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Au Stade

Was kaum jemand über Saarbrücken weiß

Anhänger von Drittligisten beschweren sich regelmäßig darüber, dass ihr Verein in der Berichterstattung nicht vorkommt. Der Beitrag stellt der Klage etwas Brauchbareres gegenüber: eine Aufzählung dessen, was den 1. FC Saarbrücken tatsächlich unterscheidet – und das meiste davon hat mit dem Saarland als eigenständigem Gebilde zu tun.

Ein Verein zwischen zwei Verbänden

Das Saarland gehörte nach dem Krieg nicht zu Deutschland, und der Verein bekam die Folgen unmittelbar zu spüren: Zeitweise konnte er nicht an DFB-Wettbewerben teilnehmen. Also spielte er 1948/49 als F. C. Sarrebruck mit Gastrecht in der zweiten französischen Liga – und wurde dort Meister.

Aufsteigen durfte er nicht. Die französischen Vereine stimmten gegen eine Aufnahme in den Verband, sodass bis zur Rückkehr in den DFB 1951 nur Freundschaftsspiele blieben. Eine gewonnene Liga ohne Aufstieg und ohne Zugehörigkeit ist in der europäischen Fußballgeschichte eine Seltenheit.

Der Europapokal für ein eigenes Land

Im ersten Europapokal der Landesmeister, der Saison 1955/56, trat Saarbrücken als Vertreter des Saarlands an. Der Gegner war der AC Mailand.

Auswärts gewann Saarbrücken mit 4:3. Das Rückspiel am 23. November 1955 im Kieselhumes ging vor 15 000 Zuschauern mit 1:4 verloren; Mailand kam mit 7:5 weiter und erreichte das Halbfinale. Der Beitrag datiert den Wettbewerb ein Jahr früher – der Europapokal wurde 1955/56 erstmals ausgespielt, davor gab es ihn nicht.

Was sonst zusammenkommt

Edmund Conen, mit vier Treffern bester deutscher Torschütze der Weltmeisterschaft 1934, spielte beim Vorgängerverein FV Saarbrücken. Die Vereinshymne wurde unter anderem von einem später bundesweit bekannten Fernsehmoderator mitkomponiert. Und Saarbrücken war 1972/73 die erste Station einer Trainerlaufbahn, die später eine Bundesligaepoche prägte – länger als eine Saison blieb auch er nicht.

Dazu eine Kuriosität, die sich nur in Sammlungen dieser Art hält: Es existieren gedruckte Autogrammkarten eines nigerianischen Nationalspielers im Trikot des Vereins, der dort trotz einer Zusage nie spielte, weil er nach Frankfurt wechselte.

Der Absturz und die Rückkehr

Zwischen 2006 und 2008 fiel der Verein von der zweiten Liga in die fünftklassige Oberliga Südwest – drei Abstiege in Folge. Danach folgten zwei Aufstiege.

Diese Bewegung nach unten und teilweise zurück ist der Grund, aus dem eine solche Sammlung überhaupt geschrieben wird. Ein Verein, dessen Gegenwart in der dritten Liga stattfindet und dessen Geschichte Mailand, eine französische Meisterschaft und einen WM-Torschützenkönig enthält, hat ein Erzählproblem: Die Gegenwart erreicht die Öffentlichkeit nicht, und die Geschichte kennt außerhalb der Region kaum jemand.

Wissen, das nirgends zusammengeschrieben ist

Solche Listen sichern Wissen, das sonst nirgends zusammensteht. Die einzelnen Punkte stehen in Vereinschroniken, Statistikdatenbanken und Zeitungsarchiven; zusammengeführt hat sie jemand, der die Fanszene kennt und weiß, welche davon außerhalb erklärungsbedürftig sind.

Und weil sie den Maßstab liefern, an dem sich Aufmerksamkeit messen lässt. Ein Verein, der für ein eigenes Land im Europapokal spielte, ist ein Sonderfall der deutschen Fußballgeschichte – dass er als Drittligist verhandelt wird, ist eine Frage der Tabelle und nicht der Substanz.