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Dortmund

Absteiger-Rufe in Augsburg: eine Debatte im eigenen Block

Am 10. August 2013, dem ersten Spieltag der Bundesligasaison 2013/14, gewann Borussia Dortmund beim FC Augsburg mit 4:0 – drei Tore von Pierre-Emerick Aubameyang bei seinem Bundesligadebüt, dazu ein Elfmetertreffer von Robert Lewandowski. Wenige Minuten vor dem Abpfiff stimmten die Vorsänger im Gästeblock über Megafon „Absteiger, Absteiger“ an, und weite Teile des Blocks folgten. Die Augsburger Kurve antwortete mit einem Pfeifkonzert. Danach kam aus dem Gästeblock noch „Zweite Liga, Augsburg ist dabei!“

Warum der Gesang auffiel

Ein Abstiegsgesang am ersten Spieltag ist rechnerisch inhaltslos: Nach 90 Minuten Saisonspielzeit ist niemand abgestiegen. Er richtete sich außerdem an einen Gastgeber, der sich bei früheren Gastspielen als ausgesprochen gastfreundlich gezeigt hatte, und an einen Verein, dessen Kader- und Finanzmittel mit denen des Gegners nicht vergleichbar waren. Die Kritik, die daraufhin am Tag nach dem Spiel unter diesem Titel erschien, kam nicht von außen, sondern aus dem Dortmunder Umfeld selbst, und sie stellte eine Frage: Kehrt in das schwarzgelbe Lager die Überheblichkeit zurück, die man nach dem finanziellen Zusammenbruch des Vereins überwunden zu haben schien?

Der Vorläufer lag drei Monate zurück

Der Gesang hatte in derselben Saison schon einmal für Aufsehen gesorgt, und zwar mit ungünstigem Ausgang. Am letzten Spieltag der Saison 2012/13, dem 18. Mai 2013, ging der BVB im eigenen Stadion gegen die TSG 1899 Hoffenheim früh durch Lewandowski in Führung, und im Stadion wurden „Absteiger! Absteiger!“-Rufe laut. Hoffenheim drehte das Spiel und gewann 2:1 – als Siebzehnter mit 28 Punkten rettete sich der Klub in die Relegation und blieb erstklassig. Der Gesang blieb deshalb in Erinnerung, weil er einer Niederlage vorausging.

Die längere Linie

Die Frage nach der Tonlage hatte in Dortmund eine Vorgeschichte. Um die Jahrtausendwende war aus den schwarzgelben Gästekurven „Wenn wir wollen, kaufen wir Euch auf!“ zu hören – in den Jahren, bevor der Verein an der eigenen Transferpolitik fast zerbrach. In der ersten Meistersaison 2010/11 war davon nichts übrig: Man feierte die Mannschaft und traute dem Erfolg nicht ganz. Bis zum Sommer 2013 waren zwei Meisterschaften, ein Pokalsieg und die Teilnahme an einem Champions-League-Finale dazugekommen. Der Vorwurf lautete also nicht, der Anhang sei laut, sondern der Erfolg stelle den alten Ton wieder her.

48 Kommentare

Die Reaktion auf den Text ist der aufschlussreichere Teil des Vorgangs. Unter dem Beitrag sammelten sich 48 Kommentare, und sie zerfielen in klar erkennbare Lager.

Ein Teil wies die Kritik grundsätzlich zurück: Fußball sei keine Kirchenmesse, Sticheleien gehörten dazu, und wer sie abschaffe, erziehe sich ein Konsumentenpublikum. Mehrfach kam das Gegenargument, aus der Augsburger Kurve sei zuvor „Und ihr wollt Deutscher Meister sein?“ gekommen – Spott also auf beiden Seiten. Einige Kommentatoren vermuteten hinter dem Text schlicht einen Anhänger eines Konkurrenten, was die Debatte kurzzeitig von der Sache weg und auf die Herkunft des Verfassers lenkte.

Ein anderer Teil bestätigte die Beobachtung ausdrücklich, teils mit dem Hinweis, man habe selbst im Block gestanden und sich in diesen Minuten für die eigenen Farben geschämt. Dazwischen meldeten sich Augsburger Leser, die den Text richtig fanden, dem FCA den Klassenerhalt und dem BVB eine gute Saison wünschten. Der Ton kippte über die Länge des Threads mehrfach in Beschimpfungen, gefolgt von Rechtschreibkorrekturen, gefolgt von einer Entschuldigung eines Kommentators für den eigenen ersten Beitrag.

Das ist der übliche Verlauf einer Selbstkritik in einer Fanszene: Sie wird zuerst als Angriff von außen behandelt, dann als Geschmacksfrage, und am Ende bleibt eine Minderheit, die den Punkt teilt. Bemerkenswert war an diesem Fall nur, dass die Debatte überhaupt öffentlich geführt wurde.

Der Nachtrag

Die Saison lieferte zu den Gesängen ihre eigene Fußnote. Der FC Augsburg beendete die Spielzeit 2013/14 mit 52 Punkten aus 15 Siegen, sieben Unentschieden und zwölf Niederlagen auf dem achten Platz – dem besten Ergebnis der Vereinsgeschichte bis zu diesem Zeitpunkt und weit außerhalb der Abstiegsränge.