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Aktion

Die Choreo für Jenő Konrád

Am 17. November 2012 zeigte die Nordkurve des 1. FC Nürnberg vor dem Heimspiel gegen den FC Bayern München eine Choreografie über die gesamte Tribüne. Zu sehen war das Porträt eines Mannes, der 80 Jahre zuvor Trainer dieses Vereins gewesen war und aus Nürnberg fliehen musste: Jenő Konrád.

Wer Konrád war

Konrád, ungarischer Herkunft und jüdischen Glaubens, kam 1930 aus Wien nach Nürnberg und trainierte den Club bis 1932. Unter ihm erreichte die Mannschaft das Halbfinale der deutschen Meisterschaft – ausgeschieden gegen den FC Bayern München.

Anfang August 1932 titelte „Der Stürmer“, das nationalsozialistische Hetzblatt aus Nürnberg, der 1. FCN gehe am Juden zugrunde. Konrád erkannte, was daraus folgen würde, und verließ die Stadt in der Nacht vom 5. auf den 6. August 1932 mit seiner Familie in Richtung Wien.

Was danach kam

Die Stationen der folgenden Jahre lesen sich als Weg vor der politischen Entwicklung in Europa her. 1932/33 trainierte er Ripensia Timișoara in Rumänien und wurde dort Meister. Danach arbeitete er in Österreich, Rumänien, Portugal, Italien und Frankreich; 1940 emigrierte er in die Vereinigten Staaten. In Nürnberg erinnern heute Stolpersteine an ihn.

In der Vereinschronik des 1. FC Nürnberg findet sich ein von ihm signiertes Foto mit einer Widmung: „Der Club war der erste. Und muss der erste werden.“ Diesen Satz stellte die Kurve 2012 neben sein Porträt.

Warum die Aktion mehr war als eine Choreografie

Bemerkenswert ist zunächst der Gegner. Die Erinnerung an eine Kampagne, die 1932 nach einer Niederlage gegen Bayern München einsetzte, wurde 2012 vor einem Heimspiel gegen Bayern München gezeigt. Das ist kein Zufall, sondern die genaueste Form, in der eine Kurve ein Datum zitieren kann.

Der Verein reagierte deutlich. Der damalige Sportvorstand würdigte die Aktion öffentlich als Zeichen dafür, dass Fußball und der 1. FC Nürnberg kein Nährboden für rechtsextreme Strömungen seien – und als Beleg dafür, wie stark sich Verein und Anhänger mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen. Dass eine Vereinsführung eine Fanaktion in dieser Form aufgreift, war und ist die Ausnahme.

Der Teil, der oft weggelassen wird

Für die Kurve war die Sache damit nicht erledigt. Die Ultras Nürnberg luden anschließend zu einem Informationsabend in ihr Lokal ein, Thema: der Umgang des Vereins mit seinen jüdischen Mitgliedern in der Zeit des Nationalsozialismus.

Darin liegt der Unterschied zwischen einer Geste und einer Auseinandersetzung. Eine Choreografie hängt eine Halbzeit und wird fotografiert; eine Veranstaltung über die eigene Vereinsgeschichte hat keinen Bildwert und findet trotzdem statt. Beides zusammen ist der Grund, warum diese Aktion in der Reihe der Erinnerungsprojekte deutscher Fanszenen genannt wird – und warum sie in der Berichterstattung jenes Spieltags zunächst hinter der Pyrotechnik der Gästekurve zurückstand.

Häufige Fragen

Verfahren und Fristen

Wer war Jenő Konrád?

Trainer des 1. FC Nürnberg von 1930 bis 1932, gebürtiger Ungar jüdischen Glaubens, zuvor in Wien tätig. Unter ihm erreichte der Club das Halbfinale der deutschen Meisterschaft.

Warum musste er fliehen?

Anfang August 1932 titelte das nationalsozialistische Hetzblatt „Der Stürmer“, der 1. FCN gehe am Juden zugrunde. Konrád zog daraus die Konsequenz und verließ Nürnberg in der Nacht vom 5. auf den 6. August 1932 mit seiner Familie in Richtung Wien.

Was zeigte die Choreografie?

Sein Porträt, gerahmt von einer rot-schwarzen Nordkurve, mit dem Spruch „Der Club war der erste. Und muss der erste werden“ – einer Widmung, die in der Vereinschronik auf einem von ihm signierten Foto steht.

Blieb es bei der Choreografie?

Nein. Die Ultras Nürnberg luden anschließend zu einem Informationsabend über den Umgang des Vereins mit seinen jüdischen Mitgliedern in der Zeit des Nationalsozialismus ein.