, die bekannteste Balljongleuse der Republik, schnürt ab jetzt die Töppen für die Blauinnen. Allerdings ist ihr Gastspiel im April schon wieder vorbei. Daniel Brinkmann verlässt Arminia in die Nachbarschaft. Flo Dick soll gehen, macht das aber auch diesmal nicht. Und wird auch 2017 wieder wichtig für die Blauen.

Es ist ein unsicheres Gefühl in diesem jungen Frühjahr. Unbedingter Zuspruch, weil die Blauen ihn gerade jetzt brauchen? Nichts Schönreden oder einfach hoffen? Die Angst vor Abstieg und Pleite schwingt überall mit. Und es geht erstmal schovel weiter. Beim Tabellennachbarn aus Karlsruhe sorgt ein Hesl-Fehlgriff für die 2:3 Niederlage. Frust bei uns: Hesl ist der Sündenbock, die Abwehr sind die Sündenherde, und Arabi ist sowieso der Hüter der Ziegenböcke. Alles Zeichen unserer Unsicherheit. Wenigstens wird 1860 München mit 2:1 niedergekämpft – ein für die Abschlusstabelle entscheidender Sieg, aber das wussten wir da noch nicht. Der Patient im Tabellenkoma wollte irgendwie nicht aufwachen. Im Pokal bei Walldorf Astoria zeigen sich kaum Lebenszeichen, beim 1:3 in Köpenick gar keine. Beim 1:1 gegen St. Pauli zeigen sie sich erst in der Nachspielzeit. Na ja, eigentlich zeigt sich Fabian Klos, der als einziger rackert und das späte 1:1 erzielt. Und dann zeigen die Fans, dass Arminia lebt. Ein bisschen Fatalismusfarbe („Letzte große Party vor dem Untergang“) ist dabei. Aber beim Freundschaftsbesuch in Hannover zu Karneval erneuern die Fans ihr Bekenntnis zu Arminia und feiern sich und ihren Club. Einfach mal’n Rotz auf die Tabelle!

Die Mannschaft spielt ordentlich, 2:2 beim späteren Vize. Und tritt auch beim ehrenhaften 0:1 im Pokalviertelfinale bei Eintracht Frankfurt gut auf. Mann, jetzt müssense doch mal stabil sein, oder? Aufwärtstrend gegen Aue bestätigen! Patient zuckt doch, oder!? Ja. Patient zuckt fünf Minuten und zwei Standards, führt 2:0… Und legt sich dann wieder ins Koma. 2:2. Mit Eigentor. Frust bei uns. Wieder zwei Punkte verschenkt. Wie sollen so die nötigen Punkte reinkommen? Und wir Fans stehen da und können nur anfeuern. Und je nach Tagesform Arabi, Kramny, Klos oder Hesl kritisieren. Gut, Hesl ist in Nürnberg auf der Bank, Davari in der Kiste. Nach dem einmal mehr komatösen 0:1 ist Kramny nicht mehr auf der Bank, sondern nur noch auf der Gehaltsliste. Bei allem Respekt, aber irgendwie habe ich bei seinen Pressekonferenzen immer gedacht: „Ouh, der weint gleich…“. Er hat die Mannschaft verwaltet, seine Punktausbeute war nicht immens katastrophal. Aber verwalten reicht halt nicht, wenn es gilt, einen Tabellenkomapatienten wiederzubeleben.

Herzschläger und Pulstreiber – Die Rumpi-Maschine

Mitte März bleibt also immer noch die Frage, wie Arminia an Herzschlag kommt, oder besser noch: Herzrasen. Das Herz ist ein lebenswichtiges Organ. Aber auch ein „ausführendes Organ“. Wie Carsten Rump, der hat sich mal selbst so bezeichnet. „Wenn mir einer sagt, ich soll den Platz abkreiden, dann mache ich das auch“. Jetzt macht Rumpi wieder den Übergänger. Und der DSC schlägt in einem ordentlichen Auftritt den 1.FC Kaiserslautern mit 2:0. Das ausführende Organ ist sowas von am Leben. „An alle Arminen da draußen: Es geht aufwärts!“, verkündete er. Und leistete seinen Teil. Rumpi ist auch in 2017 die Herz-Lungen-Maschine der Mannschaft. Das ist in jedem Spiel zu sehen, wenn er dem vierten SchiRi mal wieder eine Herzmassage verpassen will. Und da war diese Ansprache, die in jeden Jahresrückblick muss:

Reanimation – Oh Pardon, und Sie sind…?!

