Das Montagsspiel und sein Ende
Von allen Anstoßzeiten des deutschen Profifußballs hat der Montagabend die schlechteste Bilanz an Zustimmung. Eine Momentaufnahme aus dem Februar 2013 beschreibt, woran das liegt – und sie ist heute lesbar als Beschreibung eines Termins, den es nicht mehr gibt.
Der Einwand
Er ist einfach und war nie ein anderer: Das Wochenende ist der Rahmen, in dem Fußball stattfindet. Ein Montagsspiel liegt außerhalb – mit den praktischen Folgen, dass Auswärtsfahrer Urlaub nehmen müssen, Rückreisen mitten in der Nacht enden und Familien mit Kindern wegbleiben.
Dazu kommt die Wirkung auf die Woche davor. Wer am Montag spielt, verbringt den Samstagabend als Zuschauer der Konkurrenz und kommt erst dran, wenn alles gesagt ist – im Text jener Tage mit dem Bild einer Geburtstagsfeier beschrieben, auf der die Getränke leer sind und die ersten gehen.
Warum es den Termin gab
Nicht aus Bosheit, sondern aus Verwertung. Ein einzeln übertragenes Spiel ohne Konkurrenzangebot hat mehr Wert als eines von fünf parallelen – und für Vereine mit europäischen Verpflichtungen entlastet es den Spielplan. Der Montag war also ein Kompromiss zwischen Erlösen und Belastungssteuerung, in dem die anreisenden Zuschauer die Kostenstelle waren.
Genau deshalb blieb er so lange bestehen, obwohl er unter Anhängern nie eine Mehrheit hatte: Er kostete nichts, was in einer Bilanz auftaucht.
Der Termin ist abgeschafft: Beschluss von 2020
Der Termin ist abgeschafft. Ende September 2020 beschlossen die 18 Erstligisten einstimmig, die Montagsspiele ab der Saison 2021/22 zu streichen und die fünf Partien pro Spielzeit auf Sonntagabende zu verlegen – auf 19.30 Uhr, wo sie den Montagstermin und zugleich den für Amateurfußballer unbequemen Sonntagmittag ersetzen. Gebunden ist das an die Rechteperiode ab 2021/22.
Ausdrücklich genannt wurde als Grund die Reaktion auf immer heftigere Proteste. Damit ist dieser Fall einer der wenigen in der Debatte über Anstoßzeiten, in dem eine Forderung der Kurven vollständig durchgesetzt wurde – nach rund einem Jahrzehnt und ohne dass die Beschlussfassung selbst mehr als eine Sitzung gebraucht hätte.
Ein Erfolg, der aus der Debatte verschwindet
Solche Erfolge haften in der Erinnerung schlechter als Niederlagen. Über Kollektivstrafen, Kontrollen und Kartenkontingente wird geschrieben, weil sie strittig bleiben; ein abgeschaffter Termin verschwindet aus der Debatte, sobald er weg ist.
Wer wissen will, ob Fanproteste etwas bewirken, findet hier den nüchternsten Beleg: eine Anstoßzeit, gegen die zehn Jahre protestiert wurde, bis achtzehn Vereine sie einstimmig gestrichen haben.
Was an seine Stelle trat
Der Sonntagabend um 19.30 Uhr hat den Termin ersetzt, und die Kritik daran ist leiser geblieben – nicht, weil ein Sonntagabend bequem wäre, sondern weil er im Wochenende liegt. Wer am Sonntag auswärts fährt, ist nachts zurück und am Montag im Betrieb; wer montags fuhr, brauchte einen Urlaubstag.
Das ist der Kern des ganzen Streits, und er war nie ein grundsätzlicher: Kurven haben die Vermarktung von Anstoßzeiten nicht abgelehnt, sondern eine einzelne Zeit, die als einzige außerhalb des Wochenendes lag. Genau deshalb war der Konflikt lösbar, während der Streit über Kollektivstrafen oder Stadionverbote es bis heute nicht ist.