Was ein Wappen trägt
Ein Vereinswappen ist der einzige Bestandteil eines Fußballklubs, den niemand kaufen kann und den jeder erkennt. Als Paris Saint-Germain Anfang 2013 ankündigte, das eigene zu überarbeiten, war das deshalb keine Designfrage, sondern eine Eigentumsfrage: Wem gehört das Zeichen, unter dem ein Publikum sich seit Jahrzehnten versammelt?
Was verschwand
Vorgestellt wurde das Ergebnis im Februar 2013, in Gebrauch war es ab der Saison 2013/14 – das siebte Wappen des Klubs seit seiner Gründung 1970.
Zwei Elemente fielen weg. Die Wiege im unteren Teil des Emblems, die auf Saint-Germain-en-Laye als Geburtsort Ludwigs XIV. verwies, wurde gestrichen; die Begründung war, dass viele ihre Bedeutung nicht verstünden. Und das Gründungsjahr verschwand ebenfalls. Größer wurde dagegen der Schriftzug „Paris“, der nun oben steht, und der Eiffelturm, der ins Zentrum rückte.
Übrig blieb damit ein Zeichen, das die Stadt bewirbt und den Verein nicht mehr datiert.
Die Begründung ist der Befund
„Wird nicht verstanden“ ist ein Kriterium aus der Markenführung, nicht aus der Vereinsgeschichte. Es setzt voraus, dass ein Wappen die Aufgabe hat, sich auf den ersten Blick zu erklären – und misst es an Betrachtern, die den Verein noch nicht kennen.
Für alle, die ihn kennen, gilt das Gegenteil. Ein Symbol, dessen Bedeutung man kennen muss, um es zu verstehen, unterscheidet die Zugehörigen von den Zuschauern; es ist genau deshalb etwas wert. Wer es entfernt, weil es Erklärung braucht, tauscht den Ertrag der langen Bindung gegen die Verständlichkeit für den ersten Kontakt.
Beim Gründungsjahr ist der Vorgang eindeutiger: Ein Datum wird nicht missverstanden. Es verschwand, weil 1970 im Vergleich mit den Klubs, in deren Liga der Verein damals aufsteigen wollte, jung aussieht.
Warum das ausgerechnet 2013 stattfand
Der Zeitpunkt fällt in die erste Phase nach der Übernahme durch einen Staatsfonds aus Katar, also in die Jahre, in denen der Klub Weltklassespieler verpflichtete und international sichtbar wurde. Eine Neugestaltung des Wappens ist in dieser Lage keine Marotte, sondern die konsequenteste Maßnahme: Alles Übrige – Kader, Trainer, Stadionausbau, Sponsoren – lässt sich mit Geld ändern, das Zeichen nur durch Beschluss.
Genau darin liegt die Empfindlichkeit. Eine teure Verpflichtung kann scheitern und wird vergessen; ein geändertes Wappen prägt jedes Trikot, jede Fahne und jedes Tattoo der nächsten Jahrzehnte.
Der Maßstab, der bleibt
Aus Sicht einer Kurve lässt sich der Vorgang nicht mit dem Verweis auf Geschmack abtun, und auch nicht mit dem Verweis auf Erfolg. Prüfbar ist nur, wer entscheidet: Ein Wappen, das eine Marketingabteilung nach Verständlichkeit für Neukunden gestaltet, ist ein Produktzeichen; ein Wappen, über das die Mitglieder befinden, ist ein Vereinszeichen.
Deshalb ist der Pariser Fall bis heute das Standardbeispiel in dieser Debatte – nicht weil das Ergebnis besonders schlecht wäre, sondern weil die Begründung so offen ausgesprochen wurde, dass sie sich zitieren lässt.