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Groundhopping

Wie die Proteste um 12:12 die Fanszenen spalteten

Am 12. Dezember 2012 stimmte die DFL-Mitgliederversammlung über das Papier „Sicheres Stadionerlebnis“ ab. Die Wochen danach zeigten etwas, das in der Berichterstattung über die Proteste kaum vorkam: Die Fanszenen waren sich nicht einig, wie es weitergehen soll, und stritten darüber vor allem untereinander.

Zwei Punkte, an denen sich die Kritik festmachte

Der Streit über den Inhalt ließ sich auf zwei Punkte zusammenziehen. Der erste betraf verstärkte Kontrollen am Stadioneingang bei Spielen mit erhöhtem Risiko. Die Kritik daran war nicht, dass kontrolliert wird, sondern dass Ganzkörperkontrollen nicht generell ausgeschlossen wurden. Die Gegenposition der Vereine: Die Polizei kann solche Kontrollen ohnehin anordnen, die Liga kann sie also nicht ausschließen. Der Einwand dagegen wiederum: Das Konzept schloss auch nicht aus, dass ein Verein sie selbst anordnet oder die Polizei darum bittet – und das hätte die Liga für sich regeln können.

Der zweite Punkt war die Reduzierung des Gästekontingents. Er war nicht nur zwischen Fans und Liga umstritten, sondern auch zwischen den Vereinen: Wer viele Auswärtsfahrer hat, verliert daran mehr als wer wenige hat.

Drei Protestformen an einem Spieltag

Nach der Abstimmung protestierten die Kurven unterschiedlich, und die Unterschiede waren keine Nuancen. Bei Kickers Offenbach gegen Fortuna Düsseldorf im DFB-Pokal schwiegen die Düsseldorfer Anhänger 90 Minuten; bei Borussia Dortmund gegen Hannover 96 blieb es bei den zwölf Minuten und zwölf Sekunden, die der Kampagne den Namen gegeben hatten; die Offenbacher Seite hob umgekehrt sämtliche Einschränkungen auf.

Damit stand die Frage im Raum, die den Rest des Winters bestimmte: ob der Protest nach der Entscheidung fortgesetzt oder eingestellt wird. Beantwortet wurde sie nicht von einer Fanszene, sondern innerhalb jeder einzelnen.

Wo die Spaltung sichtbar wurde

Bei den Spielen mit fortgesetztem Protest versuchten andere Anhänger derselben Vereine, den fehlenden Support zu ersetzen – was den Konflikt sichtbar machte, statt ihn zu überbrücken. Beim Bundesligaspiel der Düsseldorfer gegen Hannover wurden Ultras, die das Stadion verließen, mit Gegenständen beworfen. Der größere Teil der Auseinandersetzung fand im Internet statt, und der Ton dort war der eigentliche Befund jener Wochen: Zwei Gruppen, die auf dieselbe Kurve angewiesen sind, sprachen übereinander wie über Gegner.

Zwei offene Briefe, die die Gräben vertieften

Von den Vereinen kam Post. Sowohl bei Borussia Dortmund als auch bei Fortuna Düsseldorf wandten sich Verantwortliche in offenen Briefen an die eigene Fanszene, und beide argumentierten gegen eine Spaltung. Gewirkt haben sie in die andere Richtung.

Der Brief des Düsseldorfer Finanzvorstands Paul Jäger wurde in der Presse als „Brandbrief“ geführt. Beide Schreiben teilten eine Eigenschaft, die ihr Scheitern erklärt: Sie richteten sich an „die Fanszene“ als Ganzes, in einem Moment, in dem diese aus zwei Lagern bestand. Ein offener Brief kann eine Position begründen; er kann keine Adressaten trennen. Wer beiden Lagern gleichzeitig schreibt, wird von jedem so gelesen, als sei das andere gemeint – und weil ein solches Schreiben öffentlich ist, liest die Presse mit und wählt die Passage aus, die den Konflikt am deutlichsten macht. Er enthielt harte Kritik – Gesänge wie „Wir sind die Fans, die Ihr nicht wollt!“ nannte Jäger „zum Kotzen“ –, und er enthielt einen zweiten Teil, der in der Berichterstattung praktisch keine Rolle spielte: „Sorry, aber wir wollen Euch und dies haben wir Euch immer wieder spüren lassen.“ Ein Brief, von dem eine Hälfte zitiert wird, kommt als Angriff an, auch wenn er als Angebot geschrieben war.

Die Frage, die offen blieb

Jäger stellte in seinem Brief eine Frage, die sich schlecht beantworten ließ: ob sich rund um das eigene Heimspiel gegen Hannover irgendetwas geändert habe – für die eigenen Fans oder für die Gästefans. Ende Dezember 2012 lautete die Antwort nein. Das Papier war beschlossen, die Kontrollen blieben möglich, das Gästekontingent blieb reduzierbar.

Daraus ließ sich beides begründen: den Protest fortzusetzen, weil er nichts erreicht hatte, oder ihn auszusetzen, weil er seine Wirkung gezeigt hatte und ein zweites Mal weniger bringen würde. Genau diese Doppeldeutigkeit hat die Kurven geteilt – nicht ein Meinungsunterschied über das Papier, sondern einer über die Wirksamkeit des Mittels.