Oh Pardon, sind Sie der…neue Trainer? Schweiz? Thun? Benelux? Jeff…Strasser? Neee. Jens Sabine…? Seien wir ehrlich, mit dem Namen Jeff Saibene konnte kaum einer von uns etwas anfangen. Beim Antritt des Luxemburgers ist aber schnell klar: Da kommt eine Persönlichkeit. Eine leise, brüchige Stimme, die kaum zur kuschelbärigen Statur passt, aber weiß, wovon sie redet. Ein freundlicher, humorvoller Mensch, bei dem man aber merkt, dass er ziemlich böse werden kann, wenn es sein muss.

Ein unglaublich dämliches Eigentor beschert Arminia einen glücklichen Punkt in Würzburg. Tatsächlich ist das Pech des Junior Diaz das Glück des DSC. Die zwei Punkte weniger für Würzburg, der eine Punkt mehr für die Blauen sorgt für den in der Abschlusstabelle entscheidenden Vorsprung von drei Punkten auf die Unterfranken. Tatsächlich kommt Arminia unter Jeff in Schwung. Acht Punkte holt die Truppe aus den nächsten vier Spielen. In Sandhausen gelingt der erste Auswärtssieg der Saison überhaupt. In Heidenheim wird ein 0:2 egalisiert. Lange hält Arminia gegen den späteren Aufsteiger aus Stuttgart mit, ein Fehler von Davari kippt das Match.

Nach dem 2:2 in Heidenheim sind 30 Runden rum. Arminia ist Vorletzter und die Konkurrenz denkt gar nicht daran, die Blauen vorbeizuwinken. Keine schöne Situation für uns auf Block 3 und Umgebung. Klar, es sind wieder Pulsschläge zu fühlen, sogar starke Pulsschläge. Trotzdem kommt die Band nicht unten raus und es bleibt das miese Gefühl, dass es trotz guter Leistungen nicht reicht. Gegen Fürth geht ein Dreier verloren, nach einem Davari-Patzer, das Ende dessen ostwestfälischer Fußballkarriere. Als danach Unsicherheit und Frust durchzubrechen drohen, besinnen wir uns auf uns. Das Spiel in Bochum wird zur „12.Mann“-Mottofahrt. Unser Support im Ruhrstadion ist fantastisch. Zwar gibt es auch an der Castroper keinen Dreier, aber Mannschaft und Fans signalisieren sich selbst, sich gegenseitig und der Außenwelt: Es ist noch nicht vorbei!

Und dann explodiert dieses Gemisch. Das wohl mitreißendste, emotionalste, ja beste Spiel, das Arminia Bielefeld seit Jahrzehnten auf den Rasen gezaubert hat, hievt die Truppe über den Strich. Schaut auf das Bild und lasst einfach mal hochkommen…

Historisch war das Spiel. Wert ist es nur dann etwas, wenn es in Dresden zum Klassenerhalt veredelt wird. Grillen in Telgte. Der Münsteraner FanClub. Und Arminia gucken. Schock, als Dynamo führt. Angst, als Dresden das Spiel dominiert und eine zweihundertprozentige zum 2:0 vergeigt. Riesenschock, als 1860 in Heidenheim führt. Freude beim Ausgleich durch Lord Börner. Riesenjubel, als der Heidenheimer Ausgleich fällt. Schluss in Dresden. …Heidenheim? Nachspielzeit? 60 wird alles reinhauen…“Schalt um!“. Ecke für 60, Spielzeit 90+756 (gefühlt)…abgewehrt, puh! Konter Heidenheim. Heber Heidenheim…und das nächste, an das ich mich erinnere, ist: Ich stecke mit dem Gesicht in einer Schale Weingummi und der Tisch wackelt. Und kaum ist jeder umarmt, jeder abgeklatscht, die Erleichterung herausgeschrien, ein spontaner, gemeinsamer Chant: „Jeeeff Saibene! Jeeeff Saibene!“. Der Retter ist benannt. Jeff le Chef! Jeff the Chef! Chef Jeff! Jazzy Jeff! Und der Vertrag wird schnell verlängert. Oh pardon, sind Sie der Graf von Luxemburg?

