Die Serie, die einen Aufstieg vorwegnahm
„92:23, 92:24, 92:25, Abpfiff.“ So beginnt im Januar 2013 die erste Folge einer 21-teiligen Serie über die Rückrunde des 1. FC Kaiserslautern – mit dem Moment, in dem der Wiederaufstieg in die Bundesliga perfekt ist. Zu diesem Zeitpunkt lag der Saisonverlauf noch vor der Mannschaft.
Das Mittel
Die Serie erzählt eine Saison von ihrem erhofften Ende her. Der Titel gibt den Termin an – ein Tag im Mai 2013 –, die Folgennummer zählt die Spieltage, und die erste Folge nimmt das Ergebnis vorweg, um von dort zurückzublicken: auf Verzweiflung, Frust und Ungewissheit als die Begleiter der Hinrunde.
Bemerkenswert ist, wie die vorweggenommene Szene beschrieben wird. Kein Jubel, sondern Erleichterung in den Gesichtern; der Vergleich mit einem ersten Volkslauf, dessen Zieleinlauf man sich monatelang großartig vorstellt, bis man im Ziel merkt, dass der Weg das Ziel war. Und die Einordnung, es sei kein Aufstieg wie 1997, als die Liga dominiert wurde, und keiner wie 2010 nach vier Jahren Zweitklassigkeit – sondern einer mit einem Haken dahinter: Erwartungen erfüllt.
Wie die Spielzeit endete
Der Tag im Mai kam nicht. Die Saison endete auf dem Relegationsplatz, und in den beiden Spielen gegen die TSG Hoffenheim verlor der Verein den Aufstieg – 1:3 im Hinspiel, 1:2 im Rückspiel.
Damit steht in dieser Sammlung eine Serie, deren Rahmen von ihrem eigenen Verlauf widerlegt wurde. Das ist kein Fehler des Autors, sondern die Bedingung, unter der über eine laufende Saison überhaupt geschrieben wird: Wer eine Rückrunde begleitet, kennt ihr Ende nicht, und wer sie erst danach beschreibt, beschreibt eine andere Sache.
Die Wochen dazwischen
Die Folgen handeln nicht vom Aufstieg, sondern von den Wochen dazwischen: einem Montagsspiel vor dem Fernseher, einem Flutlichtabend gegen Dresden, einer Kultfigur nach zwei Spielen, den Gerüchten und den Tabellenrechnungen. Genau dieser Alltag verschwindet aus jeder Rückschau, weil er nach dem Saisonende nicht mehr interessant erscheint.
Die vorweggenommene Schlussszene macht das sichtbar. Sie behauptet nichts über den Ausgang – sie beschreibt, was eine Fanszene im Januar erwartete, und ist damit ein genaueres Dokument der Stimmung jener Wochen als jede Bilanz, die nach dem Mai geschrieben wurde.
Der Vergleich, der im Text steckt
Die Serie setzt den erhofften Aufstieg ausdrücklich gegen zwei frühere: 1997, als der Verein die zweite Liga dominierte und ein Jahr später Meister wurde, und 2010, als er nach vier Jahren Zweitklassigkeit zurückkam. Beide gelten in Kaiserslautern als Erfolge mit eigener Erzählung.
Der dritte wäre keiner gewesen. Ein Aufstieg, den alle erwarten, ist im besten Fall die Erfüllung einer Pflicht – und genau das beschreibt der Text schon im Januar, Monate vor der Entscheidung. Dass die Pflicht dann nicht erfüllt wurde, macht die Vorwegnahme im Rückblick nicht falsch, sondern präzise: Sie hat den Maßstab benannt, an dem die Saison gemessen wurde, und dieser Maßstab wurde verfehlt.