Pickel seine Bude
Vereine ehren ihre Anhänger selten namentlich. Es gibt Gedenkminuten, Traueranzeigen und gelegentlich eine Bank am Trainingsgelände; ein dauerhaft benanntes Objekt im Stadion ist die Ausnahme. Bei Rot-Weiß Oberhausen gibt es genau das.
Was geschehen ist
Klaus Brandscheid, in der Emscherkurve unter seinem Spitznamen „Pickel“ bekannt, war einer jener Anhänger, die jeder kennt: bei jedem Spiel da, über Jahrzehnte, auch in Spielklassen, in denen das keine Selbstverständlichkeit ist. Nach seinem Tod im Februar 2013 wollte die Fanszene ihm ein Zeichen setzen.
Er hatte seinen festen Platz an einem der Verkaufsstände im Stadion. Seit Februar 2014 heißt Bude 5 deshalb „Pickel seine Bude“ – die Ruhrgebietsform, in der der Name auch gesprochen wird, sichtbar am Stand selbst.
Warum das in großen Stadien nicht passiert
Der Beitrag stellt dazu eine unbequeme Beobachtung an: Bei den großen Vereinen ist es dem Verein weitgehend gleichgültig, wer in der Kurve steht. Nicht aus Geringschätzung, sondern weil der Platz nachbesetzt wird – wer nicht kommt, wird durch jemanden ersetzt, der schon lange auf eine Karte wartet. Der Dortmunder Dauerkartenbestand von rund 55 000 galt in jenen Jahren als Ligarekord und war Jahr für Jahr vergeben.
In einer solchen Lage kann kein einzelner Zuschauer für den Verein unverzichtbar sein. Bei einem Klub aus der Regionalliga ist es umgekehrt: Dort ist jeder Dauerkarteninhaber ein Posten in der Kalkulation, und die Personen an den Ständen und in der Kurve sind bekannt – auch bei den Angestellten.
Was die Benennung wert ist
Sie kostet nichts. Ein neuer Schriftzug an einem Verkaufsstand ist der kleinste denkbare Aufwand, und genau deshalb ist er aussagekräftig: Möglich ist so etwas nicht wegen des Budgets, sondern wegen der Nähe.
Bemerkenswert ist auch die Form. Nicht eine Plakette in offizieller Sprache, sondern der Name, den die Leute benutzen, in der Grammatik, die sie sprechen. Eine Marketingabteilung hätte das anders geschrieben – und damit die Sache verfehlt.
Der Punkt, der über den Einzelfall hinausgeht
Diskutiert wird über Fankultur meist im Konflikt: Sicherheitsbeschlüsse, Kollektivstrafen, Ticketpreise, Anstoßzeiten. Dieser Vorgang gehört in dieselbe Sammlung, weil er die andere Seite derselben Frage beantwortet – was ein Verein für seine Anhänger tun kann, wenn er will.
Und er relativiert eine verbreitete Klage. Der Verlust an Nähe, den größere Vereine beschreiben, ist kein Naturgesetz und kein Ergebnis von Kommerzialisierung allein: Er hängt daran, dass in einem ausverkauften Stadion niemand fehlt.
Der Name im heutigen Gebrauch
Der Stand trägt den Namen weiter. In der Berichterstattung über den Verein kommt er kaum vor – was den Vorgang zusätzlich glaubwürdig macht: Er war nicht als Außenwirkung gedacht, und außerhalb Oberhausens haben es nur wenige mitbekommen.