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Meldung

Eine Arbeitsgruppe Fankultur

Im Juli 2012 informierte der 1. FC Köln seine Mitglieder über die Zusammensetzung der angekündigten „Arbeitsgruppe Fankultur“. Der Verein war gerade abgestiegen und wollte damit Probleme mit Anhängern mittel- bis langfristig in den Griff bekommen und Abgrenzungen zwischen einzelnen Gruppen verhindern.

Die Besetzung ist die Nachricht

Den Vorsitz übernahm ein unabhängiger hauptberuflicher Strafrichter, früher Ermittlungsrichter; die Vertretung lag beim Fanbeauftragten des Vereins. Mitglied war außerdem der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestages, Wolfgang Bosbach.

Diese Aufstellung unterscheidet die Gruppe von den üblichen Dialogformaten. Ein Verein, der den Vorsitz an einen Richter gibt, den er nicht beschäftigt, gibt die Deutungshoheit über die Ergebnisse ab – und ein Bundestagsabgeordneter im Gremium bindet eine Ebene ein, die für Stadionfragen gar nicht zuständig ist, für die politische Verhandlung darüber aber sehr.

Was der Präsident aufzählte

Der Vereinspräsident nannte die Vorkommnisse der vorangegangenen Saison: den Angriff auf einen Fanbus des Nachbarvereins aus Mönchengladbach und den Einsatz von Pyrotechnik. Gespräche liefen zu diesem Zeitpunkt bereits mit den Ultragruppen, mit Vertretern der großen Fanclubs und mit der Polizei.

Damit ist die Reihenfolge klar, und sie ist die übliche: Ein solches Gremium entsteht nach Vorfällen, nicht vorher. Bemerkenswert ist, dass es überhaupt entstand – im Sommer 2012, also Monate vor der bundesweiten Auseinandersetzung über das Sicherheitspapier der Liga.

Was ein Verein damit erreichen kann

Weniger, als die Besetzung verspricht, und mehr als ein Runder Tisch. Eine Arbeitsgruppe kann keine Einsatzkonzepte ändern und keine Verbandsstrafen verhindern; sie kann klären, welche Regeln im eigenen Stadion gelten, wer sie anwendet und was bei einem Streit passiert.

Genau daran fehlte es an den meisten Standorten. Die Konflikte in dieser Sammlung entstehen regelmäßig nicht an einer Maßnahme, sondern daran, dass die Betroffenen nicht wissen, wer sie angeordnet hat – ob Verein, Ordnungsdienst, Polizei oder Verband. Eine Gruppe, in der alle diese Stellen sitzen, ist der Ort, an dem sich das beantworten lässt.

Die kurzfristige Seite

Der Verein dachte parallel über unmittelbare Maßnahmen nach. Das ist der Punkt, an dem solche Gremien in der Praxis scheitern: Eine Arbeitsgruppe arbeitet mittelfristig, ein Spieltag ist in vierzehn Tagen, und die Entscheidungen dazwischen fallen ohne sie.

Wie schnell das passiert, zeigt in dieser Sammlung der Kölner Fall vom Oktober desselben Jahres – eine Zugfahrt nach Paderborn, in der eine Kontrolleinheit die Reisenden vorab pauschal einordnete (Eine Fahrt nach Paderborn). Für diese Ebene ist eine Arbeitsgruppe im Verein nicht zuständig.

Ein Modell, das anderswo nicht versucht wurde

Die Meldung hält ein Modell fest, das anderswo nicht versucht wurde: unabhängiger Vorsitz, Fanbeauftragter als Vertretung, Politik am Tisch, Ultragruppen als Gesprächspartner. Ob es getragen hat, ist von außen nicht zu belegen – dokumentiert ist, dass ein Bundesligaverein es im Sommer 2012 so aufgesetzt hat.