Das Liga-Lied, das es nie gab
Unter diesem Titel erschien im Oktober 2012 eine Satire, aufgemacht als Eilmeldung: Ab der Saison 2013/14 werde vor jedem Spiel der Profiligen ein einheitliches Liga-Lied angestimmt, und die Vereine seien aufgefordert, ihre Zuschauer zum Mitsingen anzuhalten. Eine solche Hymne hat es nie gegeben, und geplant war sie auch nicht.
Die Vorlage
Die Pointe lag in der Vorlage. Der Text war an Louis Fürnbergs „Lied der Partei“ aus dem Jahr 1950 angelehnt, dessen Refrain in der DDR jedes Kind kannte und in dem an der Stelle der Partei nun der Ligaverband stand. Damit war die Behauptung des Stücks benannt, ohne sie auszusprechen: dass eine Organisation, die kein Fan wählen kann, im Streit jener Wochen so auftrat, als stünde ihre Position nicht zur Debatte.
Herbst 2012, die heißeste Phase der Debatte
Der Herbst 2012 war die heißeste Phase der Sicherheitsdebatte im deutschen Fußball. Zur Abstimmung stand das DFL-Papier „Sicheres Stadionerlebnis“ mit Vorgaben zu Kontrollen, Kartenvergabe und Sanktionen; die Mitgliederversammlung entschied darüber am 12. Dezember 2012. Ab dem 27. November blieben die Kurven der ersten und zweiten Bundesliga in den ersten zwölf Minuten und zwölf Sekunden jedes Spiels stumm – die Aktion „12:12 – Ohne Stimme keine Stimmung“. „Against Modern Football“ war in diesen Monaten weniger eine Parole als eine Zustandsbeschreibung.
Satire war in dieser Auseinandersetzung ein gängiges Mittel, weil die Kurven im Entscheidungsprozess keine Stimme hatten: keinen Sitz in der Versammlung, kein Stimmrecht, nur Banner und Schweigen. Der Text gehört damit in dieselbe Reihe wie die Spruchbänder jener Spieltage – nur dass er die Adressaten beim Namen nannte und ihnen ein Lied unterlegte, das seine Herkunft nicht verbergen konnte.