Ein Fanclub-Vorsitzender legt sein Amt nieder
Mitten in der Woche des Revierderbys, im Oktober 2012, trat der erste Vorsitzende eines Dortmunder Fanclubs mit mehr als 1.000 Mitgliedern zurück. Die Begründung war kein Streit im Verein, sondern ein Papier: Er wolle die Verantwortung abgeben, die künftig auf die Fanclubs in ganz Deutschland zukomme.
Was Fanclubs am Konzept betraf
In der öffentlichen Debatte über „Sicheres Stadionerlebnis“ ging es um Kontrollen, Risikospiele und Gästekontingente. Für Fanclub-Vorstände stand eine andere Frage im Vordergrund, und sie kam in der Berichterstattung kaum vor: Wer haftet, wer meldet, wer bürgt.
Ein Fanclub organisiert Busfahrten, verteilt Karten aus einem Kontingent und tritt dem Verein gegenüber als Ansprechpartner auf. Verschärfen sich die Auflagen – bei der Kartenweitergabe, bei der Anreise, bei der Frage, wer für Vorfälle in einem Bus verantwortlich ist –, verschiebt sich Verantwortung auf ehrenamtliche Vorstände, die dafür mit ihrem Namen einstehen und keine Rechtsabteilung hinter sich haben.
Der Rücktritt war überlegt
Der Vorgang war kein Affekt. Der Vorsitzende hatte seine Vorstandskollegen vorab informiert, blieb dem Vorstand als Mitglied erhalten und gab allein die Position des Vorsitzenden ab. Seine Begründung: Er wolle dem Fanclub nicht im Weg stehen, wenn Entscheidungen zu treffen seien, die er mit seiner eigenen Auffassung nicht vertreten könne.
Bestärkt habe ihn, dass es vom Verein bis dahin keinerlei Bestreben gegeben habe, über das Papier der Liga zu sprechen – man verschließe sich dort komplett. Und abzuwarten, was der DFB-Bundestag in der Woche darauf beschließe, hielt er für keinen Ausweg: Beschlossen war zu diesem Zeitpunkt bereits, worüber niemand mit ihm geredet hatte.
Wie darauf reagiert wurde
Unter Anhängern anderer Vereine gingen die Meinungen auseinander, und beide Positionen sind nachvollziehbar. Für die eine spricht die Öffentlichkeitswirkung: Der breiten Öffentlichkeit ist schwer zu erklären, was an den Konzepten von Liga und Verband das Problem ist, weil dafür jemand das Papier lesen müsste. Wenn Vorsitzende zurücktreten und öffentlich sagen, diese Verantwortung sei nicht mehr tragbar, versteht auch der Durchschnittsbesucher, dass etwas nicht stimmt.
Dagegen stand der Einwand, ein Rücktritt nehme der Fanszene genau dort eine Stimme, wo sie sie braucht – im Gespräch mit dem Verein. Wer geht, wird nicht mehr gefragt.
Was der Fall zeigt
Er ist der am schwersten wiegende Beleg dafür, dass die Sicherheitsdebatte 2012 nicht nur Stimmung, sondern Strukturen berührte. Ultragruppen haben protestiert, und das war sichtbar. Dass ein ehrenamtlicher Vorstand eines gewöhnlichen Fanclubs sein Amt aufgibt, weil er die kommende Verantwortung nicht mehr übernehmen will, ist das leisere und konkretere Signal.
Es beschreibt zugleich, wo solche Konzepte tatsächlich ansetzen: nicht bei denen, die im Verdacht stehen, sondern bei denen, die die Organisation tragen.