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Beobachtung

Ein Armine in Münster

Der Autor dieses Beitrags ist in Bielefeld geboren, seit 1986 Anhänger von Arminia, zum Studium nach Münster gezogen und dort geblieben. Im März 2013 spielten beide Vereine in der dritten Liga um den Aufstieg, und aus diesem Anlass beschreibt er die Rivalität von innen.

Es ist der ungewöhnlichste Text dieser Sammlung: eine Auseinandersetzung mit der eigenen Feindschaft, geschrieben von jemandem, der im Gebiet des Gegners wohnt.

Woher die Schärfe kommt

Aus der Oberliga Westfalen ab 1988. Beide Vereine spielten dort Jahr für Jahr um die Meisterschaft, meist mit dem besseren Ende für Münster. Der Beitrag nennt die Gesamtbilanz – 33 Siege, 16 Unentschieden, 17 Niederlagen aus Bielefelder Sicht – und stellt fest, dass sie ohne diese Jahre besser aussähe.

Er schildert daneben Gewalt bei beiden Begegnungen jener Zeit, darunter beim Rückspiel in Bielefeld. Dort war die Polizei aus Deeskalationsgründen vor dem Stadion geblieben; die Ordnerkette hielt nicht, und der Gästeblock wurde erreicht.

Damit steht hier ein Befund, der in dieser Sammlung sonst aus Beschwerden über zu viel Polizeipräsenz besteht: Ein Einsatzkonzept mit Zurückhaltung ist im Einzelfall genauso folgenreich wie eines mit Hundestaffel – und beide Male entscheidet es sich am Ordnungsdienst.

Der Städtevergleich

Er nimmt den größten Teil des Textes ein und ist der Grund, aus dem er über den Anlass hinausreicht. Münster erscheint darin als katholische, bürgerliche Beamtenstadt mit einer lebendigen Studentenszene, Bielefeld als Arbeiterstadt, die den zweiten Blick braucht.

Der Autor bescheinigt Münster den Vorteil beim ersten Eindruck und hält für Bielefeld fest, dass Auswärtige ihre Antwort regelmäßig mit „Ich hätte nicht gedacht, dass …“ beginnen. Was die Menschen betrifft, hält er beide für Westfalen – und die Unterschiede für eine Folge der Verhältnisse, nicht des Charakters.

Diese Passage ist als Landeskunde geschrieben und funktioniert als Erklärung der Rivalität: Zwei Städte mit 100 Kilometern Abstand, die sich für unterschiedlich halten und es in genau den Punkten sind, die keine Rolle spielen sollten.

Eindimensionaler Fußballhass ist nicht durchzuhalten

Er steht in der Mitte und ist die Erkenntnis des Textes: Eindimensionaler Fußballhass ist nicht durchzuhalten, wenn das Hassobjekt Gesichter bekommt – Gesichter von Freunden, Kollegen und Leuten, mit denen man in der Kneipe die Champions League sieht.

Belegt wird das mit zwei Szenen. In einer Bahnhofskneipe geriet der Autor unter Anhänger des anderen Vereins, die zunächst reagierten, wie man es erwartet, und dann mit ihm anstießen, weil beide Seiten an diesem Abend für einen dritten Verein waren. In seiner Stammkneipe, die sich selbst als Hochburg der Gegenseite versteht, wurde er mit einem Schimpfwort begrüßt und aufgefordert, mit einem Schimpfwort zu antworten – dann bekam er einen Platz.

Das ist eine Beschreibung von Rivalität als Umgangsform. Sie funktioniert, weil beide Seiten wissen, dass es eine ist.

Was er sich vom Derby wünscht

Vier Dinge, und die Reihenfolge ist der Befund: ein ausverkauftes Stadion, ein Sieg des eigenen Vereins, danach gegenseitige Ruhe – und dass die eigene Anhängerschaft ihn nicht blamiert und die Leute nicht verprügelt, die er kennt und schätzt.

Der letzte Punkt ist der, den kein Beitrag dieser Sammlung sonst formuliert. Wer im Gebiet des Gegners lebt, trägt die Folgen eines Auswärtsspiels seiner eigenen Anhängerschaft im Alltag – am Montag, im Büro, in der Kneipe.

Das Glossar

Der Text endet mit einer Liste der gegenseitigen Spottnamen, eingeleitet mit dem Satz, Gewalt fange dort an, wo das Reden aufhört. Die Namen selbst sind hier nicht wiedergegeben; sie stehen zum Teil im Titel des Beitrags und bleiben dort, weil die Adresse dieses Textes nicht verändert wird.

Die Absicht der Liste ist erkennbar dieselbe wie die des ganzen Beitrags: Sie stellt das Beschimpfen als Regelwerk aus, an dem sich beide Seiten beteiligen, und macht damit die Grenze sichtbar, hinter der es aufhört, eines zu sein.

Was aus dem Derby wurde

Beide Vereine spielten in dieser Saison um den Aufstieg in die zweite Liga; Arminia stieg 2013 auf, Münster blieb in der dritten Liga und ist dort seither überwiegend geblieben. Begegnungen zwischen beiden Mannschaften sind deshalb selten geworden.

Die Rivalität hat das nicht beendet. Sie ist, wie der Beitrag zeigt, nicht an die Liga gebunden, sondern an die Erinnerung an fünf Jahre in derselben Spielklasse.

Häufige Fragen

Verfahren und Fristen

Wie steht die Bilanz beider Vereine?

Nach der Aufstellung des Beitrags 33 Siege, 16 Unentschieden und 17 Niederlagen aus Bielefelder Sicht – eine Bilanz, die ohne die Oberligajahre ab 1988 deutlicher ausfiele.

Woher kommt die Schärfe der Rivalität?

Aus der Oberliga Westfalen ab 1988, in der beide Vereine Jahr für Jahr um die Meisterschaft spielten. Der Beitrag benennt diese Zeit als Ursprung und schildert Gewalt bei beiden Begegnungen.

Was ist die zentrale Beobachtung?

Dass sich eindimensionaler Fußballhass nicht aufrechterhalten lässt, sobald das Gegenüber aus Menschen besteht, die man kennt und schätzt.