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Eiserner Virus: der Fanverein in Union Berlins Fanszene und sein Name

Der Eiserne Virus ist kein Krankheitsbild, sondern ein eingetragener Verein: „Verein Infizierter Rotweißer Union-Supporter“, gegründet am 18. Juli 2001 von Anhängern des 1. FC Union Berlin.

Gegründet
2001
Rechtsform
e. V.
Verein
Union Berlin
Sitz
Berlin
Leere Betonterrasse mit waagerechten Wellenbrechern aus Stahlrohr, bedeckter Himmel. (KI-generiertes Bild)
AITafel 1Stehplatzterrasse mit Wellenbrechern – die Bauform, um die sich die Arbeit eines Fanvereins ordnet. KI-generiertes Bild.

Woher der Name Eiserner Virus kommt

Die Abkürzung löst sich als „Verein Infizierter Rotweißer Union-Supporter“ auf, und damit ist der Name als Wortspiel gebaut: infiziert im Sinne von angesteckt, rotweiß nach den Vereinsfarben, „eisern“ nach dem Beinamen des Klubs. Entstanden ist er 2001, also lange vor jedem Zusammenhang, in dem das Wort Virus heute zuerst gelesen wird. Der Verein selbst löst die Abkürzung auf seiner Seite nicht auf; nachlesbar ist sie unter anderem beim Deutschen Fußball-Kulturpreis, für dessen Fanpreis der Eiserne Virus 2022 nominiert war.

Wer Virus Union Berlin sucht, sucht in den meisten Fällen diesen Verein und keine Krankheit – eine Verwechslung, die erst durch die Pandemiejahre entstanden ist und die dem Namen älter ist als sie.

Nicht die Krankheit: drei Schreibweisen

Die Kurzform steht in der Fanszene für sich; Virus Union Berlin ausgeschrieben findet sich vor allem dort, wo jemand von außen nach dem Verein sucht und die Punkte der eingetragenen Form nicht kennt. Die Tabelle stellt die drei Schreibweisen daneben, weil alle drei in Umlauf sind und nur eine davon im Register steht.

Die Formen, in denen der Name auftritt.
SchreibweiseVerein Verwendung
Eiserner V.I.R.U.S. e.V. Verein1. FC Union Berlin Verwendungdie eingetragene Form, mit Punkten zwischen den Buchstaben
Eiserner Virus Verein1. FC Union Berlin Verwendungdie gängige Schreibweise ohne Punkte
Virus VereinUnion Berlin Verwendungdie Kurzform, wie sie in der Fanszene benutzt wird

Gegründet nach einem Pokalfinale

Die Gründungsversammlung fand am 18. Juli 2001 statt, wenige Wochen nach dem DFB-Pokalfinale, das Union Berlin als Zweitligist erreicht hatte. Ein Finale bringt einem Klub Zulauf, und Zulauf bringt ein organisatorisches Problem: Menschen, die neu dazukommen, gehören keinem der bestehenden Fanclubs an und tauchen in keiner Struktur auf. Genau dafür wurde der Verein gegründet – um den Support zu koordinieren und die Unorganisierten zusammenzufassen.

Das unterscheidet ihn von einem klassischen Fanclub mit Ortsbezug und von einer Ultragruppe mit eigener Ästhetik: Er ist eine Mitgliederorganisation für alle, die dazugehören wollen, ohne einer der bestehenden Formen beizutreten. In Union Berlins Fanszene besetzt er damit eine eigene Stelle – die Organisation für die Unorganisierten. Zum 25-jährigen Bestehen im Juli 2026 hat er selbst an die Gründungsversammlung erinnert.

Was der Verein in Union Berlins Fanszene organisiert

Der Tätigkeitsbereich ist breiter als der eines Fanclubs und liegt größtenteils außerhalb des Stadions. Regelmäßig organisiert werden Auswärtsbusse, Spieleabende, Kulturveranstaltungen und Theaterbesuche, Diskussionsrunden – darunter zu politischem Extremismus –, ein Newsletter und eine eigene Fußballmannschaft, die unter dem Namen „1. FC VIRUS“ antritt. Der Verkauf eigener Fanartikel finanziert gemeinnützige Vorhaben mit.

