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Kurvenstar04

Wer spricht für den Verein

Ein Aufsichtsrat kontrolliert den Vorstand. Er entscheidet nicht über Personal im laufenden Betrieb, er verkündet keine Vertragsverlängerungen und er bewertet keine Mannschaftsleistung in Interviews. Genau das war 2013 beim FC Schalke 04 mehrfach anders – und daraus entstand die Kritik, die dieser Beitrag zusammenfasst.

Die drei Vorwürfe

Erstens die Reihenfolge: Der Sportvorstand erklärte öffentlich, in der Trainerfrage sei nichts entschieden und man prüfe mehrere Möglichkeiten, während der Aufsichtsratsvorsitzende zur gleichen Zeit mitteilte, mit wem man zusammenarbeiten werde.

Zweitens der Zeitpunkt: Die Verlängerung mit dem Trainer wurde unmittelbar vor einem Heimspiel bekanntgegeben – also in dem Moment, in dem sie die Vorbereitung überlagert.

Drittens die Bewertung der Mannschaft: Kurz vor dem entscheidenden Spiel um die Champions-League-Qualifikation folgte die öffentliche Feststellung, man beobachte „schon länger“ Defizite im Team.

Warum das mehr ist als ein Kommunikationsproblem

Ein Verein mit ausgegliederter Lizenzspielerabteilung hat eine Organstruktur, und die Zuordnung von Aufgaben ist der einzige Schutz der Mitglieder: Der Vorstand handelt, der Aufsichtsrat prüft, die Mitgliederversammlung entlastet oder entlastet nicht.

Wenn dasselbe Gremium, das den Vorstand kontrolliert, dessen Entscheidungen vorwegnimmt, kontrolliert es anschließend seine eigene Ankündigung. Die Aufsicht fällt damit praktisch aus, ohne dass eine Satzung geändert worden wäre.

Der Nebeneffekt nach außen

Die Fanszene benannte noch eine zweite Folge, die schwerer zu belegen und leichter zu beobachten ist. Auftritte des Vorsitzenden in Unterhaltungsformaten – mitsingend, betont volksnah – prägten das Bild des Vereins in der überregionalen Berichterstattung.

Das ist keine Frage von Geschmack. Ein Klub, dessen oberstes Kontrollgremium in Fernsehrunden auftritt, während operative Fragen ungeklärt bleiben, wird als Führungsdurcheinander beschrieben – und diese Beschreibung wirkt auf Verhandlungen mit Spielern, Beratern und Sponsoren zurück.

Der Fall, der am meisten beschäftigte

Aus derselben Zeit stammte die öffentlich gemachte Anzeige gegen Zuschauer wegen Pyrotechnik, gestützt auf selbst aufgenommene Handyfotos aus dem Stadion. Für die Fanszene war das der schwerste Punkt: nicht die Anzeige selbst, sondern dass ein Vereinsvertreter Beweismittel gegen die eigenen Zuschauer erhebt und darüber spricht.

Damit war eine Grenze berührt, an der sich Vereine sonst zurückhalten – die Beweiserhebung liegt bei Polizei und Ordnungsdienst, nicht bei einem Gremienmitglied.

Was der Beitrag hinterlässt

Die Kritik war keine Rücktrittsforderung, sondern eine Bitte um Zurückhaltung: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Das klingt milde, ist aber der maximale Hebel, den Anhänger gegenüber einem Aufsichtsrat haben – sie wählen ihn nicht direkt, und abwählen kann ihn nur die Mitgliederversammlung.

Wie ernst diese Versammlung das nahm, zeigte sich einen Monat später auf der Jahreshauptversammlung 2013, die sieben Stunden dauerte.

Der Vollständigkeit halber: Nichts davon betrifft die Person, sondern die Rolle. Ein Aufsichtsratsvorsitzender darf Interviews geben, Lieder singen und Meinungen haben – er darf nur nicht das entscheiden, was er hinterher prüfen soll. Diese Trennung ist der einzige Grund, aus dem es überhaupt zwei Gremien gibt, und sie ist in jedem Verein derselbe wunde Punkt, sobald eine Person deutlich einflussreicher ist als das Amt, das sie ausfüllt.