MAXImalpuls

MAXImalpuls. Tolles Wortspiel oder?! ODER!? …nich‘? Mal erklären? Okay. BELLAmalpuls, VIVImalpuls oder POCKEmalpuls gibt es nicht. Ja, geht um die Frauen. MAXI(ne Birker) und Co. haben den Klassenerhalt schon etwas eher als die Herren eingefahren und können sich zwei Derbyniederlagen auf der Alm erlauben. Während ich diese Zeilen in die Textverarbeitung hacke, diskutieren wir alle mal wieder über Geldprobleme des „Vereins“. Und meinen die Geldprobleme der ausgelagerten „KGaA“. Der Verein DSC Arminia Bielefeld lebt auch außerhalb, und wie. Arminia ist in der Zweiten Liga. Für für faires Eintrittsgeld mit freier Platzwahl. In herrlich familiärer Fußballatmosphäre. Mit toller Bratwurst, manchmal sogar mit Waffeln. Und mit tollem Ballsport! Kommt und seht: Die Maxi-Pirouette, den Vivien-Diver, den Jägerschen Antritt und die Preußsche Schlagschraube mit Anlauf:

Im Titelbild dieses Textes sind übrigens die Tabellenverläufe der beiden ersten Mannschaften über das Jahr gezeichnet, die Frauen sind die weiße Linie. Vielleicht liegt eine glorreiche Zukunft des DSC Arminia Bielefeld abseits von KGaAs, Geschäftsführern, Sponsoren und irgendwelchen Genussscheinen…

Puls fühlen – Sparwurst fressen

…oder Sparkursen. Kaum ist der Klassenerhalt unter Dach und Fach, verordnet Gerrit Meinke dem Profikader einen Sparkurs. Wir reagieren mit Unverständnis. Kaputtgespart, jawoll! Arminia ist für gesunde Fußballfinanzen das, was ein schwarzes Loch für die Astrophysik ist: Wenn nicht gestopft wird, wird irgendwann das ganze Universum verschluckt. Ob Arminia kaputtgespart werden kann, sei mal dahingestellt. Man konnte sie jedenfalls mal fast kaputt investieren. Die ganze Finanzmalässe ist für uns Außenstehende eine ziemlich abstrakte Sache. Also wenden wir uns bald einer konkreteren Thematik zu: Auf der Alm gibt es neue Bratwurst. Die kennen wir nicht und finden sie – sturhartnäckigkämpferisch – sofort und kontinuierlich blöd. Gut, die Currywurst im Becher ist ein Stilbruch. Die Currywurst selbst ist auch als Mantaplatte genießbar. Den Ansprüchen des Rundumbeobachters genügt die „neue“ jedenfalls – und ich habe hohe Ansprüche an Stadionkulinarien. Wem es nicht gefällt, der kann sich ja immer noch ein bodenständiges, vom liebevollen Roboter gefertigtes Cornetto ziehen. Aber schön, dass wir für ein paar Tage im Sommer mal keine dringenderen Probleme diskutieren müssen.

Trotz Sparkurs verändert sich das Team. Tomasz Holota und Malcolm Cacutalua verlassen den DSC. Hat nicht sollen sein. Bei Manuel Junglas ist sich das Umfeld da ein bisschen weniger sicher. Der Abgang von Dennis Mast wird als nächster Arabi-Fehler gesehen. Gleiches gilt für Sebastian Schuppan. Als Hesl und Davari gehen, steht Arminia kurzzeitig ohne Torwart mit Profi-Erfahrung da. Beide Pfostensteher gehörten mehr oder weniger zu Recht zu den Buhmännern der abgelaufenen Spielzeit, aber sooo? Und Rückkehrer Stefan Ortega soll es dann wieder richten? Der hat doch damals gegen Darmstadt… Dankbar entlassen wir Manuel Hornig in die Nachwuchsarbeit. Auch Reinhold Yabo geht wieder, zum Leidwesen der Fans. Er war eine mitentscheidende Stütze des Klassenerhalts, aber es ist, wie es ist: Selbst für Arminia sind manche Spieler eben zu groß – im positiven Sinne.

