Union Berlin als Reiseziel
Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Ende der DDR war es einigen Vereinen im Osten gelungen, einen längerfristigen Aufbau zu betreiben und dabei ihre Traditionen zu behalten. Das macht sie auch für Anhänger anderer Klubs zum Reiseziel – und der Bericht behandelt das Ostderby zwischen Union Berlin und Dynamo Dresden ausdrücklich unter diesem Gesichtspunkt.
Der Weg
Union ist in Köpenick beheimatet, einem ruhigen, von Arbeitertradition geprägten Stadtteil. Vom S-Bahnhof erreicht man das Stadion An der Alten Försterei im Grüngebiet Wuhlheide in etwa fünfzehn Minuten zu Fuß.
Auf dem Weg liegen zwei Zwischenstopps, die zum Besuch gehören. Der erste ist die als „Union-Tanke“ bekannte Stelle am Bahndamm an einer Straßeneinmündung – ein Treffpunkt mit Bierbuden und Imbissangebot, der Teil des Spieltagsablaufs ist und nicht seine Vorstufe.
21 000 Zuschauer und eine enge Deckung
Rund 21 000 Zuschauer erlebten sportlich einen enttäuschenden Nachmittag: Der Gast schaltete den gegnerischen Angriff mit einer engen Deckung aus, das Berliner Mittelfeld lief sich fest, und die Partie war von unpräzisen Pässen und Ballverlusten geprägt. Die Dresdener konnten ihre Konter nicht nutzen.
Der Gast feierte an diesem Wochenende sein sechzigjähriges Bestehen – gegründet 1953 –, was die Anreise und die Stimmung im Gästeblock zusätzlich prägte. Das Derby wurde von einer massiven Polizeipräsenz begleitet, begründet mit den Erwartungen an beide Anhängerschaften.
Der Kontrast, der den Bericht trägt
Er liegt zwischen Rasen und Rängen. Der Autor stellt fest, dass in einer Zeit, in der auch Erstligisten im Kampf um Europapokalplätze und selbst der amtierende Meister Pfiffe aus Teilen ihrer schnell gewachsenen Anhängerschaft bekommen, die Besucher dieses Zweitligaderbys ihre Mannschaften bedingungslos unterstützten.
Das ist die Beobachtung, aus der solche Reiseberichte ihren Wert ziehen. Sie messen nicht Spielqualität, sondern das Verhältnis zwischen Leistung und Unterstützung – und dieses Verhältnis ist der einzige Wert, in dem ein Zweitligist einen Meister übertreffen kann.
Was dort zusammenkam
Dort kam mehreres zusammen, das anderswo verloren ging: ein überwiegend stehendes Publikum, ein Stadion, das die Mitglieder in Eigenleistung mit umgebaut haben, ein Vereinsumfeld ohne Namensrechtevertrag und eine Anfahrt, die durch einen Wald führt statt über einen Parkplatz.
Genau diese Aufzählung erklärt auch, warum solche Besuche für die Vereine ein zweischneidiges Geschäft sind. Was Reisende suchen, ist die Abwesenheit dessen, was Wachstum mit sich bringt – und ein Standort, der bekannt wird, wächst.
Was der Bericht für heute wert ist
Er hält einen Zustand fest, den es so nicht mehr gibt: Union in der zweiten Liga, mit einem Derby gegen Dresden als Höhepunkt der Saison. Sechs Jahre später stieg der Verein in die Bundesliga auf und spielte international; die Kapazität wurde erweitert, Karten wurden knapp.
Der Weg vom S-Bahnhof durch die Wuhlheide, die Tanke am Bahndamm und die Stehplätze sind dagegen unverändert – und deshalb ist ein Reisebericht von 2013 nach wie vor eine brauchbare Anleitung.
Das Stadion selbst
An der Alten Försterei ist die Besonderheit, um die es bei einem Besuch geht. Das Stadion liegt im Wald, hat drei überdachte Stehplatztribünen und eine Sitzplatzseite und war zum Zeitpunkt des Berichts das Stadion mit dem höchsten Stehplatzanteil im deutschen Profifußball.
Bemerkenswert ist seine Entstehungsgeschichte: Der Umbau Ende der 2000er Jahre wurde zu einem erheblichen Teil von Mitgliedern und Anhängern in Eigenleistung erbracht – mehrere tausend Helfer, gezählte Arbeitsstunden, und eine Finanzierung, an der die Anhängerschaft direkt beteiligt war.
Damit hat dieser Ort etwas, was sich nicht bauen lässt: Ein Publikum, das die Tribüne, auf der es steht, selbst mit errichtet hat, verhandelt sein Verhältnis zum Verein auf einer anderen Grundlage als eines, dem eine Arena gestellt wurde. Wer verstehen will, warum die Unterstützung an diesem Nachmittag von der Spielqualität unabhängig war, findet hier die prosaischste Erklärung.
Für Reisende heißt das praktisch: Der Besuch lohnt nicht wegen eines einzelnen Spiels, sondern wegen eines Ablaufs, der an diesem Ort seit Jahren derselbe ist – Anfahrt durch den Wald, Aufenthalt am Bahndamm, Stehplatz, und ein Publikum, das den Ausgang der Partie nicht zur Bedingung seiner Unterstützung macht.
Häufige Fragen
Verfahren und FristenWie kommt man zum Stadion An der Alten Försterei?
Vom S-Bahnhof Köpenick in etwa fünfzehn Minuten zu Fuß durch das Grüngebiet Wuhlheide. Auf dem Weg liegen zwei verbreitete Zwischenstopps, darunter der als „Union-Tanke“ bekannte Treffpunkt am Bahndamm mit Bierbuden.
Warum gilt das Spiel gegen Dynamo Dresden als Ostderby?
Weil beide Vereine ihre Geschichte im DDR-Fußball haben und ihre Anhängerschaften seit Jahrzehnten aufeinander bezogen sind. Beim Spiel im April 2013 feierte der Gast zugleich sein sechzigjähriges Bestehen.
Wie viele Zuschauer waren da?
Rund 21 000 – nahezu die damalige Kapazität des Stadions, das zu einem großen Teil aus Stehplätzen besteht.