Null Jacken in Vereinsfarben
Der Beitrag beginnt mit einer Zählung: Fanshop, Damenabteilung, Jacken – exakt null Artikel in den Vereinsfarben. Vorhanden waren Grau, Hellblau, Lila, Marine und ein Hauch Pink. Bei den Shirts fand sich in Blau und Weiß immerhin der Ausverkauf.
Das Leitbild des Vereins sagt es selbst
Derselbe Verein führt ein Leitbild, und dessen zweiter Punkt lautet, die Vereinsfarben seien und blieben Blau und Weiß.
Damit steht hier keine Geschmacksfrage, sondern ein Widerspruch zwischen einem selbstformulierten Grundsatz und dem eigenen Sortiment. Das ist die Form von Kritik, die in dieser Sammlung am häufigsten wirkt: ein Verein wird an seinem eigenen Text gemessen.
Der zweite Vorwurf
Er betrifft das Frauenbild der Vermarktung. Ein Sortiment, das für Frauen Pastelltöne und Pink vorsieht und die Vereinsfarben den Männerartikeln überlässt, unterstellt, dass Frauen den Verein anders tragen wollen als Männer.
Wer sich – wie die Verfasserin – ohne Umschweife dafür entscheidet, das eigene Trikot zu tragen, findet in der Damenabteilung dafür nichts. Das ist keine symbolische Kränkung, sondern eine praktische: Es gibt die Ware nicht.
Der Fall, der es absurd macht
Beim Champions-League-Heimspiel gegen Chelsea lief die eigene Mannschaft in einem ausverkauften, blau-weiß tragenden Stadion in Grün auf.
Ein Ausweichtrikot ist ein Vermarktungsprodukt: Es wird gebraucht, wenn die Farben kollidieren, und verkauft, weil es neu ist. Dass es in einem Heimspiel getragen wird, in dem es farblich nicht nötig ist, macht die Reihenfolge sichtbar – zuerst das Sortiment, dann die Farben.
Merchandising gegen Sicherheitsfragen
Die Fanpublizistik dieser Jahre war von Sicherheitsfragen bestimmt: Stadionverbote, Polizeieinsätze, Kollektivstrafen, Kontrollen. Merchandising ist dagegen der Bereich, in dem ein Verein am unmittelbarsten über seine Identität verfügt – und in dem Widerspruch am wenigsten kostet.
Dazu kommt, dass Kritik am Frauensortiment nur von Frauen kommt, und die schreiben in den Fanmedien dieser Jahre in der Minderheit. Dass dieser Text existiert, ist deshalb selbst ein Datenpunkt.
Damengrößen sind Standard, der Vorgang ist nicht weg
Vereinsfarben in Damengrößen sind heute Standard, und die Sortimente sind erheblich breiter als 2013. Verschwunden ist der Vorgang damit nicht: Ausweichtrikots in Modefarben, Kollektionen ohne Vereinsbezug und Sonderfarben zu Jubiläen sind seither die Regel, und der Grundsatz aus dem Leitbild steht unverändert daneben.
Pink und Grün statt Blau und Weiß
Der Titel zitiert eine Liedzeile über die Liebe zu Blau und Weiß und setzt Pink und Grün ein. Das ist die kürzeste mögliche Fassung des Vorwurfs – und der Grund, aus dem der Beitrag über eine Sortimentsfrage hinaus lesbar bleibt: Er handelt davon, wer über die Farben eines Vereins verfügt.
Was ein Sortiment über einen Verein aussagt
Mehr als eine Imagekampagne. Ein Fanshop ist die einzige Stelle, an der ein Verein täglich entscheidet, was seine Farben wert sind: Welche Artikel es in Blau und Weiß gibt, welche Kollektion daneben läuft und welche Zielgruppe für welche Variante vorgesehen ist.
Wer diese Entscheidungen liest, braucht kein Leitbild. Und wer ein Leitbild hat, in dem die Farben festgeschrieben sind, hat sich damit einen Maßstab gegeben, an dem das Sortiment geprüft werden kann – genau das leistet dieser Beitrag.