FankulturDokumentation · Deutschland
Rotstift

Mit dem Bus nach Wembley

Am Freitag, dem 24. Mai 2013, um 17 Uhr setzten sich vier Busse in München in Bewegung. Ziel war das Endspiel der Champions League im Wembley-Stadion am folgenden Abend. Der Bericht darüber beginnt mit der Frage, warum man über eine Auswärtsfahrt überhaupt schreiben sollte, wenn jeder Leser selbst schon eine gemacht hat.

Der Engpass

Er liegt nicht in der Entfernung, sondern in einer Buchung. Auf die britischen Inseln kommt man mit der Fähre oder mit dem Zug durch den Eurotunnel, und für beides ist eine feste Uhrzeit zu buchen. Wer sie verpasst, wartet, bis Plätze frei werden.

An diesem Wochenende war das Warten keine Option. Zum Finale reisten weit mehr Anhänger als üblich, und der Gegner musste dieselbe Strecke zurücklegen und brachte ebenfalls große Zahlen mit – freie Plätze waren nicht zu erwarten. Staus und Baustellen machten das Vorankommen schwer, und damit wurde der Zeitpunkt der Zugbuchung zum eigentlichen Spannungsbogen des ersten Tages.

Wie ein Publikum bei einem Endspiel zustande kommt

Der Bericht beschreibt die Bedingungen, unter denen so ein Publikum zustande kommt. Über internationale Finalspiele wird berichtet, als wäre die Anwesenheit der Fans selbstverständlich; sie ist das Ergebnis von Kartenkontingenten, Reisebuchungen Monate im Voraus und einer Kette von Anschlüssen, in der ein einziger Ausfall die ganze Fahrt entwertet.

Genau das trat parallel ein. Der Teil des Fanclubs, der nicht mit den Bussen fuhr, hatte Flug und Hotel bereits im November gebucht – und ausgerechnet an diesem Tag war Heathrow nach einer Notlandung über Stunden gesperrt. Zwei Reisewege, ein Ziel, beide gleichzeitig gefährdet.

„Auswärtsfahren muss wehtun“

„Auswärtsfahren muss wehtun“ ist eine der bekanntesten Formeln der Fankultur und wird meist als Pose gelesen. Der Bericht nimmt sie wörtlich und zeigt, was sie praktisch bedeutet: keine Übernachtung, Nachtfahrt im Bus, Ankunft am Spieltag, Rückfahrt unmittelbar nach dem Abpfiff.

Diese Rechnung ist der Grund, aus dem Auswärtsfahrten in Fanszenen einen anderen Rang haben als Heimspiele. Sie kosten Urlaub, Geld und Schlaf, und wer sie macht, erwirbt damit die Berechtigung, über die Mannschaft zu reden – eine Währung, die in keinem Mitgliederverzeichnis steht.

Was aus dem Spiel wurde

Das Endspiel am 25. Mai 2013 war das erste zwischen zwei deutschen Mannschaften; Bayern München gewann 2:1 gegen Borussia Dortmund und holte damit den Titel, der ein Jahr zuvor im eigenen Stadion verloren gegangen war.

Für die Fahrt selbst ist das eine Fußnote. Der Bericht ist der erste Teil einer Folge und endet vor dem Spiel – was seinen Zweck genau beschreibt: Er dokumentiert nicht den Erfolg, sondern den Weg dorthin, und der ist bei jeder Fahrt derselbe, unabhängig vom Ergebnis.

Die einzige Quelle für die Logistik

Für die Logistik der Fankultur gibt es keine andere Quelle. Wie viele Busse fuhren, wann sie losfuhren, welche Buchung den Zeitplan bestimmte, was ein verpasster Anschluss bedeutet – das steht in keiner Chronik und in keinem Spielbericht, und es ist der Teil, der einen Stadionbesuch überhaupt möglich macht.