Wer die Bundesliga im Radio übertragen darf
Im März 2013 vergab die Deutsche Fußball Liga die Audio-Verwertungsrechte für vier Spielzeiten. Das Ergebnis: Die ARD behielt die Radiokonferenz bis 2017, das Netzradio 90elf ging leer aus, und die Internetübertragung übernahm ab der folgenden Saison Sport1.
Warum das eine Fanfrage ist
Übertragungsrechte werden meist als Geschäftsmeldung behandelt. Für Zuschauer ist die Audioverwertung allerdings die Rechteklasse, die am unmittelbarsten in den Alltag greift: Sie ist das Medium für alle, die während eines Spieltags arbeiten, unterwegs sind oder im Stadion eines anderen Spiels sitzen – und historisch die einzige, die vollständig frei zugänglich war.
Die Hörfunkwellen der ARD berichteten zu diesem Zeitpunkt seit der Gründung der Bundesliga ununterbrochen, also seit fünfzig Jahren. Die Halbzeit- und Schlusskonferenz erreichte regelmäßig rund acht Millionen Hörer. Das ist die Größenordnung, um die es bei dieser Entscheidung ging.
Was verloren ging
90elf war 2011 als reines Netzradio angetreten und hatte in den Spielzeiten davor deutlich zugelegt. Nach der Vergabe erklärte der Sender, man habe bis zum Schluss gekämpft und die Grenze des finanziell Machbaren erreicht, das Spiel aber verloren; wie es weitergehe, ließ man offen.
Der Vorgang beschreibt damit eine Regel des Rechtemarkts, die für Zuschauer unangenehm ist: Ein Angebot kann Publikum gewinnen und trotzdem verschwinden, weil die nächste Vergabe nicht das Publikum bewertet, sondern das Gebot.
Die Zahl, die nicht genannt wurde
Über die Lizenzgebühren schwiegen alle Beteiligten – die Liga wie die Sender. Bekannt war nur die Größenordnung der Vergangenheit: Mit der Audiovermarktung hatte die Liga bis dahin etwa sieben Millionen Euro eingenommen.
Sieben Millionen Euro sind, verglichen mit den Fernsehrechten derselben Jahre, ein sehr kleiner Posten. Genau das macht die Rechteklasse interessant: Sie ist für die Liga finanziell nebensächlich und für die Hörer die wichtigste – eine Kombination, die in Verhandlungen selten zugunsten der Hörer ausgeht.
Bemerkenswert ist dabei die Reihenfolge der Vergabe: Zuerst wurde die Rechteklasse gesichert, die die größte Reichweite hat und nichts kostet, und erst danach die, für die ein Anbieter bezahlt hätte. Für die Liga war das eine wirtschaftlich kleine, für die Hörer die entscheidende Entscheidung.
Die Radiokonferenz hat die Vergabe überlebt
Die freie Radiokonferenz hat diese Vergabe überlebt und ist bis heute das Format, über das ein Bundesligaspieltag am breitesten zugänglich ist. Der Netzsender hat sie nicht überlebt.
Für die Debatte über Kommerzialisierung ist der Fall deshalb ein nützliches Gegenbeispiel: Nicht jede Rechtevergabe verengt den Zugang. Erhalten geblieben ist hier ausgerechnet das Angebot, das nichts kostet – und verschwunden ist der Anbieter, der es zuerst ins Netz gebracht hatte – und das nicht am Publikum, sondern an der Höhe des Gebots.