Das bekannteste Format ist der jährliche Union-Drachenboot-Fun-Cup auf der Regattastrecke in Berlin-Grünau, der weit über den eigenen Mitgliederkreis hinaus Teilnehmer anzieht. Der Klub selbst hat zum zehnjährigen Bestehen des Vereins zwei Dinge namentlich hervorgehoben: das traditionelle Drachenbootrennen und die „legendären Partyzüge“ – und festgehalten, dass diese ehrenamtliche Arbeit den Ruf des Vereins mitgeprägt hat. Für Union Berlins Fanszene ist das die eigentliche Funktion einer solchen Organisation: Sie hält die Verbindung an den Tagen, an denen nicht gespielt wird.

Fanclub, Ultragruppe, Fanverein: drei Formen

Um die Stelle zu verstehen, die dieser Verein besetzt, hilft die Unterscheidung von den beiden anderen Formen, in denen sich Anhänger organisieren. Ein klassischer Fanclub ist meist örtlich gebunden – ein Ort, ein Stammtisch, ein Bus – und wächst mit der Nachbarschaft. Eine Ultragruppe ist über eine Praxis definiert: Support, Choreografien, eine eigene Ästhetik und eine Haltung zum Verein, der man mit Ansprüchen gegenübertritt.

Ein eingetragener Fanverein wie dieser ist keines von beidem. Er hat Mitglieder, eine Satzung und Beiträge wie ein Verein, aber keinen Ortsbezug und kein Support-Mandat. Was er organisiert, sind Gelegenheiten: eine Busfahrt, einen Spieleabend, ein Drachenbootrennen, eine Diskussionsrunde. Damit erreicht er genau die Gruppe, für die er 2001 gegründet wurde – Anhänger, die dazugehören wollen, ohne einer der beiden anderen Formen beizutreten.

„Eisern statt Einsam“

In den Pandemiejahren, als der Stadionbesuch ausfiel und damit der Anlass, aus dem eine Fanszene besteht, entstand die Initiative „Eisern statt Einsam“: eine wöchentliche Lebensmittelausgabe der Berliner Tafel am Stadion. Daraus wurden gemeinsame Vorhaben mit der Stiftung und dem Wirtschaftsrat des Klubs – Hilfe beim Einrichten von Wohnungen für Geflüchtete aus der Ukraine, die Organisation von Ferienlagern.

Für die Frage, was ein Fanverein ist, ist dieser Abschnitt aufschlussreicher als jede Selbstbeschreibung. Eine Struktur, die ausschließlich am Spieltag existiert, fällt aus, wenn der Spieltag ausfällt. Eine, die Mitglieder, ein Vereinsregister und Arbeitsroutinen hat, kann sich in dieser Zeit etwas anderes vornehmen – und genau daraus entstand die Nominierung für den Fanpreis des Deutschen Fußball-Kulturpreises 2022.

Häufige Fragen

Verfahren und Fristen

Wofür steht die Abkürzung V.I.R.U.S.?

Für „Verein Infizierter Rotweißer Union-Supporter“. Die eigene Seite des Vereins löst die Abkürzung nicht auf; die Auflösung findet sich unter anderem beim Deutschen Fußball-Kulturpreis, für dessen Fanpreis der Verein 2022 nominiert war.

Hat der Name etwas mit einer Krankheit zu tun?

Nein. Der Name ist ein Wortspiel auf „infiziert“ im Sinne von angesteckt vom Verein und stammt aus dem Jahr 2001 – also aus einer Zeit lange vor jeder Pandemie-Debatte.

Wann wurde der Eiserne Virus gegründet?

Die Gründungsversammlung fand am 18. Juli 2001 statt. Anlass war der Zulauf nach dem DFB-Pokalfinale 2001, das Union Berlin erreicht hatte: Einige Anhänger wollten den Support organisieren und diejenigen zusammenfassen, die keinem der bestehenden Fanclubs angehörten.

Was organisiert der Verein?

Auswärtsbusse, Spieleabende, eine eigene Fußballmannschaft („1. FC VIRUS“), Kulturveranstaltungen und Theaterbesuche, Diskussionsrunden – unter anderem zu politischem Extremismus – einen Newsletter und den jährlichen Union-Drachenboot-Fun-Cup auf der Regattastrecke in Berlin-Grünau.

Was war „Eisern statt Einsam“?

Eine Initiative aus den Pandemiejahren: eine wöchentliche Lebensmittelausgabe der Berliner Tafel am Stadion. Daraus wurden gemeinsame Projekte mit der Stiftung und dem Wirtschaftsrat des Vereins, etwa Hilfe beim Einrichten von Wohnungen für Geflüchtete aus der Ukraine und die Organisation von Ferienlagern.