Welcome Zone Ost
Im Oktober 2012 spielte der 1. FC Kaiserslautern in der zweiten Runde des DFB-Pokals auswärts in München. 71 000 Zuschauer, darunter rund 8 000 Gästefans, Endstand 3:0.
Der Bericht ist von einem Anhänger geschrieben, der beruflich mit Anglizismen zu tun hat und sie nicht mag. Daraus wird eine Sprachkritik, die genauer ist als sie sich gibt.
Die Wortliste
Er sammelt, was ihm im Stadion begegnet: „Eventboxen“ als Bezeichnung für Räume, „Welcome Zone Ost“ und „Welcome Zone West“ als Bezeichnung für Eingangsbereiche – und, aus dem Mund des Stadionsprechers fünf Minuten vor Anpfiff, die Aufforderung an das werte Publikum, in die gute Stube zu kommen, da das Spiel bald beginne.
Dazu die Selbstbeschreibung des Gastgebers, die der Sprecher nach seiner Darstellung wiederholt vortrug: die Titelrekorde in Meisterschaft und Pokal.
Das ist ein Sprachbefund, und er lässt sich prüfen: Ein Stadion, das seine Eingänge Welcome Zone nennt, spricht Besucher als Gäste einer Veranstaltung an und nicht als Anhänger eines Vereins. Genau darauf zielt der Beitrag, wenn er die Halle als Paradebeispiel des modernen Fußballs bezeichnet, wie ihn viele ablehnen.
Die Beobachtung am Einlass
Zwei Beobachtungen stehen nebeneinander, und beide gehören zusammen.
Erstens: Für die Kontrollen waren nur zwei Tore geöffnet, eines für Männer und eines für Frauen. Bei 8 000 Gästefans ist das eine Engstelle, und sie erklärt die Wartezeit, von der der Bericht erzählt.
Zweitens: Viele Heimbesucher liefen nach seiner Beobachtung in vollständiger Vereinsausstattung über den Vorplatz, ohne zu wissen, wo ihr Eingang liegt, wie die Zugangskarte funktioniert oder wie die Kontrollen ablaufen. Ein Gästefan, der nach dem Gästeblock fragte, bekam nach seiner Darstellung keine brauchbare Antwort.
Diese zweite Beobachtung ist die interessantere und die unfairere. Ein Stadion mit 71 000 Plätzen und wechselndem Publikum hat notwendig einen hohen Anteil an Erstbesuchern; dass sie sich nicht auskennen, ist eine Folge der Größe und nicht ein Charakterzug.
Was der Gästeblock daraus machte
Nach dem 3:0 kam nach Darstellung des Berichts eine Stimmung auf, die er als gleichgültig beschreibt, und die 8 000 Mitgereisten sangen, was in solchen Lagen gesungen wird: dass ohne sie hier nichts los sei, und dass beim Gastgeber wieder keine Stimmung herrsche.
Diese Gesänge sind der Standard jedes Gästeblocks in jedem großen Stadion, und sie sind der Grund, aus dem der Sprachbefund des Beitrags mehr ist als eine Marotte: Der Vorwurf „ohne uns wäre hier nichts los“ und die Bezeichnung „Welcome Zone“ beschreiben dieselbe Sache von zwei Seiten – die Frage, wer die Atmosphäre in einem Stadion herstellt.
Der kleine Vorwurf am Ende
Der Bericht bittet darum, dem Stadionsprecher mitzuteilen, dass sein Verein nicht FC Kaiserslautern heißt, sondern 1. FC Kaiserslautern.
Das ist eine Kleinigkeit und der bezeichnendste Satz des Textes. Für einen Anhänger ist die Vereinsbezeichnung nicht verkürzbar; für eine Veranstaltungsregie ist sie eine Zeile im Ablauf. Zwischen diesen beiden Lesarten liegt der ganze Beitrag.
Was aus dieser Sprache wurde
Die Sprache hat sich nicht zurückentwickelt. Hospitality-Bereiche, Logennamen und englische Zonenbezeichnungen sind in deutschen Stadien Standard, und die Debatte darüber ist von der Fanszene an eine breitere Kritik am Ticketing übergegangen.
Was der Beitrag festhält, ist der Zustand von 2012 in seinem Wortlaut – und damit die Etappe, an der eine Anhängerschaft das erste Mal aufschrieb, wie ihr Stadion mit ihr spricht.
Häufige Fragen
Verfahren und FristenUm welches Spiel geht es?
Um die zweite Runde des DFB-Pokals 2012/13 in München gegen den 1. FC Kaiserslautern, vor 71 000 Zuschauern, darunter rund 8 000 Gästefans. Der Gastgeber gewann 3:0.
Welche Wörter kritisiert der Beitrag?
Unter anderem „Eventboxen“, „Welcome Zone Ost“ und „Welcome Zone West“ sowie die Aufforderung des Stadionsprechers, in die „gute Stube“ zu kommen – dazu die wiederholte Selbstbeschreibung des Gastgebers über Rekordtitel.
Was beobachtet er am Einlass?
Dass nur zwei Tore für die Kontrollen geöffnet waren, eines für Männer und eines für Frauen – und dass viele Heimbesucher in vollständiger Vereinsausstattung nicht wussten, wo ihr Eingang liegt oder wie das Stadion funktioniert.