Wenn Sparkurs gefahren wird, geht es um gezielte Qualitätsverbesserung. Und das schafft Arminia. Ortega ist in Giesing gereift und präsentiert sich als sicherer Torwart. Patrick Weihrauch und Konstantin Kerschbaumer bringen Schwung ins Mittelfeld. „Olchi“ Kerschbaumer ist zweitbester Torschütze der Blauen in 2017/2018 bisher – hoffentlich schafft Arminia eine feste Verpflichtung über die Saison hinaus. Nils Quaschner ist ein vielversprechendes Back-Up im Sturm. Nils Teixera bleibt im Moment etwas zurück, hat aber Luft nach oben. Und dann gab es Andraz Sporar. Das mit den Weisheitszähnen sei verziehen. Als ich den Spaß damals hatte, habe ich zwei Wochen durch keine Tür gepasst. Aber die ganze Mini-Diva-Show vorher…Na ja, is jetz vorbei. Selbst für Arminia sind manche Spieler eben zu groß – im negativen Sinne.

Eine weitere Personalie kommt im Oktober: Markus Rejek wird neuer Geschäftsführer Finanzen. Den Wind hat er sich in Dortmund und bei 1860 München schon tüchtig um die Nase wehen lassen. Zwar können wir jetzt nicht mehr über das „Echte Liebe“-Getue lästern, das Rejek mit erfunden hat, aber schon die nächsten Woche werden wohl zeigen, dass auch das eine gute Personalentscheidung war.

Abschied nehmen müssen wir von Hannes Scholz. Menschen wie Hannes Scholz stehen dafür, dass ein Verein mehr ist als seine in eine Kapitalgesellschaft ausgegliederte erste Herren-Profimannschaft. Sie stehen dafür, dass es nicht nur auf Profispieler, Profitrainer und Profibusiness ankommt, sondern auch auf Breitensport, Engagement, Wurzeln und Integrität – kurz: Auf ein Vereinsleben. Mit seiner Bodenständigkeit, seinen stets fairen und sachlichen Einschätzungen war Hannes Scholz eine besonderer Repräsentant des Vereinslebens von Arminia Bielefeld, auch und gerade abseits des schnelllebigen Profigeschäfts. Danke Dir, Hannes!

Herzsprünge – Spitzenreiter, Spitzenreiter, Hey, Hey!

Die neue Saison geht los und Arminia ab wie ein brennendes Wiesel. Nach drei Siegen in Folge grüßt Arminia von Gipfelkreuz des Klassements. Als die Blauen dann mit einer soliden Leistung noch einen Punkt beim Aufstiegsfavoriten Union Berlin holen, kennt die Freude kaum Grenzen. Die Truppe spielt konzentriert! Die Truppe spielt kaltschnäuzig! Sie sind torgefährlich! Die Pille läuft! Lass mal aufsteigen! Das unglückliche Ausscheiden im Pokal gegen Düsseldorf trübt die gute Laune nur ein bisschen. Der beste Saisonstart seit 17 Jahren! Ja, wenn der ehemalige Komapatient so kräftig durch die Gegend hüpft, dürfen wir uns auch einfach mal freuen. Ein besonderes Spaßhighlight ist außerdem der Werbespot für den Trikotsponsor. Selbst beim auf-eine-Shampooflasche-gucken ist Jeff-Chef sophisticated.

Die Frauen machen es im Pokal besser: Auch sie müssen in die Verlängerung, gewinnen aber mit 3:2 in Herford. Aber die Blauinnen sind auch die ersten, die mir in 2017/2018 eine Niederlage vorführen – 0:1 in Meppen. Aber auch dieser schwarzweißblaue Motor wird bald darauf auf allen Zylindern laufen. Die Mädels gewinnen vier Spiele in Folge (19:2 Tore) und sind kurzzeitig ebenfalls Hey, Hey, Spitzenreiterin. In der zweiten Pokalrunde schalten sie den Bundesligisten aus Duisburg aus.

