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Frauengeschichten

Pokalhalbfinale in Potsdam

Drei Monate ohne Heimspiel: Der Winter 2012/13 hatte den Spielbetrieb so weit ausgedünnt, dass im ganzen Jahr 2013 bis zu diesem Tag nur eine Pflichtpartie stattgefunden hatte, und die auswärts. Am 3. März rollte im Karl-Liebknecht-Stadion in Potsdam wieder ein Ball.

Der Einzug ins Pokalendspiel

Es ging um den Einzug ins Endspiel des DFB-Pokals der Frauen, das damals in Köln ausgetragen wurde. Gegner war der amtierende Pokalsieger aus München, der im Oktober schon zum Punktspiel dort gewesen war – damals mit einem knappen 2:1 für die Gäste.

Manche nannten die Paarung ein vorgezogenes Finale. Angepfiffen wurde um 13 Uhr, auf einem Rasen, den der Bericht als nicht besonders grün beschreibt.

Warum die Rahmenbedingungen die Geschichte sind

Sie beschreiben den Frauenfußball dieser Jahre genauer als jedes Ergebnis: ein Halbfinale um 13 Uhr, ein Platz nach drei Monaten Frost, eine Winterpause, in der eine Mannschaft der höchsten Spielklasse praktisch nicht spielt.

Der Männerfußball derselben Liga hätte in dieser Lage Rasenheizung, Ausweichstadion oder eine Verlegung mit Fernsehabsprache. Hier wurde gespielt, wo und wann es ging.

Der Ort

Das Karl-Liebknecht-Stadion in Babelsberg ist eine der ältesten Spielstätten der Region und wurde in diesen Jahren von zwei Vereinen genutzt. Für Turbine Potsdam war es die Heimat einer Mannschaft, die zwischen 2004 und 2012 mehrfach deutscher Meister und 2005 sowie 2010 Europapokalsieger war.

Das gehört zur Einordnung dieses Nachmittags: Es spielte nicht ein Außenseiter gegen einen Favoriten, sondern der dominierende deutsche Frauenfußballverein des vorangegangenen Jahrzehnts gegen den Verein, der ihn ablösen sollte.

Was der Titel sagt

„Mit Glück ins Endspiel“ – der Bericht schreibt das Weiterkommen nicht der Überlegenheit zu, sondern dem Verlauf. Diese Ehrlichkeit ist in Fanberichten häufiger als in Spielberichten: Wer über die eigene Mannschaft schreibt und kein Publikum bedienen muss, kann ein glückliches Ergebnis glücklich nennen.

Eine eigene Rubrik, und keine Sicherheitsdebatte

In der Fanpublizistik dieser Jahre hatte er eine eigene Rubrik, und in der Sicherheitsdebatte, die den Rest dieser Sammlung bestimmt, taucht er überhaupt nicht auf – keine Risikospiele, keine Blocksperren, keine Ganzkörperkontrollen, keine Kollektivstrafen.

Dasselbe Publikum, dieselben Städte, dieselben Vereine, und keine einzige der Maßnahmen, über die im Männerfußball verhandelt wurde. Wer wissen will, wie viel von diesen Maßnahmen dem Sport und wie viel dem Umfeld zugerechnet wird, findet hier die Kontrollgruppe.

Das Endspiel gewann Wolfsburg

Das Endspiel gewann der Gegner aus Wolfsburg; Turbine Potsdam stand als Verlierer im Finale und blieb in diesen Jahren die zweite Kraft hinter einem Verein, dessen Frauenabteilung von einem Konzern getragen wird.

Diese Verschiebung ist der eigentliche Zusammenhang mit dem Rest dieser Sammlung. Was im Männerfußball über Jahre als Konflikt zwischen gewachsenen Vereinen und werkfinanzierten Klubs verhandelt wurde, hat im Frauenfußball derselben Jahre stattgefunden – schneller, vollständiger und ohne dass darüber gestritten wurde.