Was Fußball den Steuerzahler kostet
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk des Saarlands veröffentlichte 2013 Zahlen zu Polizeieinsätzen bei Fußballspielen im Land, mit der Leitfrage, was der Fußball den Steuerzahler im vergangenen Jahr gekostet habe. Der Beitrag nimmt die Zahlen an und prüft, was sich aus ihnen ableiten lässt.
Der Verlauf und seine naheliegende Fehldeutung
Der Aufwand stieg zwischen 2008 und 2013 deutlich; die Saison 2010/11 fällt aus dem Rahmen. Die naheliegende Erklärung – die Gewalt sei gestiegen – trägt nicht.
Der Rückgang 2010/11 hat einen einfachen Grund: Der 1. FC Saarbrücken war gerade in die dritte Liga aufgestiegen, in der wegen der großen Entfernungen weniger Gästefans anreisen. Das einzige Spiel mit Derbycharakter war die Partie gegen die TuS Koblenz. Mit dem Aufstieg von Homburg in die Regionalliga änderten sich zugleich die Konstellationen in den Ligen darunter.
Für 2012/13 lag der Aufwand am Höchststand; das Innenministerium führte drei Spiele mit besonders hohen Einsatzzahlen an. Wer dieselbe Rechnung auf die folgende Saison anwendet – drei DFB-Pokalrunden für Saarbrücken, Heimspiele der SV Elversberg im Ludwigspark –, kommt auf ein ähnliches Niveau.
Was die Zahlen also messen
Nicht das Verhalten von Zuschauern, sondern den Spielplan: welche Ligen die Vereine des Landes bespielen, wie weit die Gegner entfernt sind, wie viele Gästefans dadurch anreisen und wie viele Partien als Risikospiel eingeordnet werden.
Das ist der methodische Kern jeder Debatte über Polizeikosten im Fußball. Eine steigende Kostenreihe belegt einen steigenden Aufwand – und der Aufwand ist eine Entscheidung der Einsatzbehörde, keine Eigenschaft des Publikums.
Die Reihe ist zu kurz
Jahresstatistiken über Polizeieinsätze bei Fußballspielen im Saarland gibt es überhaupt erst, seit 2007 die Zentralstelle Szenekundige Beamte eingerichtet wurde. Fünf Jahre sind kein Zeitraum, aus dem sich eine Entwicklung ablesen lässt – schon deshalb nicht, weil der Hooliganismus im deutschen Fußball seit den siebziger Jahren verhandelt wird und über die Jahrzehnte davor keine vergleichbaren Zahlen existieren.
Wer also sagt, es werde schlimmer, vergleicht mit einem Zeitraum, für den es keine Daten gibt.
Warum die Kostenfrage trotzdem berechtigt ist
Sie ist es, und der Beitrag bestreitet das nicht. Polizeieinsätze bei kommerziellen Veranstaltungen werden aus Steuermitteln bezahlt, und die Frage, wer sie tragen soll, ist politisch offen – Bremen hat sie später als erstes Land mit einer Gebührenrechnung an die DFL gestellt.
Nur ist die Antwort nicht aus einer Kostenreihe zu gewinnen. Sie hängt daran, wer den Einsatzumfang bestimmt: Solange die Behörde entscheidet, wie viele Kräfte ein Spiel braucht, kann der Veranstalter die Rechnung nicht beeinflussen – und solange der Veranstalter zahlt, hat er ein Interesse an einer Einordnung, die den Aufwand senkt.
Was für die Nachnutzung bleibt
Eine Zahl aus einer Sendung ist eine Momentaufnahme; ihre Deutung ist das eigentliche Ergebnis. Dieser Beitrag liefert die Rechenwege mit, an denen sich jede spätere Meldung derselben Art prüfen lässt: Spielklasse, Entfernung, Gästekontingent, Zahl der eingeordneten Risikospiele – und die Länge der Reihe, aus der jemand einen Trend behauptet.