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Spielerempfang im Fanclubbezirk

Vor dem Wintertrainingslager entsendet der FC Schalke 04 Spieler und Trainer zu Spielerempfängen in die Fanclubbezirke. Das ist eine Einrichtung, die es in dieser Form bei wenigen Vereinen gibt, und der Bericht vom Januar 2015 beschreibt einen dieser Termine.

Die Struktur dahinter

Die Fanclubs des Vereins sind in Bezirke gegliedert, und ein Bezirk lädt gemeinsam ein. Im beschriebenen Fall kamen rund 120 Anhänger zusammen, darunter Vertreter von mindestens einem halben Dutzend namentlich genannter Fanclubs aus dem Umland – vom Niederrhein über das Bergische Land bis ins Ruhrgebiet.

Diese Gliederung ist der eigentliche Befund. Ein Verein mit mehreren tausend Fanclubs braucht eine Ordnung, um überhaupt Termine verteilen zu können; und ein Bezirk, der eine Veranstaltung für 120 Leute organisiert, ist eine funktionierende Ebene zwischen Verein und Einzelmitglied.

Angesetzt für 12.30 Uhr im Gesellschaftszimmer

Angesetzt war der Termin für 12.30 Uhr im Gesellschaftszimmer eines großen Restaurants. Gekommen ist der Cheftrainer mit seinem Assistenten kurz vor 16 Uhr – dreieinhalb Stunden später, begleitet von Fotograf und Kameramann des Vereins.

Bemerkenswert ist die Reaktion: kein Murren, keine Pfiffe, kein frustrierter Aufbruch. Bis auf einige, die familiäre Anschlusstermine nicht verschieben konnten, wartete die Runde und verbrachte die Zeit mit dem Buffet und Gesprächen.

Was das über solche Termine sagt

Zweierlei, und beides gehört zusammen. Erstens: Die Anhänger nehmen sie ernst – sie verabreden sich, reisen an und bleiben. Zweitens: Die Verbindlichkeit ist einseitig. Ein Termin, der um dreieinhalb Stunden verschoben wird, ohne dass die Veranstaltung deshalb abgesagt wird, ist ein Termin, dessen Einhaltung nicht erwartet wird.

Das ist keine Anklage – Trainingsbetrieb und Kaderplanung sind unvorhersehbar, und der Trainer kam. Es beschreibt aber die Rangordnung, die in solchen Formaten mitläuft, und sie ist derselbe Befund wie bei den drei Stunden in der Kabine: Der Wert eines Dialogformats bemisst sich daran, wie viel Zeit die Vereinsseite tatsächlich aufwendet.

Ein Format ohne Bühne

Gewirkt hat es gerade deshalb. Ein Trainer, der in einem Gesellschaftszimmer vor 120 Leuten steht und das Mikrofon selbst in die Hand nimmt, beantwortet Fragen, die keine Pressestelle vorsortiert hat – und er tut das vor Menschen, die ihn beim nächsten Heimspiel wiedersehen.

Genau darin liegt der Unterschied zu einer Pressekonferenz. Journalisten fragen nach Nachrichten; Anhänger fragen nach Aufstellungen, Nachwuchsspielern und dem, was ihnen im Stadion aufgefallen ist.

Was von so einem Abend überliefert ist

Solche Termine hinterlassen keine Protokolle. Der Verein veröffentlicht Fotos, die Presse berichtet selten, und was gesagt wurde, existiert nur dort, wo ein Teilnehmer es aufgeschrieben hat.

Deshalb steht dieser Bericht hier: nicht wegen der Antworten des Trainers, sondern als Beleg dafür, dass es in dieser Zeit ein flächendeckendes, von Anhängern getragenes System solcher Begegnungen gab – mit Bezirken, Einladungen, Buffets und dreieinhalb Stunden Geduld.