Im Südstadion, ohne Ketchup
Dritte Liga, ein Sonntag im Februar 2015, Südstadion in Köln-Zollstock. 4 912 Zuschauer, davon nach der Schätzung des Berichts rund 2 500 aus Ostwestfalen. Die Gäste verloren 0:3, mit Toren in der 28., der 53. und der 79. Minute.
Der Bericht darüber ist der ausführlichste Auswärtsbericht dieser Sammlung, und er handelt zum größten Teil nicht vom Spiel.
Das Stadion
Es wird beschrieben als eine Anlage zwischen Stadtteil-Sportfest und Fußball der 1980er Jahre: Flutlichtmasten, angerostete Zäune, erodierter Beton, groß und alt.
Das ist die dritte Liga in einem Satz. Ein Stadion dieser Art hat keine Logen, keinen Videowürfel und keine getrennten Wege, und es hat eine Atmosphäre, die sich nicht herstellen lässt. Der Bericht nimmt beides als denselben Befund.
Die Versorgung als eigener Vorgang
Ausgeschenkt wurde ausschließlich alkoholfreies Bier – womit ein Teil der Anreise sein Programm verlor. An der Bude waren die Ketchuptütchen ausgegangen; der Caterer kam mit Papierservietten zurück.
Aus diesem Ketchupmangel macht der Bericht ein Motiv, das er bis in den Schlusssatz durchzieht. Das ist Textsorte und nicht Nebensache: Ein Auswärtstag besteht aus Anreise, Versorgung, Block und Rückfahrt, und das Spiel ist einer von vier Teilen. Wer nur über den vierten schreibt, hat den Tag nicht beschrieben.
Was er über die Stadt notiert
Der Stadionsprecher begrüßte „Fußballdeutschland“, was der Bericht der Größe der Anlage gegenüberstellt. Aus den Lautsprechern kam die Vereinshymne, gesungen von einer Kölner Band, und der Autor hält fest, dass er sie den üblichen Vereinshymnen vorzieht – mit der Bemerkung, dass dieselbe Band ihr Herz auch für den größeren Verein der Stadt schlagen lässt.
In der Straßenbahn hatten Einheimische ihre Überraschung darüber geäußert, wie viele Gäste angereist waren. Zur Halbzeit wurde die anwesende Prominenz begrüßt, was der Bericht mit einer Zahlenübertreibung kommentiert.
Das ist die freundliche Fassung eines Auswärtsberichts: Er spottet über die Selbstdarstellung des Gastgebers und lobt dessen Hymne, und beides steht nebeneinander.
Das Spiel, in vier Sätzen
Der Gastgeber ging aggressiv zu Werke, die Gäste spielten verhalten. Das erste Tor fiel nach einer Flanke von der rechten Seite bei einer Fehlstellung in der Abwehr, das zweite nach einem schnellen Angriff über links flach in die Mitte – so, wie der Bericht es von der eigenen Mannschaft erwartet hätte.
Danach war es kalt. Der Bericht formuliert dazu eine Beobachtung, die jeder Stadionbesucher kennt: Bei knappem Rückstand vergeht die Restspielzeit zu schnell, bei knapper Führung zu langsam, bei deutlichem Rückstand überhaupt nicht.
Der Trainer am Mikrofon
Zur Halbzeit gab der Trainer des Gastgebers ein Interview über die Stadionlautsprecher und nannte die Halbzeit die beste der Saison. Der Bericht zieht daraus einen Schluss über die vorherigen 46 Halbzeiten und stellt fest, dass es für die Gäste eine der schlechtesten gewesen sei.
Bemerkenswert ist das Format. Ein Halbzeitinterview über die Beschallungsanlage ist eine Nähe zwischen Verein und Publikum, die in höheren Ligen nicht vorkommt – und der Bericht bemerkt zu Recht, dass sie beim eigenen Verein nicht funktionieren würde.
Was aus dem Gästeblock zu hören war
Der Bericht gibt Wortmeldungen wieder, und sie sind die eigentliche Quelle: die Erwartung eines Feuerwerks nach der Einwechslung, der Widerspruch gegen einen zu früh gefeierten Ansatz, die Beschwörung vergangener Kultspiele, ein Megafonruf, der niemanden mehr erreicht.
Dazu die Klassiker gegen den Gastgeber, darunter der Vorwurf, ein Karnevalsverein zu sein. Nach dem zweiten Gegentor war die Stimmung weg, und der Bericht schreibt das hin, ohne es zu beschönigen.
Der Schluss
Der erste Pflichtauftritt des Jahres habe geschmeckt wie ein Zollstock ohne Ketchup. Danach folgen ein Verweis auf die kommende Woche, eine Aufforderung, einen Strich zu ziehen, und ein Vereinsgruß.
Und dreimal, wortgleich hintereinander, die Feststellung, ein Spieler solle eine eigene Hymne bekommen. Das ist ein laufender Scherz aus früheren Beiträgen derselben Rubrik, und die Wiederholung ist der Punkt. Solche Selbstverweise sind das, was aus einer Reihe von Berichten eine Rubrik macht – und der Grund, aus dem eine Anhängerschaft sie über Jahre gelesen hat.
Häufige Fragen
Verfahren und FristenWo wurde gespielt?
Im Südstadion in Köln-Zollstock, der Heimstätte von Fortuna Köln – eine Anlage der 1970er Jahre mit Flutlichtmasten, Zäunen und offenen Betonstufen.
Wie war die Zuschauerverteilung?
4 912 Zuschauer, davon nach der Schätzung des Berichts rund 2 500 aus Ostwestfalen – ein Gästeanteil von etwa der Hälfte, was in der dritten Liga nur bei zugkräftigen Absteigern vorkommt.
Was war das Ergebnis?
Ein 0:3 für die Gäste, mit Toren in der 28., der 53. und der 79. Minute. Der Bericht nennt es einen Rückschritt in die Auswärtsgewohnheiten der frühen Hinrunde.