Zurück auf Normalpuls

Um die träumende Anhängerschaft wieder auf den Boden der Realität zurückzuholen, entschließt sich Arminia im September für einen kurzen Rückfall ins Koma. Gegen Duisburg sind die Blauen nicht auf dem Almrasen und kriegen einen 0:4-Einlauf. In Darmstadt ist zumindest die Offensive wieder da, doch die Defensive schnorchelt immer noch. Wieder setzt es vier, die drei DSC-Tore reichen nicht. Nun haben wir wieder ein paar Defizite,über die wir uns ärgern müssen, dürfen und tun. Normalpuls, puh! Dann meldet sich die eingespielte Taktik aber wieder zurück. In Dresden und Nürnberg gewinnen die Blauen – die Auswärtshorste der Vorsaison haben nun schon satte zehn Punkte in der Fremde geholt. Bester Torschütze: Andreas „Pumper“ Voglsammer, der mittlerweile so aussieht wie das Filmplakat von „300“. Ganz im Gegensatz zu Fabi Klos. Der hat im Sommer abgespeckt und von der Dampframme zur hängenden Spitze mutiert – und macht das ordentlich. Aus Charline Hartmann ist eine Maxi Birker geworden, schaumaleinerguck.

Im Oktober wartet ein hartes Programm auf die mittlerweile 17 Punkte schweren Blauen – und es setzt drei Niederlagen in Folge. Gegen Spitzenreiter Düsseldorf, beim Überraschungsteam in Kiel und gegen den wieder aufstrebenden Absteiger aus Ingolstadt gibt es trotz einer Menge Einsatz drei Nullrunden. Nun ist uns wieder klar: Es kann nur gegen den Abstieg gehen. Und wir reden uns mal wieder die Köppe heiß über die Pyro in Kiel.

In Aue und gegen Braunschweig holen sich die Blauen die nächsten beiden Punkte. 19 sind es jetzt, fast die halbe Miete. Dafür schwächeln die Blauinnen ein bisschen Von den vier Spielen im November können sie nur eins gewinnen (gegen Gütersloh, hähää), der Rest geht verloren. Mit dem Gleichschritt haben es Männlein und Weiblein nicht so…obwohl, so ergänzen sie sich auch gut. Wenn zumindest eine von beiden Mannschaften gewinnt, ist es kein komplett vermiestes Wochenende.

Partypuls – Oh, wie ist das schön

Mit einer stabilen Leistung gewinnt die Band mit 2:0 in Kaiserslautern. Zum letzten Heimspiel des Jahres ist der FC St. Pauli zu Gast und Arminia feiert eine rauschende Weihnachtsparty. Beim 5:0 gegen die Kiezkicker klappt einfach alles. „Schade, dass das Spiel nicht noch weitergeht“, sagt jemand auf Block 3, nachdem die Jungs sich auf dem Zaun gebührend haben feiern lassen und Jeff Saibene seine kurze, aber intensive Weihnachtsansprache gehalten hat. Apropos miese Wochenenden – an diesem ersten Adventswochenende hatte ich ein richtig schönes. Erst Fünf Kisten gegen St. Pauli und dann spielen die Mädels gegen meinen zweitliebsten Club im Pokal. Meine Prämisse für den Tag: Turbine Potsdam wird wohl weiterkommen, die Blauinnen sollen aber (mindestens) ein Tor schießen, ich sitze nebendran und grinse ebenso wonnig wie dämlich. Hat alles funktioniert.

