Zwei Kurven statt einer
Im September 2012 sicherte sich die Düsseldorfer EG für das Derby in Köln 500 Stehplatzkarten in der Südkurve der dortigen Halle – für ihre eigenen Anhänger. Im Fußball wäre das in der Sicherheitsdebatte jener Wochen undenkbar gewesen; im Eishockey passierte es, und die Kölner Seite reagierte mit Zaun und zusätzlichem Ordnungspersonal.
Der Grund war kein Scherz
Hinter der Aktion stand ein baulicher Umstand. In dieser Halle sind die Bereiche hinter beiden Toren für die Heimfans vorgesehen, während die Gästefans im Oberrang unter dem Hallendach untergebracht werden – weit weg vom Eis. Von dort sieht man ein Spiel, das von Ameisen gespielt wird, und akustisch trägt der Block wenig bei.
Damit ist der Vorgang keine Provokation, sondern ein Kommentar zur Blockplanung: Wer eine Gästekurve unters Dach setzt, nimmt in Kauf, dass sie keine Kurve ist.
Die Übertragung auf den Fußball
Denselben Fehler beschreibt der Text am Beispiel eines Bundesligastadions. Statt die Stehplätze so anzuordnen, dass eine hohe, steile, laute Kurve entsteht – oder wenigstens die Karten so zu vergeben, dass diejenigen, die singen wollen, zusammenstehen –, wird Publikum gemischt. Das Ergebnis ist bekannt: Ein Heimbereich mit fünfstelliger Besucherzahl wird regelmäßig von einem Gästeblock unter dem Dach übertönt.
Der Grund dafür ist keine Gleichgültigkeit der Zuschauer. In München kämpfte der Club Nr. 12 seit Jahren um genau diese Frage. Stimmung entsteht aus Verabredung, und eine Verabredung braucht dieselben Leute an denselben Plätzen – was eine Kartenvergabe herstellen oder verhindern kann.
Warum die Reaktion des Gastgebers dazugehört
Bemerkenswert ist die zweite Hälfte des Vorgangs. Der Gastgeber reagierte nicht mit einem Verweis auf die Hallenordnung, sondern mit Zaun und Ordnungsdienst rund um die 500 Auswärtsfahrer – also mit dem Instrumentarium, das im Fußball für Risikospiele reserviert ist, gegen Zuschauer, die eine gültige Karte gekauft hatten.
Die Spieler beider Seiten äußerten sich dazu deutlich gelassener als die Vereinsführungen. Auch das ist ein wiederkehrendes Muster: Die Erwartung von Gewalt erzeugt die Vorbereitung darauf, und die Vorbereitung erzeugt die Stimmung, in der sie plausibel wirkt.
Was die Aktion signalisierte
Wirtschaftlich waren 500 Karten in der Gegenkurve eine Kleinigkeit; als Signal waren sie das Gegenteil. Eine Vereinsführung, die für ihre Auswärtsfahrer Plätze mit Sicht kauft, statt ihnen den Oberrang zuzuweisen, sagt damit: Wir tun etwas für euch.
Genau dieses Signal fehlt in vielen Konflikten zwischen Klubs und Kurven, und es kostet in der Regel weniger als die Debatten, die es ersetzen würde. Der Vorgang taugt deshalb als Vergleichsfall – nicht weil ein Eishockeyklub es besser gemacht hätte, sondern weil er die Frage stellte, die im Fußball selten gestellt wird: Für wen ist ein Block gebaut?