Risikospiel und was daran geplant war
Am Freitagabend des 8. Februar 2013 spielte der 1. FC Kaiserslautern gegen Dynamo Dresden. Am Rand der Partie wurden Shuttlebusse angegriffen; mindestens zwei Insassen wurden verletzt, weitere hatten Angst, und der Sachschaden lag nach damaligen Angaben bei rund 70 000 Euro. Der Vorgang ist in der Sache nicht zu relativieren, und er wurde in der Fanszene beider Vereine auch nicht relativiert.
Was daraus in der Öffentlichkeit wurde
Innerhalb weniger Tage stand die Forderung im Raum, dem Gastverein die Lizenz zu entziehen – also alle Anhänger, Mitglieder und Angestellten für die Handlungen einer Gruppe verantwortlich zu machen. Diese Forderung ist der Grund, aus dem der Vorgang hier dokumentiert ist: Sie folgt derselben Logik wie eine Blocksperre, nur ohne Obergrenze.
Die Frage, die nicht gestellt wurde
Ein als Risikospiel eingeordnetes Spiel wurde auf einen Freitag um 20.30 Uhr angesetzt. Üblich war und ist für solche Partien der Nachmittagstermin am Wochenende: kurze Anreise bei Tageslicht, weniger Aufenthaltszeit in der Stadt, weniger Alkohol, bessere Übersicht.
Wer eine Anstoßzeit gegen diese Einordnung festlegt, trifft eine Entscheidung, die nicht die angreifenden Personen zu verantworten haben. Verhandelt wurde darüber nicht – weder damals noch danach ist öffentlich begründet worden, warum dieses Spiel diesen Termin bekam.
Die Erklärung des Einsatzleiters
Der Einsatzleiter äußerte sich am folgenden Tag in der regionalen Tageszeitung. Er bedauerte die Verletzten und diejenigen, die Angst hatten, und erklärte, man habe wegen konkreter Hinweise auf massive Auseinandersetzungen an mehreren anderen Orten in der Stadt umplanen müssen; an der Straße, in der es dann geschah, sei kein derart großes Gewaltpotenzial erwartet worden, weshalb dort nicht so viele Kräfte eingesetzt werden konnten wie geplant.
Damit steht die entscheidende Auskunft im Raum, und sie kommt von der zuständigen Stelle selbst: Der Ort, an dem Menschen verletzt wurden, war zu diesem Zeitpunkt nicht der Ort, an dem die Kräfte standen. Zugleich sprach die Polizei von einem weitgehend gelungenen Einsatzkonzept, und Festnahmen gab es nach dem Stand jener Tage nicht, sondern nur Anzeigen.
Warum beides zusammen dokumentiert werden muss
Zwei Aussagen gelten gleichzeitig. Erstens: Der Angriff war eine Tat einzelner Personen, und die Verantwortung dafür liegt bei ihnen. Zweitens: Der Verlauf des Abends war auch das Ergebnis einer Terminierung und einer Kräfteverteilung, über die andere entschieden haben.
In der öffentlichen Verhandlung solcher Abende fällt der zweite Teil regelmäßig aus, und danach richtet sich, was als Konsequenz beschlossen wird: Wird nur der erste Teil betrachtet, folgen Sanktionen gegen Zuschauer. Wird der zweite mitbetrachtet, folgt eine Nachbesprechung der Einsatzplanung. Nach diesem Abend geschah das Erste.
Für die Bewertung solcher Abende folgt daraus eine Reihenfolge, die selten eingehalten wird. Zuerst die Tat und die Verletzten, dann die Ermittlungen gegen die Beteiligten – und erst danach die Frage, welche Entscheidungen den Rahmen gesetzt haben. Wird die Reihenfolge umgekehrt, wirkt jede Betrachtung des Einsatzkonzepts wie eine Entschuldigung für die Tat, und deshalb wird sie in der Regel gar nicht mehr vorgetragen.