Ein Spruchband, das der eigenen Sache schadet
Zwischen dem FC Bayern München und der Südkurve stand es im Herbst 2012 schlecht. Auf verschärfte Einlasskontrollen hatte die Kurve mit Fernbleiben reagiert, es folgte ein indirekter Dialog über die Medien – und schließlich die Verabredung, sich zusammenzusetzen. In dieser Lage zeigte eine Gruppe ein Spruchband mit einer groben Beleidigung des Vorstands.
Was der Beitrag daraus macht
Er ist an die Gruppe adressiert, nicht an den Verein, und er stellt eine einzige Frage: Was soll die Wirkung eines solchen Banners unmittelbar vor diesem Gespräch sein?
Die möglichen Antworten geht er durch. Selbstreflexion im Vorstand – unwahrscheinlich; wer beleidigt wird, prüft nicht seine Fehler. Verbreiterung des Protests – das Gegenteil: Mit dieser Wortwahl treibt man die übrigen Zuschauer auf die andere Seite. Bleibt die Wirkung nach innen, und die ist teuer bezahlt.
Der Wortlaut
Er steht hier nicht. Der Beitrag zitiert ihn, weil er sich damit auseinandersetzt; für die Beschreibung des Vorgangs genügt, dass es eine sexuell konnotierte Beschimpfung des Vereinsvorstands war, verbunden mit dem Vorwurf, dieser lasse sich von Polizei und Verband lenken.
Bemerkt wird im Beitrag außerdem, dass der Satz grammatikalisch nicht aufgeht – ein Detail, das mehr über die Entstehung solcher Banner sagt als jede Analyse: Sie werden in kurzer Zeit gemacht, von wenigen, ohne dass jemand sie gegenliest.
Von außen wirkt dieselbe Kritik anders
Von dort muss sie kommen. Ein Verein, der ein Banner beanstandet, bestätigt damit die Erzählung, er wolle Kritik unterdrücken; eine Zeitung, die es beanstandet, bestätigt die Erzählung von der Kampagne gegen die Kurven.
Nur ein Beitrag aus der eigenen Szene kann sagen, dass die Sache berechtigt und das Mittel schädlich ist. Diese Position ist die unbequemste in jeder Fandebatte – und in dieser Sammlung mehrfach dokumentiert, etwa als Streit über die Berechtigung zur Kritik.
Was der Vorgang über Verhandlungen sagt
Er beschreibt ein Grundproblem organisierter Fanszenen. Ein Gespräch führen können nur wenige; ein Spruchband zeigen kann jede Gruppe. Wenn eine Szene aus mehreren Gruppen besteht, kann eine von ihnen die Verhandlungsposition aller anderen an einem Samstag zerstören, ohne dafür verantwortlich zu sein.
Genau daran scheitern Dialogformate häufiger als an der Vereinsseite. Ein Vorstand, der sich nach einer Beleidigung an einen Tisch setzt, muss das gegenüber seinen Gremien begründen – und ein Verein, der es nicht tut, hat eine Begründung, die ihm geliefert wurde.
Mehrfach verschlechtert und wieder normalisiert
Das Verhältnis zwischen Verein und Südkurve hat sich in den Jahren danach mehrfach verschlechtert und wieder normalisiert; Einlasskontrollen, Kartenkontingente und Stehplatzfragen blieben die Themen. Verhandelt wurde weiter – und in diesem Fall auch das Gespräch geführt, um das es hier ging.