Herzrhythmusstörungen – Winter-Reha

Tja, leider geht es auch nach der Adventsparty weiter. Fettgefuttert mit 25 Punkten und mit erheblichem Feierkoma verlieren die Blauen erst in Sandhausen, dann in Regensburg. Das ist gleich mehrfach schade. Nicht nur ist das 5:0 gegen St. Pauli nicht veredelt worden, wir gehen außerdem mit einem flauen sportlichen Gefühl in und durch die Winterpause. Auch hier setzen die Mädels übrigens wieder den Kontrapunkt: Den null Punkten und 3:6 Toren der Herren stellen die Damen sechs Punkte und 8:1 Tore gegenüber. Gerade, als wir uns zwischen den Jahren mal ein bisschen Ruhe gönnen wollen, kommt eine neue Finanzmalässe daher. Finanzgeschäftsführer Meinke wird gezeigt, wo der Maurer das Loch in der Alm gelassen hat. Das trägt nicht zur Jahresendgemütlichkeit bei, ganz im Gegenteil. Wie schon zu Beginn des Jahres 2017 schlägt auch an seinem Ende wieder der diffuse Angstpuls mit.

Fan-Puls

„Fan-Puls“ ist ein Teekesselchen! Das erste Teekesselchen ist eine tolle Innovation, die im Juni an den Start geht. Fan-Puls TV kommt aus der Schmiede von Kanal 21 und ist der Fernsehfantalk von Fans für Fans. Live geströmt wird auf der Facebookseite. Fünf Sendungen gibt es bisher, more to come. An dieser Stelle bedanke ich mich, dass ich mit dabei sein durfte. Ein tolles Format, das Zukunft und mehr hat. Angucken!

Das zweite Teekesselchen ist der Puls der Fans im vergangenen Jahr. Wir hatten Angst. Wir waren unsicher. Wir haben uns Sündenböcke gesucht. Wir waren fatalistisch. Und wir haben, als es dann besser lief, wieder die Bundesliga ins Gespräch gebracht. 2017 sind wir mal wieder die ganze emotionale Achterbahn gefahren. Und obwohl wir fast die gesamte erste Jahreshälfte um die Existenz unserer Blauen fürchten mussten – so richtig mental die Segel gestrichen haben wir nie. So wie Verein und KGaA zu blöd sind, um komplett pleite zu gehen, sind wir Fans zu blöd, um komplett zu resignieren. Diese Kombination aus „nicht aufgeben können“ und „nicht aufgeben wollen“, gegenseitig zwischen Club und Fans, mag auf den ersten Blick nichts Spektakuläres sein. Jeder, der es erlebt hat, weiß aber, das es etwas ganz Besonderes ist – auch in der Art und Weise, wie wir es äußern. Es ist Teil des Charakters und ein Alleinstellungsmerkmal von Arminia Bielefeld. Abseits aller umherspukenden Traumgeister und Abstiegsgespenster.

Diagnose

„Die Zukunft ist ungewiss“, liest und hört man nun allenthalben mit bedeutungsvoller Grabesstimme bzw. Grabesschrift. Die Aussage ist Quatsch. Die Zukunft ist immer ungewiss. Genauso gut kann man sagen: Arminia ist schwarzweißblau. Ein Millionenbetrag soll zur Nachlizensierung fehlen. Der muss in einer Woche da sein. Die Konsolidierung soll auf ordentliche Beine gestellt werden, sagen die Oberen. Na dann haut rein, was anderes bleibt eh nicht übrig. Neben der positiven sportlichen Entwicklung sollte auch aus den vielen guten Konsolidierungsansätzen etwas werden. Man liest vielversprechende Sachen, aber hier wird auch in 2018 der Unsicherheitspuls weiter schlagen.

Sportlich ist Arminia ist kein Spitzenteam der Zweiten Liga, dafür reicht es nicht. Arminia kann aber, wenn es drauf ankommt, jedes Team der Zweiten Liga schlagen, wenn sie alle Kräfte bündeln und vor allem wollen. Ihre spielerische und vor allem kämpferische Stärke müssen sie weiter kultivieren und entwickeln. Das gilt für Männlein und Weiblein gleichermaßen. Wenn Saibene und Wuckel das hinbekommen – und beide können das, kann ich auch in Jahresfrist über ein schwarzweißblaues Zweitligajahr berichten. Es ist kein Stück unrealistisch!

Der Puls der Stadt, unsere Leidenschaft, wir wolln Euch siegen sehen!

Über Jan-H. Grotevent

Jan-H. Grotevent
Jahrgang 1975. Gefühlte Zuständigkeiten: Arminia Bielefeld, Theorie und Satire der Fankultur und allgemeine Großmaulerei

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