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Kurvenstar

Wer bekommt ein Abschiedsspiel?

Im Sommer 2013 richtete der FC Schalke 04 ein Abschiedsspiel für Raúl aus, der zwei Jahre für den Verein gespielt hatte. Die Debatte darüber verlief entlang einer Linie, die mit dem Spieler wenig zu tun hatte: Nach welchem Maßstab vergibt ein Verein eine solche Ehrung?

Die Position dafür

Sie stützt sich auf Ausstrahlung. Ein Weltstar am Ende seiner Karriere, zwei Jahre im Trikot dieses Klubs, ohne Allüren, mit sportlich herausragenden Momenten und internationaler Aufmerksamkeit für eine Region, die daran nicht gewöhnt ist. Wer so auftritt, hat sich nichts vorzuwerfen – und ein Verein, der davon profitiert hat, kann sich bedanken.

Die Position dagegen

Sie stützt sich auf Dauer. Genannt wurden Spieler, die zehn oder fünfzehn Jahre für diesen Verein gespielt haben, teils in schlechten Zeiten, und um die kein vergleichbares Aufsehen gemacht wurde. Wenn zwei Jahre für ein Abschiedsspiel genügen und fünfzehn nicht, ist der Maßstab nicht die Verdienste, sondern der Bekanntheitsgrad.

Dazu kam der Hinweis, dass es einen Abschied schon gegeben hatte – im letzten Heimspiel seiner Zeit beim Verein. Ein zweiter, größer aufgezogener Abschied wirkt dann nicht als Dank, sondern als Veranstaltung.

Der Punkt, an dem beides zusammenkommt

Am härtesten kritisiert wurden die Kartenpreise. Für ein Freundschaftsspiel gegen einen Gegner ohne sportlichen Wert kostete die Karte bis zu 25 Euro. Damit war die Frage nicht mehr, ob eine Ehrung angemessen ist, sondern ob eine Ehrung verkauft wird.

Genau an dieser Stelle wird aus einer Geschmacksfrage eine über Vereinsführung. Ein Abschiedsspiel ist ein Termin, den ein Verein selbst setzt, mit einem Gegner, den er selbst wählt, zu Preisen, die er selbst festlegt. Wer die Anhängerschaft in einem Sommer, in dem über Kartenpreise und einen Zweitmarktvertrag gestritten wird, zu einem solchen Spiel einlädt, muss mit dieser Lesart rechnen.

Der Gegner als Teil der Frage

Ein Abschiedsspiel braucht einen Gegner, und die Wahl fiel auf den Klub, zu dem der Spieler gewechselt war. Sportlich war das Ergebnis damit gegenstandslos; für die Anhänger war es eine Begegnung ohne Wert, zu einem Preis, der dem eines Pflichtspiels nahekam.

Damit ist die Struktur solcher Termine benannt. Ein Abschiedsspiel ist kein Wettbewerb, sondern ein Anlass – und wer daran Karten verkauft, verkauft die Beziehung zwischen Anhängern und einem Spieler. Ob das legitim ist, hängt daran, wie eng diese Beziehung war, und genau darüber gingen die Meinungen auseinander.

Was die Debatte über die Kurve sagt

Aufschlussreich ist, dass keine der beiden Seiten dem Spieler etwas vorwarf. Bestritten war nicht sein Verhalten, sondern die Reihenfolge, in der ein Verein Verdienste anerkennt – und in dieser Reihenfolge sahen viele Anhänger sich selbst wieder: Wer lange bleibt und wenig Aufmerksamkeit erzeugt, kommt später.

Deshalb gehört dieser Streit in eine Sammlung über Fankultur und nicht in eine Vereinschronik. Er handelt davon, wonach Loyalität im Profifußball bewertet wird – und die Antwort, die ein Abschiedsspiel gibt, ist nicht die, die eine Kurve gerne hört.