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Kurvenstar04

Woher die achtzig Millionen

Auf einer Pressekonferenz im November 2014 verwies der Sportvorstand des FC Schalke 04 auf seine Bilanz: Qualifikation für Europa in sieben von acht Jahren, davon fünfmal für die Champions League – und daneben eine Zahl über abgebaute Verbindlichkeiten in Höhe von rund achtzig Millionen.

Was der Beitrag damit machte

Er prüfte sie. Nachgesehen wurde in den Konzerngeschäftsberichten des Vereins, die veröffentlicht werden und für jeden zugänglich sind, und das Ergebnis war eindeutig: Ein signifikanter Abbau der Verbindlichkeiten fand in diesem Zeitraum nur in einem einzigen Jahr statt – 2011, und dort im Wesentlichen aufgrund eines einzelnen lukrativen Transfers.

Die anwesenden Journalisten hatten die Zahl nicht hinterfragt; auch ein am Folgetag erschienener, dem Vorstand gegenüber kritischer Zeitungskommentar ging nicht darauf ein.

Nachprüfbar, Satz für Satz

Er behauptet nichts, was nicht nachprüfbar wäre. Der Autor stellt eine Aussage neben ein veröffentlichtes Dokument und benennt die Differenz; wer widersprechen will, muss dieselben Berichte lesen.

Genau darin liegt der Unterschied zu den meisten Beiträgen dieser Sammlung. Über Sicherheitsbeschlüsse, Polizeieinsätze und Kartenkontingente kann man streiten, weil die Grundlagen nicht öffentlich sind. Über eine Bilanz kann man nicht streiten – sie liegt vor.

Die beiden möglichen Erklärungen

Der Beitrag nennt sie selbst und lässt offen, welche zutrifft. Entweder wurden Größen zusammengerechnet, die nicht zusammengehören – etwa Verbindlichkeiten aus verschiedenen Perioden oder Effekte einzelner Transfers. Oder die Summe war bewusst so gewählt, dass sie die eigene Leistung größer erscheinen lässt.

Beides hält der Autor an der Spitze seines Vereins für nicht vertrauenerweckend, und diese Bewertung ist eine Meinung. Die Feststellung darunter ist keine: Eine Zahl, die auf einer Pressekonferenz genannt und von keinem Anwesenden geprüft wird, steht am nächsten Tag als Tatsache in der Zeitung.

Der Geschäftsbericht liefert das Material selbst

Ein Verein, dessen Lizenzspielerabteilung ausgegliedert ist, veröffentlicht Geschäftsberichte – und liefert damit selbst das Material, an dem seine Aussagen zu messen sind. Die Mitgliederversammlung ist der Ort, an dem das geschieht; zwischen zwei Versammlungen gibt es niemanden, der dazu verpflichtet wäre.

Deshalb übernehmen Fanmedien diese Arbeit, und deshalb sind Beiträge wie dieser mehr als Vereinskritik. Sie sind die einzige laufende Prüfung öffentlicher Aussagen über die Finanzen eines Vereins, den seine Mitglieder besitzen.

Keine Klärung, der Vorstand blieb bis 2017

Eine Klärung der Zahl ist nicht bekannt; der Vorstand blieb bis 2017 im Amt. Die Verbindlichkeiten des Vereins blieben in den Jahren danach ein wiederkehrendes Thema und erreichten Ende des Jahrzehnts erneut Größenordnungen, die eine Sanierung erforderten.

Die Frage aus dem November 2014 ist damit nicht beantwortet worden, sondern überholt. Was bleibt, ist die Methode – und die Feststellung, dass sie an diesem Tag von einem Anhänger und nicht von einem der anwesenden Journalisten angewandt wurde.