Schalker gegen Schalker
Am 16. Dezember 2012 entließ der FC Schalke 04 seinen Trainer. Der Beitrag, der an diesem Tag entstand, handelt nur zu einem kleinen Teil davon. Sein eigentliches Thema ist ein Konflikt, der wenige Wochen zuvor begonnen hatte und den kein Verein steuern konnte.
Der Anlass war der Protest, nicht der Trainer
Gegen das Papier „Sicheres Stadionerlebnis“, über das die Vereine am 12. Dezember 2012 abstimmten, protestierten Fanszenen bundesweit mit einem Schweigen von zwölf Minuten und zwölf Sekunden zu Beginn jeder Partie.
Das Mittel war neu und wirksam, weil es niemandem schadete: kein Feuerwerk, keine Sachbeschädigung, kein Spielabbruch. Es hatte aber eine Nebenwirkung, die vorher niemand bedacht hatte – es war für das übrige Publikum nicht auszuhalten.
Was auf den Sitzplätzen geschah
In einer Mannschaft, die verunsichert spielte, fehlte die Unterstützung genau in den Minuten, in denen sie gebraucht wurde. Auf den Sitzplätzen entstand daraus kein Verständnis, sondern Wut – und sie richtete sich nicht gegen die Liga, sondern gegen die eigenen Kurven.
Der Beitrag beschreibt beide Seiten dieses Bruchs, ohne eine zu schonen: Ultras, die nach Ablauf der zwölf Minuten weiter schwiegen und nur noch Rücktrittsrufe skandierten, und älteres Publikum, das die Gruppen offen als Störfaktor behandelte, ohne die Gründe des Protests zur Kenntnis zu nehmen.
Warum das kein lokaler Vorgang war
Aus Kaiserslautern und Düsseldorf wurde in denselben Wochen Vergleichbares berichtet. Der schwelende Konflikt zwischen aktiver Fanszene und dem durchschnittlich älteren Sitzplatzpublikum brach überall dort auf, wo der Protest die Atmosphäre eines Heimspiels sichtbar veränderte.
Damit hatte das Sicherheitspapier eine Wirkung, bevor eine einzige seiner Maßnahmen umgesetzt war. Es hat die Fanszenen nicht getroffen, sondern gespalten – und diese Spaltung richtete mehr Schaden an als die beschlossenen Regelungen.
Der Vorwurf, der in beide Richtungen ging
Beide Lager sprachen sich gegenseitig die Zugehörigkeit ab. Genau darin liegt die Verbindung zu dem, was auf derselben Domain über Kritik am eigenen Verein dokumentiert ist: Wer in einer Fanszene nicht mehr über Sachfragen streitet, sondern über die Berechtigung des anderen mitzureden, hat kein Verfahren mehr, mit dem der Streit endet.
Der Beitrag formuliert das an einem Vereinsmotto: Von tausend Freunden, die zusammenstehen, bleibt nichts, wenn jeder dem anderen bestreitet, dazuzugehören.
Was der Verein damit zu tun hatte
Nicht viel – und das ist der Vorwurf. Ein Vorstand, der ein Leitbild und einen Slogan führt, hätte in dieser Lage vermitteln müssen; stattdessen wurde in derselben Zeit auch die Frage der Ticketpreise ohne offene Kommunikation behandelt.
Ein Verein kann einen Protest gegen einen Ligabeschluss nicht auflösen. Er kann aber erklären, worum es geht – und damit verhindern, dass das eigene Publikum den Konflikt untereinander austrägt. Genau das ist im Dezember 2012 nicht geschehen.