Zehn offene Fragen vom Dezember 2012
Die Weltuntergangstheorie zum 21. Dezember 2012 beschäftigte Vermarktung, Leichtgläubige und Leute, die sich einen Spaß daraus machten. Der Beitrag nutzt sie als Formular: Was würde man verpassen, wenn an diesem Tag Schluss wäre?
Was daraus wird
Eine Liste von zehn Fragen, die im Dezember 2012 offen waren – und damit ein Dokument über den Zustand der Debatte, präziser als jede Zusammenfassung. Aufgeschrieben wurde unter anderem:
Wie es im Fußball weitergeht, ob die Stehplätze abgeschafft werden und die Karten noch teurer. Ob die Politik Einfluss auf den Sport nimmt. Ob es weitere Vereine trifft, nachdem Lübeck, Aachen und Duisburg in ihrer Existenz gefährdet waren oder Insolvenz angemeldet hatten – und wann es einen großen Verein trifft. Ob Financial Fairplay den Fußball verändert. Und wie weit die technischen Hilfsmittel gehen, bis es keine Schiedsrichter mehr braucht.
Eine Fragenliste lässt sich prüfen
Im Nachhinein lässt sie sich abgleichen. Eine Prognose ist wertlos, eine Fragenliste nicht: Sie hält fest, was zu einem Zeitpunkt unentschieden war, und dreizehn Jahre später steht die Antwort daneben.
Die Stehplätze wurden nicht abgeschafft – die Bundesliga ist die letzte große Liga Europas, die sie behalten hat, und sie sind das billigste Segment geblieben. Die Preise sind gestiegen, aber nicht in der Größenordnung der englischen Liga. Die Politik hat Einfluss genommen, und zwar über das Polizeirecht der Länder, nicht über den Sport selbst.
Die Insolvenzen
Sie sind eingetreten, und die Reihe ist länger geworden. Vereine der dritten und vierten Liga haben regelmäßig Verfahren durchlaufen; einen der größten traf es 2020, als der 1. FC Kaiserslautern in ein Schutzschirmverfahren ging – ein Verein mit vier Meisterschaften.
Der Beitrag fragt nach einem großen Verein „wie damals Borussia Dortmund“ und nennt damit den Fall, an dem die Liga gelernt hat: die Beinahe-Insolvenz von 2005, die zur Verschärfung der Lizenzierungsregeln führte.
Der technische Teil
Die Frage nach den Hilfsmitteln ist beantwortet: Der Videobeweis wurde 2017/18 eingeführt, die Torlinientechnik ein Jahr früher, und die halbautomatische Abseitserkennung folgte. Ohne Schiedsrichter geht es nicht – die Entscheidung trifft weiter ein Mensch, nur mit mehr Bildschirmen.
Bemerkenswert ist, dass diese Frage im Dezember 2012 schon gestellt wurde, also fünf Jahre vor der Einführung. Sie stand damals nicht auf der Agenda der Verbände.
Ein Witz als Bestandsaufnahme
Es benutzt einen Witz, um eine Bestandsaufnahme zu machen. Wer im Dezember 2012 gefragt hätte, was die wichtigsten offenen Fragen des deutschen Fußballs sind, hätte eine Antwort mit Sicherheitspapier und Pyrotechnik bekommen – also mit dem Thema der Woche.
Diese Liste nennt es nicht einmal. Sie fragt nach Stehplätzen, Preisen, Insolvenzen, Geld und Technik – und damit nach den Entwicklungen, die den Fußball tatsächlich verändert haben.