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Hier beim MSV

Keine Lizenz für die zweite Liga

Die Nachricht traf die Duisburger Fanszene wie ein Schlag: Der MSV Duisburg bekommt keine Lizenz für die 2. Bundesliga. Der Beitrag entstand knapp zwei Wochen später und beginnt mit der Feststellung, dass in dieser Zeit viel passiert sei und irgendwie auch gar nichts.

Der Tag

Erfahren hat der Verfasser es aus einer Statusmeldung in einem sozialen Netzwerk, nach der Schule, ohne Vorwarnung. Am Stadion versammelten sich noch am selben Tag Menschen, Spruchbänder wurden aufgehängt, auf denen die Verantwortlichen namentlich benannt wurden.

Der Wortlaut steht hier nicht; eines der Banner war eine Beschimpfung, das andere machte den Stadionbau und zwei Namen für den Tod des Vereins verantwortlich. Wichtiger als der Wortlaut ist, dass die Adressaten innerhalb von Stunden feststanden – die Fanszene brauchte für ihre Zuordnung keine Aufarbeitung.

Schuld und Verantwortung

Der Beitrag trennt beides, und das ist seine analytische Leistung. Wer Schuld an der Lizenzverweigerung trägt, sei nicht eindeutig zu sagen – eine Lizenz wird nach einem Verfahren erteilt oder nicht, mit Fristen, Nachweisen und einer Entscheidung der Liga.

Wer verantwortlich für die Lage ist, sei dagegen klar. Genannt werden ein Bauunternehmer und langjähriger Vereinspräsident, unter dem das Stadion errichtet wurde, und der Aufsichtsratsvorsitzende jener Jahre.

Diese Unterscheidung ist auf jeden vergleichbaren Fall übertragbar. Die Liga entscheidet über ein Verfahren; über die Substanz entscheiden die Jahre davor.

Der Stadionbau als Kern

Er ist in Duisburg der wiederkehrende Punkt. Ein Verein, der ein Stadion nutzt, das ein Vereinsverantwortlicher als Unternehmer mit errichtet hat, steht in einer Konstellation, in der Miete, Betriebskosten und Vertragsbedingungen zwischen Parteien verhandelt werden, die personell verbunden sind.

Genau daran hängt die Kritik der Fanszene, und sie ist keine nachträgliche Konstruktion: Das Spruchband am Tag der Entscheidung nannte den Stadionbau.

Was eine Lizenzverweigerung praktisch bedeutet

Sie ist die härteste Sanktion im deutschen Profifußball und trifft niemanden von denen, die sie verursacht haben. Der Verein steigt zwangsweise ab, Spielerverträge werden hinfällig, Dauerkarten müssen abgewickelt werden, Angestellte verlieren ihre Arbeit – und die Anhänger verlieren eine Spielklasse, die sportlich erreicht war.

Deshalb ist der Titel des Beitrags eine Frage und keine Anklage. Nach einer solchen Entscheidung ist die einzige praktische Aufgabe, den Verein in der neuen Liga funktionsfähig zu halten, und dafür braucht es dieselben Leute, die vorher protestiert haben.

3. Liga, Aufstieg, Abstieg, Aufstieg

Der Verein spielte in der folgenden Saison in der 3. Liga, stieg 2015 wieder in die zweite Liga auf, 2016 erneut ab und 2017 erneut auf – ein Wechsel, der in Duisburg über Jahre anhielt. Die Verantwortlichen jener Zeit sind nicht mehr im Amt.

Was von dem Beitrag bleibt, ist die Aufarbeitung eines Tages, an dem eine Fanszene erfuhr, dass ihre Saison nachträglich entwertet wurde – und die Trennung zwischen einer Verfahrensentscheidung und den Jahren, die zu ihr geführt haben.